Aktualisiert 03.02.2005 10:32

Gesundheit: Reduktion der Grundleistungen?

Als Gegenmassnahme zu den explodierenden Kosten im Gesundheitswesen will BAG- Vizedirektor Hans Heinrich Brunner eine Reduzierung des Grundleistungskatalogs. Eine solche Massnahme sei nötig, um die Kosten unter Kontrolle zu bringen.

Man müsse sich überlegen, ob jede Leistung, für die heute bezahlt werde, noch von der solidarischen Grundversicherung getragen werden müsse, sagte Brunner in einem Interview mit der «Weltwoche». Auf diese Weise könnten Kosten gesenkt und die Leute zum Nachdenken gebracht werden.

Zu streichen seien jene Leistungen der Grundversicherung, die für den benötigten Aufwand zu wenig Nutzen brächten, sagte Brunner weiter. Auch seien jene Leistungen aus dem Katalog zu entfernen, für die der Patient selber bezahlen solle und könne.

Harte Kritik an Ärzten und Spitälern

Gleichzeitig übte Brunner, ehemals Präsident der Ärztevereinigung FMH, harte Kritik an den Ärzten und Spitälern. Man könne den Leuten keinen Vorwurf machen, wenn sie mit der kleinsten Störung gleich zum Arzt gingen. Sie seien von den Medizinern dazu erzogen worden.

Viele Leistungserbringer, vor allem Spitäler, sündigten. Sie machten aus Prinzip hemmungslos aufwändigste Abklärungen, die gar nicht nötig seien, sagte Brunner. Die Leistungserbringer müssten gezwungen werden, wirtschaftlich vorzugehen.

Auch müssten Betrügereien oder nicht wissenschaftliche Massnahmen abgestellt werden. Als Beispiel nannte Brunner «Mischlereien mit dem Praxislabor». Einen weiteren Missstand ortete er im Bereich des Tarifsystems Tarmed: Es gebe Ärzte, die Dinge verrechneten, die man in gewissen Fällen, aber niemals in allen Fällen tun solle.

Tor zur IV enger machen

Handlungsbedarf sieht Brunner auch bei der Invalidenversicherung (IV). Hier seien «dezidierte Eingriffe des Staates» nötig. Die IV sei der Gefahr ausgesetzt, dass sie aufs Übelste missbraucht werde. Man müsse deshalb «das Tor enger machen».

Der Staat dürfe nicht mehr alle IV-Fälle hinnehmen und sich nur mit der Finanzierung auseinandersetzen, sagte Brunner. Vielmehr müsse verhindert werden, dass die Kosten überhaupt entstünden. Dazu sei aber ein Schwenker in der Philosophie nötig.

(sda)

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