Freunde nehmen Abschied - Getöteter Obdachloser findet auf Zürcher Friedhof seine letzte Ruhe
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Freunde nehmen AbschiedGetöteter Obdachloser findet auf Zürcher Friedhof seine letzte Ruhe

Der Obdachlose R. (66) wurde im September beim GZ Bachwiesen im Zürcher Kreis 9 getötet. Die Beerdigung fand am Freitag auf einem Friedhof in der Stadt Zürich statt.

von
Alina Müller
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Seine letzte Ruhe fand R. auf einem Friedhof in der Stadt Zürich.

Seine letzte Ruhe fand R. auf einem Friedhof in der Stadt Zürich.

20min/amu
R., ein 66-jähriger Obdachloser, starb im September durch massive, stumpfe Gewalteinwirkung.

R., ein 66-jähriger Obdachloser, starb im September durch massive, stumpfe Gewalteinwirkung.

Privat
Das Tötungsdelikt im Zürcher Kreis 9 sorgte für Empörung. 

Das Tötungsdelikt im Zürcher Kreis 9 sorgte für Empörung.

20min/amu

Darum gehts

  • Beim Gemeinschaftszentrum Bachwiesen im Zürcher Kreis 9 wurde im September ein toter Mann aufgefunden.

  • Es handelte sich dabei um den Obdachlosen R.

  • Auf einem Zürcher Friedhof fand er nun seine letzte Ruhe.

Ein Meer aus Blumen und Kerzen schmücken das Grab des getöteten Zürcher Obdachlosen. «Vor bald drei Wochen wurde R. gewaltsam aus dem Leben gerissen», beginnt der Pfarrer seine Trauerrede. Rund 20 Personen nahmen am Freitag unter Tränen Abschied von R.* Darunter sein Stiefsohn, alte Freunde von R. und seiner verstorbenen Frau sowie Freunde und Bekannte, die jeden Tag mit dem 66-Jährigen im Letzipark sassen. Seine letzte Ruhe fand der 66-Jährige auf einem Friedhof in der Stadt Zürich – gleich neben dem Grabplatz seiner verstorbenen Frau.

Freunde beschreiben R. als ruhig, liebenswert, intelligent und weltoffen. Er habe Rechtswissenschaften studiert und sei früher gerne und viel gereist. «Er konnte mindestens drei Fremdsprachen», erzählt eine Bekannte. «Jeden Tag habe ich R. eine Zeitung vorbeigebracht», sagt sein guter Freund H.* Die Kreuzworträtsel habe er besonders gemocht.

Seine gute Freundin W.* erzählt: «Am Weihnachtsabend letztes Jahr habe ich ihm noch ein Bier und ein Schinkengipfeli vorbeigebracht.» Sie habe oft am Abend, wenn sie mit dem Velo auf dem Nachhauseweg war, beim GZ eine Rauchpause eingelegt und mit R. geplaudert. «Man konnte mit ihm über Gott und die Welt reden. Ich werde ihn sehr vermissen.» Bozo (63), der beste Freund von R., konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Beerdigung teilnehmen: «Es macht mich unfassbar traurig, dass ich nicht dabei sein konnte.» Er werde aber, sobald es ihm besser geht, das Grab seines Freundes besuchen und sich von ihm verabschieden.

«Ich bin überzeugt, dass R. aus Langeweile getötet wurde»

Laut der Kantonspolizei Zürich starb R. durch massive, stumpfe Gewalteinwirkung. Der 20-jährige mutmassliche Täter wurde noch am Tatort festgenommen. Er hat in der Zwischenzeit ein Geständnis abgelegt. Wie es bei der Zürcher Staatsanwaltschaft auf Anfrage heisst, wurde der Beschuldigte vom Massnahmengericht in Untersuchungshaft versetzt. «Ich bin überzeugt, dass R. aus Langeweile getötet wurde», sagte eine Bekannte kurz nach der Tat.

Wie eine Frau auf Snapchat schreibt, soll der mutmassliche Täter «mega besoffen» gewesen sein und die Tat mit seinem Handy gefilmt haben. Der 20-Jährige habe das nur gemacht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei der Zürcher Staatsanwaltschaft hat man Kenntnis von einem Video.

«Ich habe noch nie so einen guten Menschen getroffen», sagte Bozo kurz nach der Tat gegenüber 20 Minuten. R. sei für ihn wie ein Bruder gewesen. «Ich weine jeden Tag.» Am Abend vor der Tat seien die beiden Männer noch zusammen gesessen. «Ich habe ihm gesagt, dass er bei mir übernachten soll. Er hätte sich bei mir duschen und umziehen können.» R. habe aber abgelehnt. «Er sagte, dass er zum GZ muss, weil er sonst seinen Schlafplatz verliert.» Traurig sagte Bozo: «Hätte er bei mir übernachtet, wäre das nicht passiert.»

*Name der Redaktion bekannt

Bozo (63) trauerte nach der Tat im September um seinen besten Freund R.

Video: 20min/Alina Müller

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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