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Mehr EigenschutzGesundheitsökonom fordert FFP2-Masken im Alltag

Die Bayern müssen ab Montag FFP2-Masken tragen. Gesundheitsökonom Willy Oggier sieht darin ein Vorbild für die Schweiz.

von
Bettina Zanni
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«Eine FFP2-Maskenpflicht in der Schweiz könnte den Trägern einen höheren Eigenschutz bieten und mithelfen, die schnelle Übertragbarkeit des Virus zu reduzieren», sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier.

«Eine FFP2-Maskenpflicht in der Schweiz könnte den Trägern einen höheren Eigenschutz bieten und mithelfen, die schnelle Übertragbarkeit des Virus zu reduzieren», sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier.

20min/Taddeo Cerletti
Willy Oggier: «Ich rechne damit, dass die Preise für die FFP2-Masken bei genügend grossem Vorrat sinken, weil die Läden sich dadurch auch Mehrumsätze in anderen Bereichen erhoffen.»

Willy Oggier: «Ich rechne damit, dass die Preise für die FFP2-Masken bei genügend grossem Vorrat sinken, weil die Läden sich dadurch auch Mehrumsätze in anderen Bereichen erhoffen.»

«Das Tragen von FFP2-Masken zu verordnen, wäre nur dann angemessen, wenn die Kapazitäten in den Intensivstationen völlig ausgelastet wären», sagt Stefan Felder, Gesundheitsökonom an der Universität Basel.

«Das Tragen von FFP2-Masken zu verordnen, wäre nur dann angemessen, wenn die Kapazitäten in den Intensivstationen völlig ausgelastet wären», sagt Stefan Felder, Gesundheitsökonom an der Universität Basel.

wwz.unibas.ch

Darum gehts

  • In Bayern gilt ab Montag eine Pflicht für das Tragen von FFP2-Masken.

  • Alles deute darauf hin, dass das mutierte Coronavirus ansteckender sei, sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier. Er befürworte deshalb eine solche Pflicht auch in der Schweiz.

  • Epidemiologe Andreas Cerny ist skeptisch: Die Masken seien schwieriger zu handhaben.

Der Freistaat Bayern zieht ein neues Register im Kampf gegen das Coronavirus: Ab dem 18. Januar dürfen die Bürger nur noch mit einer FFP2-Maske den ÖV benützen und einkaufen gehen.

Ministerpräsident Markus Söder erklärte die Massnahme mit einem verstärkten Eigenschutz (siehe Box). Bezahlen muss die Bevölkerung die Masken aus der eigenen Tasche.

«Hilfe gegen Mutation»

Alles deute darauf hin, dass das mutierte Coronavirus ansteckender sei, sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier. «Eine FFP2-Maskenpflicht in der Schweiz könnte den Trägern einen höheren Eigenschutz bieten und mithelfen, die schnelle Übertragbarkeit des Virus zu reduzieren.»

Oggier hält es für die Bürger für zumutbar, die Kosten selbst zu tragen. «Ich rechne damit, dass die Preise für die FFP2-Masken bei genügend grossem Vorrat sinken, weil die Läden sich dadurch auch Mehrumsätze in anderen Bereichen erhoffen.» Bestehe jedoch eine knappe Maskensituation, könnten sozial schwächere Personengruppen ein finanzielles Problem erhalten. «Dann schliesse ich nicht aus, dass diese Masken gezielt gratis abgegeben werden.»

Bart als Problem

Damit die Maske gut schützt und an den Seiten keine Atemluft durchströmt, müssen die Maskenränder der FFP2-Masken eng am Gesicht anliegen. Ein Problem stellt der Bartwuchs dar, weil sich dadurch zwischen Haut und Maske ein Abstand bildet. «Sie ist bei Männern nur mit glattrasierter Haut zu tragen», sagt Johannes Knobloch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zur «Süddeutschen Zeitung».

Laut Armeesprecher Stefan Hofer hat die Armeeapotheke Mitte Januar 2021 mehr als 3,8 Millionen FFP2-Masken am Lager. «In den nächsten Wochen werden zudem weitere Lieferungen von ca. 4 Millionen FFP2-Masken erwartet.» Ob die gesamte Bevölkerung mit FFP2-Masken ausgestattet werden könnte, konnte die Armee nicht angeben.

«Bevormundung der Bürger»

Stefan Felder, Gesundheitsökonom an der Universität Basel, sieht eine Pflicht für FFP2-Masken nur unter bestimmten Umständen für angebracht. «Das Tragen von FFP2-Masken zu verordnen, wäre nur dann angemessen, wenn die Kapazitäten in den Intensivstationen völlig ausgelastet wären.» Der Staat könne unter diesen Umständen die Massnahme begründen.

Würden FFP2-Masken dagegen aktuell vorgeschrieben, wäre dies laut Felder eine Bevormundung der Bürger. Während bei der Maskenpflicht der Fremdschutz im Vordergrund stehe, gehe es bei der FFP2-Maske um den Eigenschutz. «Der Eigenschutz liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Bürgers und nicht des Staats.» Es gehe zu weit, wenn der Staat genau vorschreibe, was die Bürger zu kaufen hätten.

«Sinnvoll für Risikogruppen»

Für Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch wäre das Tragen von FFP2-Masken als Vorschrift kaum zielführend. «Würden die Behörden diese Masken für Risikogruppen empfehlen, wäre dies sinnvoll.» Wichtig dabei sei, dass die Empfehlung von einer genauen Instruktion begleitet würde.

Im Moment führe das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine Diskussion darüber, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung, am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Sie seien auch nicht der Überzeugung, dass diese Masken der richtige Weg seien, um die neue Mutante eingrenzen zu können. «Wir sind gespannt, was andere Länder damit für Erfahrungen machen.»

FFP2-Masken könnten ein Thema werden

Der deutsche Virologe Alexander Kekulé beurteilt FFP2-Masken etwa im ÖV, wo sich viele Menschen drängen, als deutlich sicherer, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Aber auch in so manchen kleinen Bäckereien seien FFP2-Masken mangels Möglichkeit zum richtigen Lüften sicher sinnvoll.

Auch Andreas Cerny, Infektiologe am Moncucco-Spital in Lugano, sagt: «Ich kann nicht ausschliessen, dass FFP2-Masken für die Bevölkerung ein Thema werden, sobald wir mehr über die neuen Virusvarianten wissen.» Im Moment sehe er eine solche Maskenpflicht jedoch nicht als Option.

«Falsches Sicherheitsgefühl»

Laut Cerny ist die Schutzwirkung der FFP2-Masken etwas besser als bei den üblichen Hygienemasken. «Dies kann man in Laborexperimenten mit Aerosolen nachweisen. Die Maske ist für beruflich Exponierte in bestimmten definierten Risikosituationen bestimmt.» Diese Masken seien aber auch teuer und schwieriger zum Handhaben.

Es könne auch ein falsches Sicherheitsgefühl entstehen, so Cerny. «Aerosole mit Virus können auch über die Schleimhaut der Augen zur Infektion führen, und wenn die Handhygiene nicht optimal ist, kann man sich trotzdem infizieren.» Im Fokus seien zurzeit andere Schutzmassnahmen, wie der Bundesrat beschloss, die nachweislich das Ansteckungsrisiko vermindern könnten, sagt Cerny.

So funktionieren FFP2-Masken

Die FFP-Masken (Filtering Face Piece) verhindern im Gegensatz zu Hygienemasken, dass feste Partikel wie Viren in die Atemwege eindringen können. FFP1-Masken bieten den schwächsten Schutz. Sie filtern rund 80 Prozent der festen Teilchen in der Atemluft. FFP2-Masken filtern mindestens 94 Prozent der festen Teilchen und FFP3-Masken mindestens 99 Prozent.

Optional sind die Masken mit einem Ausatemventil ausgerüstet. Dieses sorgt für einen geringeren Atemwiderstand beim Ausatmen. Gleichzeitig sinkt aber der Fremdschutz, da ausgeatmete Aerosole nicht durch das Filtermaterial abgefangen werden.

Beim Grossverteiler kosten 50 Stück Hygienemasken rund 10 Franken. FFP2-Masken sind dagegen deutlich teurer. Bei Migros Do-It + Garden kostet ein Dreierpack rund 15 Franken, die Fairmask-Stoffmaske mit FFP2-Filtersystem bei Coop pro Stück rund 18 Franken. In Online-Shops variieren die Preise etwa für Zehnerpackungen stark.

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