Aktualisiert 27.09.2004 20:29

Gesucht: Treue Seele für das Zentrum der Macht

Auf Tuchfühlung mit der Polit-Elite: Für den Bundesrat wird ein Weibel gesucht. Wer den Traumjob will, muss sich gegen 200 Mitbewerber durchsetzen.

Wo immer die Bundesräte auftreten, stehen ihre Weibel wie Schatten daneben. Die verschwiegenen Amtsdiener kennen die Marotten und Geheimnisse der Polit-Prominenz. Sie empfangen Besuch, erledigen Botengänge, ordnen Unterlagen und sorgen im Bedarfsfall für eine Erfrischung oder Aufmunterung.

Bundesrat Leuenberger etwa ist des Lobes voll: «Am meisten schätze ich seine Unaufdringlichkeit, Ruhe und Diskretion», sagt er über Philipp Baeriswyl (31). Der jüngste Bundesratsweibel dankt es ihm mit einem vertrauten Schmunzeln. Im stattlichen Gehrock, mit einem Bündel Akten unter dem Arm, bahnt er seinem Chef den Weg durch die Wandelhalle.

«Man fiebert und freut sich mit seinem Bundesrat, aber es käme mir nie in den Sinn, ihm politische Ratschläge zu erteilen», sagt Baeriswyl. Seit vier Jahren steht er Leuenberger zu Diensten. Davor lernte er Landwirt, arbeitete als Barmann und Flugbegleiter und diente bei der Schweizergarde. Trotz langer Präsenzzeiten liebt er seinen Job: «Hier erlebe ich die Politik aus erster Hand.»

Gut möglich, dass Baeriswyl erstmals eine Berufskollegin bekommt. Die Bundeskanzlei nimmt auch Bewerbungen von Frauen entgegen. Noch ist aber nicht bekannt, unter welchem Bundesrat der neue Weibel arbeiten wird.

Patrick Marbach

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