Bürgenstock: Geteilte Meinungen über das Zentralschweizer-WEF
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BürgenstockGeteilte Meinungen über das Zentralschweizer-WEF

Die Ankündigung dass das WEF im Mai 2021 einmalig auf dem Bürgenstock und in Luzern stattfinden soll, löst in der regionalen Politik euphorische aber auch kritische Reaktionen aus. Ähnlich sind die Reaktionen auf der Strasse.

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20 Minuten/SDA

Darum gehts

  • Die Parteien sind sich uneinig über die Ankündigung, dass das WEF 2021 auf dem Bürgenstock stattfinden soll.
  • FDP, CVP und SVP sind positiv eingestellt und freuen sich sogar teilweise.
  • Die SP des Kantons Luzern hat sogar eine dringliche Anfrage eingereicht. Sie will wissen, ob es im Interesse der Luzerner Bevölkerung ist, dass der Anlass im Raum Luzern durchgeführt werden soll?
  • Bei einer Umfrage in Luzern haben sich die Befragten eher neutral geäussert.

Nicht nur die Regierungen von Luzern und Nidwalden frohlockten nach der Bekanntgabe dieses Entscheids, dass das World Economic Forum (WEF) 2021 auf dem Bürgenstock und Luzern stattfinden soll. Auch die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz zeigte sich erfreut und twitterte: «Eine tolle Chance für die Zentralschweiz.»

Eine kritische Haltung legt die SP des Kantons Luzern an den Tag. In einer dringlichen Anfrage, die am Donnerstag eingereicht wurde schreibt sie: «Entspricht es tatsächlich dem Interesse der Luzerner Bevölkerung, dass dieser Anlass im Raum Luzern durchgeführt werden soll?» Sie fordert vom Regierungsrat Antworten zu Sicherheitsbestimmungen, Kosten und Flugbewegungen.

Für die Grünen im Kanton Nidwalden ist derweil klar, dass die Obergrenze von 20'000 Flugbewegungen auf dem Flugplatz Buochs auch mit dem WEF nicht überschritten werden darf, wie Parteipräsident Alexander Huser auf Anfrage sagte. Grundsätzlich sei es aber logisch, dass ein internationales Forum wie das WEF auf dem Bürgenstock abgehalten werde.

Juso: «Das WEF ist in der Zentralschweiz nicht willkommen.»

Die FDP als grösste Fraktion im Nidwaldner Landrat ist dem Treffen positiv gesinnt, Fraktionschef Philippe Banz spricht von einer «tollen Geschichte». Noch wisse man aber nicht, was der Anlass bezüglich Einschränkungen und Kosten bedeute.

Laut Roland Blättler, Präsident der SVP Nidwalden freut man sich auf das WEF. «Das lokale Gewerbe und die Region wird aus wirtschaftlicher Sicht profitieren.» Blättler hofft, dass der Bürgenstock durch das WEF wieder zu früherem Glanz verholfen werden kann und dadurch weitere internationale Anlässe folgen könnten.

Das Treffen im Mai wird kleiner ausfallen als zuvor, die Rede ist von 1500 Gästen. Dennoch ist es «hervorragend für die Wirtschaft», sagte der Luzerner CVP-Präsident Christian Ineichen. Luzern werde die Kosten nicht alleine tragen müssen und gemessen an der Wertschöpfung könnte ein solcher Betrag durchaus gerechtfertigt sein.

Kritisch meldeten sich die Zentralschweizer Juso-Sektionen zu Wort: «Das WEF ist in der Zentralschweiz nicht willkommen.» Sie kritisiert den Entscheid der kantonalen Regierungen, «diesem Verein und damit dem internationalen Kapital» eine Plattform zu geben.

Die SP der Stadt Luzern hatte bereits am 24. September beim Stadtrat bereits eine Interpellation dazu eingereicht, nachdem erste Gerüchte über die Durchführung des WEF in der Zentralschweiz kursierten.

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Das WEF soll vom 18. bis 21. Mai 2021 auf dem Bürgenstock stattfinden. 

Das WEF soll vom 18. bis 21. Mai 2021 auf dem Bürgenstock stattfinden.

KEYSTONE/Urs Flüeler
Es steht unter dem Motto «The Great Reset».

Es steht unter dem Motto «The Great Reset».

KEYSTONE/Urs Flüeler
Die Ankündigung löst in der Region euphorische aber auch kritische Reaktionen aus.

Die Ankündigung löst in der Region euphorische aber auch kritische Reaktionen aus.

KEYSTONE/Alexandra Wey

Befragte finden es vorwiegend positiv, dass WEF in der Region stattfindet

Eine Umfrage auf der Strasse in Luzern hat ergeben, dass die Befragten im Zusammenhang mit dem Austragungsort des WEF eher neutral eingestellt sind. So sagte etwa Jannis Hüsli (18) aus Rothenburg: «Ich finde den Bürgenstock schön und denke, es ist sicher nicht schlecht, wenn das WEF auch mal in der Zentralschweiz stattfindet und nicht immer in Davos.» In seinen Augen ist es ein Gewinn für Luzern. Auch dass er möglicherweise Einschränkungen in Kauf nehmen muss, stört ihn nicht.

Etwas kritischer sieht es Jennifer Häberli (30) aus Luzern. Sie stört sich daran, dass die Machthaber am WEF zusammenkommen, um darüber zu reden, wie man am schnellste Geld machen kann. «Für mich wird das Thema Menschenrechte zu stark vernachlässigt», sagt Häberli. Aus Sempach kommt Louis Huschler (17). Er denkt, dass die Region vom WEF profitieren kann. Häberli: «Als Nachteil sehe ich die Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen werden müssen.»

«Mit murren und knurren würde ich Einschränkungen wegen des WEF in Kauf nehmen», sagt Markus Honegger (64). Weniger positiv findet Honegger den möglichen Fluglärm in der Region: «Die Personen sollen meiner Meinung nach möglichst umweltverträglich anreisen, aber mir ist schon klar, dass das nicht alle machen werden.» Er befürchtet, dass etwa Trump mit einer Entourage von 100 Personen per Helikopter auf den Bürgenstock anreisen könnte und er ist darum der Meinung, dass Trump ausgeladen werden sollte. «Ich bezweifle auch, dass man dem Thema Corona auf hoch politischer und internationaler Ebene näher kommt», sagt Honegger weiter.

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77 Kommentare
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WEF so oder so unnötig

10.10.2020, 19:30

Wie sicher ist es,dass Trump wiedergewählt wird? Na ja wenn schon 2 Senioren Präsident werden wollen,könnte es sein,dass Trump nochmals gewählt wird. Es ist nicht zu fassen, dass es im riesen Amerika keine jüngeren Anwärter/Innen gibt. Was ist denn da los? Oder kosten die Wahlkampagnen derart,dass sich nur Milliardäre à la Trump und Biden leisten können. In ein paar Wochen wissen wir es, ob Trump auf dem Bürgenstock landen wird. Immerhin muss dann nicht Schneegeschaufelt werden. Hingegen müsste der ganzen Länge nach Sicherheitsnetze angebracht werden. Nicht dass so ein VIP in den Vierwaldstättersee stürzt.

Steuerzahler

09.10.2020, 08:55

Eine Win-Win-Situation. Jedoch nur für das WEF und den Bürgenstock ! Es ist einfach, mit Steuergeldern grosszügig umzugehen und zu prahlen !

Andi

09.10.2020, 08:51

Ich als Steuerzahler, lehne diesen Anlass ab. Das wir für die Sicherheitskosten aufkommen müssen, ist ein Affront.