«actionsanté»: Gesünder essen, ohne es zu merken
Aktualisiert

«actionsanté»Gesünder essen, ohne es zu merken

Herr und Frau Schweizer essen zu viel Salz und Zucker. Das soll sich ändern. Sechs Konzerne senken Zucker-, Fett- oder Salzgehalt in Lebensmitteln. Aber nur ganz langsam.

Nahrungsmittel sollen in der Schweiz schrittweise gesünder werden.

Nahrungsmittel sollen in der Schweiz schrittweise gesünder werden.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat einen Plan. Unter dem Namen «actionsanté» will es dafür sorgen, dass sich Schweizerinnen und Schweizer besser ernähren. Der Clou: Die Bevölkerung soll nichts davon merken. Sechs Lebensmittelkonzerne unterstützen das Vorhaben. «Wir reduzieren den Zuckergehalt unserer Jogurts in kleinen Schritten», sagte Coop-Sprecherin Denise Stadler am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Denn würde der Zuckergehalt eines Jogurts plötzlich um 10 Prozent gesenkt, hätten viele Kunden das Produkt nicht mehr gern, erklärte sie.

Um dies zu vermeiden, tüfteln die Lebensmittelkonzerne an der Zusammensetzung ihrer Produkte. Coop etwa gleicht das zuckerärmere Aroma der Jogurts mit veränderten Bakterienkulturen aus. Bis im kommenden März will der Grossverteiler bei rund 35 Jogurts den Zuckergehalt um 10 Prozent, bei 20 Frischdesserts um 20 Prozent senken. Damit werden 90 Prozent der Jogurts und sogar 100 Prozent der Frischdesserts neu konzipiert.

Auch die Saucen und Suppen des Unternehmens Knorr werden verändert, ohne dass dies die Konsumenten merken. Bis Mitte 2011 sollen diese Produkte mit 7 Prozent weniger Natrium auskommen, wie Knorr-Besitzerin Unilever mitteilte. Natrium ist neben Chlorid der Hauptbestandteil von Salz.

Kräuter statt Salz

Damit die Suppen nicht geschmacklos wirken, ersetzt der Hersteller das fehlende Natrium durch Kräuter und Gewürze. Auch hier gilt: Die Veränderung erfolgt in kleinen Schritten. Nur wenn die Kunden die Geschmacksveränderung nicht bemerkten, akzeptierten sie die salzreduzierten Gerichte, schreibt Unilever. Es sei nicht das Ziel, dass die Kunden selbst nachsalzten.

Mit weniger Fett und Salz auskommen müssen künftig Wurstwaren wie Wienerli und Cervelat des Fleischverarbeiters Traitafina. Weil auch diese Produkte schrittweise verändert würden, bemerkten die Kunden nichts, sagte Traitafina-Sprecherin Jeannette Müller. «Nur Profis schmecken den Unterschied.»

Hoffen auf Imagegewinn

Bisher konnte das BAG sechs Unternehmen davon überzeugen, die Zusammensetzung ihrer Produkte zu verändern oder gesündere Lebensmittel in ihr Sortiment aufzunehmen. Neben Coop, Unilever und Traitafina sind dies die Migros, Selecta und Mars. Die Firmen wählen selbst aus, in welcher Form sie sich engagieren. Im Gegenzug können sie auf einen Imagegewinn hoffen.

Das BAG biete den Unternehmen einen Anreiz für das Engagement, sagte BAG-Sprecherin Mona Neidhart auf Anfrage. «Wir stellen ein Logo als Gütesiegel zur Verfügung», erklärte sie. Das Qualitätslabel dürfe von den Konzernen zu Marketingzwecken verwendet werden.

Die Initiative «actionsanté» ist in das nationale Programm Ernährung und Bewegung 2008 - 2012 eingebunden. Sie wurde 2009 lanciert. Ziel des Projekts sei es, «der Bevölkerung die Wahl für einen gesunden Lebensstil zu erleichtern», schreibt das BAG.

Dazu braucht es offenbar Anreize von aussen: Die Menschen ernährten sich eher gesund und seien körperlich aktiv, wenn sie in einem Umfeld lebten, dass diese Elemente fördert, hält Claudine Burton-Jeangros, Projektleiterin des Nationalen Forschungsschwerpunktes LIVES der Universität Genf, auf der BAG- Webseite fest. (sda)

Zu süss und salzig schadet

Sie sorgen für den nötigen Geschmack - zuviel Salz und Zucker ist allerdings schädlich für die Gesundheit. Ein hoher Kochsalzkonsum etwa erhöht das Risiko, an einer Herzkreislaufkrankheit zu erkranken.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, nicht mehr als 5 Gramm Kochsalz pro Tag zu konsumieren. In der Schweiz liegt die Salzaufnahme mit schätzungsweise rund 10 Gramm pro Person und Tag deutlich darüber, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf seiner Webseite schreibt. Bis 2012 strebt das BAG eine Reduktion des Konsums auf 8 Gramm pro Tag an.

Zucker macht nicht einfach dick, sondern beeinträchtigt vor allem langfristig die Gesundheit, wie BAG-Ernährungswissenschaftlerin Nadine Stoffel-Kurt sagt. «Übermässiger Zuckerkonsum sorgt dafür, dass der Körper vermehrt Insulin produziert», erklärt die Expertin. Die Zellen würden dabei überfordert, sodass sie in der Folge zu wenig Insulin herstellten. Das könne zu Diabetes führen.

Wer zuviel Zucker isst, beeinflusst seinen Stoffwechsel zudem so, dass im Körper weniger Fett verbrannt wird. Dies sei vor allem bei Menschen mit Übergewicht problematisch, sagt Stoffel. Als weiteres Risiko für die Gesundheit bezeichnet die Ernährungswissenschaftlerin Snacks wie Schokoladeriegel. In diesen sei nicht nur viel Zucker, sondern auch noch Fett enthalten.

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