Aktualisiert 18.05.2008 19:17

Gesundheitsbehörden schlagen in Neapel Alarm

Die Müllkrise in Neapel zieht immer weitere Kreise: Der Unrat liegt tonnenweise auf den Strassen der Mittelmeerstadt, und damit steigt nun auch die Sorge vor Gesundheitsgefahren. Am gefährlichsten ist, dass wütende Italiener die Müllberge in Brand stecken.

Der neapolitanische Ärzteverband warnte am Sonntag, dass Mäuse, Kakerlaken und Insekten in den Müllhaufen Krankheiten übertragen könnten. Am bedenklichsten sei jedoch die Dioxin-Belastung durch die willkürliche Müllverbrennung in den Strassen, sagte Verbandschef Giuseppe Scalera der Nachrichtenagentur ANSA zufolge.

Sorge um Gift im Mozzarella

Dadurch könnten auch landwirtschaftliche Erzeugnisse vergiftet werden, warnte er. Im Mozzarella-Käse aus der Region Kampanien, also rund um Neapel, wurden zu Jahresbeginn überhöhte Dioxin-Werte festgestellt.

Auch die US-Armee untersucht inzwischen mögliche Gesundheitsrisiken. Um eine Gefährdung der rund 1800 Beschäftigten und deren Familienmitglieder in der Region auszuschliessen, seien Trinkwasser- und Bodenproben nach Deutschland gesendet worden, hiess es am Sonntag. Sie würden auf Pestizide, Dioxine und Schwermetalle überprüft.

Gewalt gegen Feuerwehr

Verärgerte Bewohner Neapels hatten in der Nacht zum Samstag rund 130 Müllhaufen in Brand gesteckt. Die herbeigeeilten Feuerwehrleute wurden bei den Löscheinsätzen mehrfach mit Steinen beworfen.

Die Polizei musste die Rettungskräfte eskortieren. «Gegen Angriffe von Kriminellen sind wir unvorbereitet und schutzlos», sagte der oberste Brandbekämpfer der Mittelmeerstadt, Ugo Bonessio, dem Fernsehsender Sky TG24.

Sommer, Sonne - und übler Gestank

Die Müllkrise in Neapel und der umliegenden Region Kampanien dauert seit Jahren an. Als die Müllabfuhr im Dezember jedoch die Arbeit einstellte, weil der Müll keinen Platz mehr auf den Deponien fand, eskalierte die Situation.

Die nunmehr steigenden Temperaturen machen das Problem der stinkenden Müllberge noch dringlicher. Der Bau neuer Deponien wird seit Jahren von Anwohnerprotesten vereitelt.

Berlusconi macht Müll zum Thema

Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird in der nächsten Woche einer ausserordentlichen Kabinettssitzung zur Müllkrise in Neapel vorsitzen. Die endgültige Lösung des Müllproblems in Süditalien gehörte zu Berlusconis Wahlversprechen. Dies solle zu seinen ersten Amtshandlungen gehören, erklärte er vor der Wahl Mitte April.

Vor kurzem hat die EU-Kommission wegen der Müllkrise rechtliche Schritte gegen die Regierung eingeleitet - damit könnte Italien eine Strafe in Millionenhöhe drohen. (dapd)

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