Aktualisiert 03.02.2005 15:24

Get Up, Stand Up

Kein Rockmusiker und schon gar kein Künstler der Dritten Welt ist so sehr zu einer Ikone der Freiheit geworden wie Bob Marley. Am Sonntag, 6. Februar 2005 wäre der Reggae-König 60 Jahre alt geworden.

Songs wie «Get Up, Stand Up» trafen in den Elendsvierteln der Entwicklungsländern auf einen anderen Resonanzboden als auf den Tanzflächen der Ersten Welt. Aber dem Reggae-Musiker aus Jamaika gelang der Brückenschlag zwischen diesen Welten. Zurzeit strömen hunderttausende Fans zur Feier seines 60. Geburtstags am kommenden Sonntag nach Addis Abeba. Das Konzert zu Ehren des 1981 verstorbenen Musikers wird von Marleys Witwe Rita, der Afrikanischen Union und dem UN-Kinderfonds (UNICEF) veranstaltet.

Es ist das erste Mal, dass das jährliche Gedenken an Marley nicht in seinem Heimatland Jamaika stattfindet. Der in den Gettos des Karibikstaats aufgewachsene Marley wurde in der zweiten Hälfte der 70er Jahre zum Führer der Rastafari-Bewegung. Die vom US-Erweckungsprediger Marcus Garvey in den 20er Jahren angestossene Bewegung sieht sich als Nachkommen vom verlorenen Stamm Israels an, der in die westliche Unfreiheit - Babylon - verkauft wurde. Als Gott verehrten sie den letzten, 1975 verstorbenen äthiopischen Kaiser Haile Selassi - den «Lija Ras Tafari». Sie predigen die Einheit mit der Natur und das Rauchen von Marihuana ist für sie ein Sakrament.

Nun: der Mythos von Bob Marley ist grösser und nachhaltiger als diese Vision. Im «Redemption Song» des Albums «Uprising», das er bereits gezeichnet von seiner Krebserkrankung aufnahm, heisst es: «All I ever had is songs of freedom.» Seine Botschaften verpackte er in einen subtilen Reggae, sein Gesang war immer souverän: Ob «Stir It Up», «No Woman No Cry», «Exodus» oder «Jammin'». Marleys charismatische Persönlichkeit zog die Massen an: Allein bei seiner triumphalen Europatournee von 1980 spielte er mit seinen Wailers in 33 Konzerten vor 2,5 Millionen Menschen.

Am 11. Mai 1981 starb er im Alter von 36 Jahren in einer Klinik in Miami an Krebs. Er wurde in Jamaika in einem Staatsbegräbnis beigesetzt; 1990 rief die Regierung den 6. Februar zum Nationalfeiertag aus.

Marleys Witwe Rita lieferte sich nach seinem Tod mit anderen Konkurrenten einen erbitterten Kampf um den Nachlass. 1987 sagten sich aber die Wailers von der Marley-Witwe los. Das Oberste Gericht Jamaikas sprach ihr 1991 für 11,5 Millionen Dollar das musikalische Erbe zu, obwohl zwei andere Bieter deutlich mehr geboten hatten.

Vor dem grössten Konzert, das jemals in Äthiopien gegeben wurde, sorgte Rita Marley mit Überlegungen für Unruhe, den Wunsch ihres Mannes nach einer Ruhestätte in Äthiopien erfüllen zu wollen. Ein Datum nannte sie nicht, aber Jamaika ist seitdem zutiefst beunruhigt, ein kulturelles Erbe zu verlieren.

Auf dem «Africa Unite»-Konzert wird Rita Marley mit Marcia Griffith und Judy Mowatt als die I-Threes auftreten - Bob Marleys seinerzeit mit den den Wailers auftretender Frauenchor. Ausserdem sind die senegalesischen Musiker Baaba Mal und Youssou N'Dour, Kidjo aus Benin, Reggae-Rapper Shaggy, Soulsängerin India.Arie und Marleys Kinder dabei.

(dapd)

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