Gesucht, gefunden: Der Swiss Music Award feiert Premiere
Aktualisiert

Gesucht, gefunden: Der Swiss Music Award feiert Premiere

Hoffnungsvoller Auftakt für den Swiss Music Award: Das Fehlen der grossen internationalen Prominenz machten die Schweizer wieder wett. Abräumer des Abends war der dreifach prämierte Rapper Stress. 20minuten.ch war mit der Kamera dabei.

von
Philipp Dahm

Wenn aller Anfang schwer ist, ist am gestrigen Abend eine Geburt gut über die Bühne gegangen. Die Premiere des Swiss Music Award war auf dem Weg zu einem Selbstfindungstrip zu werden, doch die heimischen Akteure gaben dem Abend das Format, das ein Preis braucht, der etwas werden will.

Die Swiss Music Award-Frage

Gleich zu Beginn auf dem roten Teppich vor dem Kaufleuten in Zürich wurde den Prominenten immer wieder eine Frage gestellt, die wie ein Damokles-Schwert über dem ganzen Abend zu schweben drohte: Braucht die Schweiz den Swiss Music Award? Wurde es Zeit für einen Swiss Music Award?

Eines vorweg: Natürlich hat keiner der Protagonisten das verneint. Stellvertretend für viele sagte Baschi auf diese immer wieder gestellte Frage: «Es wurde unbedingt Zeit! Die Schweiz macht gute Musik und ist präsent, wenn auch nicht international.» Und apropos: Dass internationale Stars wie Alicia Keys, Amy Winehouse, Nelly Furtado, Rihanna und Timbaland nicht kommen würden, stand bis dahin fest.

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Mehr Selbstvertrauen, Schweiz!

Auf den Punkt bringt es vielleicht Melanie Winiger. Auf die Frage, was ihr die Schweizer Musik – abgesehen vom Verlobten – bedeute, erklärt sie: «Ich finde es wichtig, das eigene Produkt zu promoten. International hängt die Schweiz da leider noch hinterher.» Da müsse mehr Selbstvertrauen her, findet die frühere Miss der Nation. Ihr Freund Stress wird später sagen: «Es ist gut für unser Land, dass es diesen Preis gibt.»

Ein Auftaktlied von Stephan Eicher, dann wird es ernst: Der erste Swiss Music Award wird in der Kategorie «Best Newcomer National» verliehen. Redwood gewinnt vor MiNa und Greis. Greis ein Newcomer? Das richtet sich danach, ob sich ein Künstler «im Bewusstsein der breiten Masse festgesetzt hat», so die Erklärung.

Stress sahnt ab

Der schmucklosen Verleihung in der Kategorie «Best Urban International» an die nicht anwesende Alicia Keys folgt ein umso beherzterer Auftritt von Börni – ihr neues Stück heisst «Scream My Name». Tatana hat das «Best Dance Album National» gemacht und Gotthards «Domino Effect» wird später zum «Best Pop/Rock Album» erkoren.

Die Lacher auf seiner Seite hat Nils Althaus, als er in der Kategorie «Best Video National» den Preis an Stress vergibt. Mit Blick auf die «kleine Schweizer Industrie« scherzt er: «Es gibt drei professionell produzierte Schweizer Videoclips in diesem Jahr. Die sind halt nominiert.» Stress wird an diesem Abend noch zwei weitere Auszeichnungen einheimsen – in den Kategorien «Best Song National» und «Best Album Urban National».

«Die Schweiz kann ganz viel. Die Schweiz hat ganz viel Talent.»

Die Kategorien «Best Song International» und «Best Album Pop/Rock International» gewinnen Rihanna und Nelly Furtado, die wenigstens eine Video-Grussbotschaft nach Zürich schicken. Dass Amy Winehouse («Best Newcomer International») bei ihrem derzeitigen Lebenswandel für so etwas nicht zu haben ist, kann nicht verwundern.

Doch eine Videobotschaft macht noch keinen Glamour: Warum also ist die Premiere dieses Schweizer Musikpreises gelungen?

Die Veranstaltung war angenehm locker und kurzweilig – nicht zuletzt wegen der leichtfüssigen Moderatoren Jubaira Bachmann und Marco Fritsche, die charmant und witzig durch den Abend führten. Wegen komisch selbstironischen Laudatoren wie Nils Althaus oder wegen der Rednerin Melanie Winiger, die auf der Bühne fast eindringlich wiederholt: «Die Schweiz kann ganz viel. Die Schweiz hat ganz viel Talent.»

Die Norwegerin Maria Mena, die ebenfalls auftrat und in Europa vielverkauft ist, bestätigt am Ende jenes Abends an der Bar: «Vor ein paar Jahren kam ich her, als sie sagten, ich würde gross in den USA rauskommen. Ich war Monate unterwegs gewesen und fühlte mich zum ersten Mal wieder gut. Es war der erste Ort, der mich an Skandinavien erinnert hat. Es war entspannt und gut», macht sie glaubhaft und fügt hinzu: «So wie die Show heute.»

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