Aktualisiert 06.04.2015 17:35

Paartherapeutin

«Getrennt schlafen macht den Sex erotischer»

Der Trend zu getrennten Schlafzimmern erreicht auch Schweizer Paare. Davon sollen Schlafqualität und Sexleben profitieren.

von
Ph. Flück
Rita Schriber: «Viele Frauen brauchen einen Ort, um sich zurückziehen zu können.»

Rita Schriber: «Viele Frauen brauchen einen Ort, um sich zurückziehen zu können.»

In den Vereinigten Staaten ist laut der «New York Times» der Trend zu getrennten Betten bereits so weit verbreitet, dass 2015 rund 60 Prozent der gebauten Einfamilienhäuser zwei Elternschlafzimmer haben werden.

Auch in der Schweiz schlafen immer mehr Ehepaare in getrennten Betten und oft sogar in verschiedenen Zimmern. Dies nicht etwa, weil ihre Beziehung in einer Krise steckt, sondern aus einer bewussten Entscheidung heraus. Insbesondere in Städten ist das Phänomen weit verbreitet.

«Frau entscheidet, wann sie Lust auf den Partner hat»

Paartherapeutin Rita Schriber sagt, in der heutigen Zeit hätten viele Leute das Bedürfnis nach einem Ort, an dem sie sich zurückziehen könnten. Es sei unter anderem eine Folge der Emanzipation, dass Frauen zunehmend ein Zimmer nur für sich wollten. «Damit kann eine Frau selber entscheiden, wann sie Lust auf den Partner hat und wann sie lieber allein sein möchte.»

Geht so viel Individualismus nicht zulasten der Beziehung? Nein, sagt Schriber. Im gleichen Bett zu schlafen, könne zwar helfen, das Vertrauen in den Partner aufzubauen. Doch das Sexleben könne auch davon profitieren, wenn ein Paar entscheide, getrennt zu schlafen: «Wenn man nicht dauernd im selben Bett schläft, kann man beim Sex einander jedes Mal neu entdecken.» Dies mache das Liebesspiel spannender und erotischer.

Paartherapeut Klaus Heer glaubt nicht an einen Trend: «In den Schlafzimmern machen alle Paare, was sie wollen, da gibt es keine Trends.» Dennoch: Paare würden sich oft in ähnlichen Zwickmühlen befinden, bei denen sie zwischen Wollust und dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung zu entscheiden hätten. In solchen Situationen müsse man einander entgegenkommen und eine Lösung finden, die beide zufriedenstelle.

«Man muss auf niemanden Rücksicht nehmen»

Auch Matthias Strub, Facharzt für Schlafmedizin, kann getrennten Betten Gutes abgewinnen: «Unterschiedliche Schlafrhythmen sprechen für das Getrenntschlafen.» Besonders wenn man Schwierigkeiten beim Einschlafen habe, seien getrennte Betten oder Zimmer sehr vorteilhaft: «Dann muss man auf niemanden Rücksicht nehmen und kann sich völlig entspannen.» Manche Leute würden sich daran stören, wenn neben ihnen jemand seelenruhig schlafe und sie selber nicht einschlafen könnten.

Im Gegensatz zu den USA ändert der Trend in der Schweiz architektonisch nichts: Dies bestätigt der Sprecher des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins, Ivo Vasella: «In der Schweiz war es schon immer so, dass man Häuser flexibler baute.» Somit seien viele Häuser für unterschiedliche Wohnformen geeignet. «Deshalb können wir nicht von einem Boom von Häusern mit zwei Elternschlafzimmern sprechen.»

Sie leben mit Ihrem Partner zusammen und schlafen in getrennten Betten? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen und schreiben Sie uns unter feedback@20minuten.ch

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