Gespräche mit Iran: Geteiltes Echo auf Atom-Kompromiss

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Gespräche mit IranGeteiltes Echo auf Atom-Kompromiss

Ungeachtet der jüngsten Einigung wollen US-Politiker weitere Sanktionen gegen den Iran vorantreiben. Der iranische Aussenminister kündigt hingegen an, weiter verhandeln zu wollen.

Präsident Obama verteidigt das Iran-Abkommen. Seine Kritiker wies er bei einer Rede in San Francisco am Montag in die Schranken. (Video: Reuters)

Jubel im Iran, grosse Skepsis in den USA und Israel: Das Atomabkommen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft stösst auf ein geteiltes Echo. Präsident Barack Obama telefonierte deswegen noch am Sonntagabend mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, um die Wogen zu glätten. Netanjahu hatte das Abkommen zuvor scharf kritisiert.

Obama habe Beratungen mit dem Verbündeten Israel über die Atomvereinbarung angekündigt, teilte die US-Regierung mit. Diese war in der Nacht zum Sonntag zwischen den USA, Russland, China, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und dem Iran ausgehandelt worden. Damit wird das iranische Atomprogramm für sechs Monate eingeschränkt, im Gegenzug werden einige Sanktionen gegen den Iran gelockert. Netanjahu hatte dies scharf kritisiert und von einem historischen Fehler gesprochen, weil der Iran die internationale Gemeinschaft hinters Licht führe.

Kritik in den USA

Auch in den USA gab es Skepsis und Kritik. Der Republikaner Howard McKeon, Chef des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus, bemängelte, der Iran werde nicht verpflichtet, alle Aktivitäten zur Urananreicherung einzustellen. Die Vereinbarung mache «einen nuklearen Iran wahrscheinlicher». Nun sei es noch dringender, dass der US-Kongress härtere Sanktionen gegen das Land verhänge.

Auch der Republikaner Ed Royce, Chef des aussenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus, kritisierte, das Abkommen lasse dem Iran wichtige Teile seiner Fähigkeiten zur Herstellung von Atomwaffen. Gleichzeitig bauten die USA ihre Sanktionen gegen den Iran ab.

Der Chef des Senatsausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, der demokratische Senator Bob Mendez, will neue Sanktionen gegen den Iran ebenfalls vorantreiben - für den Fall «dass die Verhandlungen scheitern oder der Iran das Übergangsabkommen nicht umsetzt oder bricht».

Auch Kanada ist skeptisch

Die kanadische Regierung bewertet die internationale Vereinbarung über das iranische Atomprogramm sehr skeptisch. Das Handeln der Vergangenheit lasse auf künftiges Handeln schliessen, und dem Iran sei im Zweifel eher nicht zu trauen, sagte Aussenminister John Baird. Die konservative kanadische Regierung gilt als enger Verbündeter Israels.

Dagegen wurden die iranischen Unterhändler am Sonntagabend von einer jubelnden Menge am Flughafen in Teheran empfangen. Die dort mit Blumen und Fahnen versammelten Menschen nannten Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif und seinen Stellvertreter Abbas Araghchi «Botschafter des Friedens» und riefen unter anderem: «Nein zu Krieg, Sanktionen, Kapitulation und Beleidigung».

Sarif sagte dem Staatsfernsehen am Flughafen, man sei bereit zu weiteren raschen Verhandlungen: «Wir sind bereit, schon morgen mit der letzten Etappe eines Nuklearabkommens zu beginnen.» Sowohl Präsident Hassan Ruhani als auch der oberste geistliche Führer, Ajatollah Ali Chamenei tragen das Atomabkommen mit. (sda)

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