Impfdurchbrüche befürchtet – Pflegende wollen den Booster-Schutz zuerst
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Impfdurchbrüche befürchtetPflegende wollen den Booster-Schutz zuerst

Pflegerinnen und Pfleger fordern Zugang zur dritten Impfung. Weil sie schon anfangs Jahr geimpft wurden, fürchten sie Impfdurchbrüche und wollen den Booster als erste erhalten.

von
Christina Pirskanen
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Die Pflegebranche schlägt Alarm: «Wir sind diesem Virus mehr ausgesetzt als andere Branchen, eine fünfte Welle mit erkranktem Personal kann sich kein Spital mehr leisten», sagt Leserin N. L.* zu 20 Minuten. 

Die Pflegebranche schlägt Alarm: «Wir sind diesem Virus mehr ausgesetzt als andere Branchen, eine fünfte Welle mit erkranktem Personal kann sich kein Spital mehr leisten», sagt Leserin N. L.* zu 20 Minuten.

20min/Marvin Ancian
Für immunsupprimierte Patienten und Patientinnen ist die dritte Impfung gegen Corona schon heute zugänglich. Das Spitalpersonal, welches früh geimpft wurde und täglich mit möglichen Covid-Fällen in Kontakt ist, muss noch abwarten. 

Für immunsupprimierte Patienten und Patientinnen ist die dritte Impfung gegen Corona schon heute zugänglich. Das Spitalpersonal, welches früh geimpft wurde und täglich mit möglichen Covid-Fällen in Kontakt ist, muss noch abwarten.

20min/Marco Zangger
«Sobald beschlossen wird, eine Drittimpfung anzubieten, muss diese dem Gesundheitspersonal umgehend und prioritär zur Verfügung gestellt werden», fordert Roswitha Koch, Leiterin Bereich Pflegeentwicklung beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK).

«Sobald beschlossen wird, eine Drittimpfung anzubieten, muss diese dem Gesundheitspersonal umgehend und prioritär zur Verfügung gestellt werden», fordert Roswitha Koch, Leiterin Bereich Pflegeentwicklung beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK).

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • Pfleger und Pflegerinnen fordern die Freigabe der dritten Covid-Impfung.

  • Das Pflegepersonal konnte schon früh geimpft werden, nun bereiten ihm die zunehmenden Impfdurchbrüche Sorgen.

  • Auch das Universitätsspital Zürich spricht sich für einen raschen Zugang zur dritten Dosis aus.

  • Die Anträge zur Auffrischimpfung von Pfizer und Moderna sind noch bei Swissmedic hängig.

Mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit könnte die Schweiz auf eine fünfte Corona-Welle zusteuern. Die ohnehin geschwächte Pflegebranche schlägt nun Alarm: «Wir sind diesem Virus mehr ausgesetzt als andere Branchen, eine fünfte Welle mit erkranktem Personal kann sich kein Spital mehr leisten», sagt Leserin N. L.* zu 20 Minuten. Schon jetzt herrsche ein Mangel an Pflegefachpersonal, es könne nicht schöngeredet werden, dass letztes Jahr eine Kündigungswelle stattgefunden habe.

L. ist Pflegefachfrau in einem Zürcher Spital und fordert nun Zugang zu Drittimpfungen für Pfleger und Pflegerinnen. Durch ihre Arbeit sei sie ständig in Kontakt mit möglichen Covid-Patienten und Patientinnen. «Ich möchte nicht an diesem Virus erkranken, viele Pflegefachpersonen leiden auch bereits an Long Covid», sagt L.

Sie verstehe nicht, wieso einige Kantone eine Drittimpfung immunschwachen Personen schon anbieten, dem Spitalpersonal jedoch nicht. «Wir wurden als erstes geimpft und nun behandeln wir schon Impfdurchbrüche - das beunruhigt», sagt die Pflegefachfrau. «Das Bundesamt für Gesundheit konnte mir aber nicht sagen, wann wir die dritte Impfung bekommen werden.»

Gesundheitspersonal soll für dritte Dosis priorisiert werden

Roswitha Koch ist Leiterin des Bereichs Pflegeentwicklung beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK). Sie kann die Sorgen des Pflegepersonals nachvollziehen: «Weil das Gesundheitspersonal bereits früh im Jahr geimpft werden konnte, würden die Pflegenden natürlich auch zu jenen Personen gehören, bei denen der Schutz gegen Ansteckungen eher zurückgeht.»

Der SBK erwarte, dass das Gesundheitspersonal, sobald die Eidgenössische Kommission für Impffragen einen entsprechenden Entscheid fällt, prioritären Zugang zu einer Drittimpfung erhält. Ein weiterer Grund dafür sei, dass manche immer noch regelmässig Kontakt mit Covidpatienten und -patientinnen oder Verdachtsfällen hätten und damit besonders gefährdet seien. «Sobald beschlossen wird, eine Drittimpfung anzubieten, muss diese dem Gesundheitspersonal umgehend und prioritär zur Verfügung gestellt werden», fordert Koch.

Grosser Wunsch nach Booster-Schuss

Auch im Universitätsspital Zürich ist der Wunsch nach einer Drittimpfung seitens Pflege und Ärzteschaft gross, sagt Mediensprecher Claudio Jörg. «Das USZ wird – wie bereits bei den Erstimpfungen – alles daran setzen, Booster-Impfungen auch für Mitarbeitende sofort anzubieten, sobald diese zugelassen sind», sagt er.

Ob, wann und für wen die Booster-Impfung kommen wird, ist derzeit noch unklar: Die Anträge um eine Zulassungserweiterung für die Auffrischimpfung wurden von Pfizer und Moderna bei Swissmedic eingereicht. Ob bei einer Zulassung der dritten Dosis das Gesundheitspersonal als erstes geimpft werden könnte, ist noch unklar.

Entscheid ist bei Swissmedic hängig

Lukas Jaggi, Mediensprecher der Zulassungsbehörde Swissmedic, erklärte gegenüber 20 Minuten, weshalb die Zulassung so lange dauert: «Das Änderungsgesuch, welches für das Verabreichen von Drittimpfungen nötig ist, ist bei uns hängig und wir arbeiten mit Hochdruck daran. Es unterliegt denselben Sicherheitsanforderungen wie das Zulassungsgesuch: Wir benötigen auch evidenzbasierte, aus kontrollierten Studien stammende Daten.»

Das BAG wird zusammen mit der Eidgenössischen Impfkommission auf Basis des Swissmedic-Bescheids eine Impfempfehlung formulieren. Wie der Präsident der Impfkommission Christoph Berger kürzlich gegenüber dem Blick sagte, werde wohl für die normale Bevölkerung dieses Jahr noch keine Booster-Impfung nötig sein.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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