Prozessauftakt: Gewagte Hypothese von Behrings Privatverteidiger

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ProzessauftaktGewagte Hypothese von Behrings Privatverteidiger

Warum wurde im 800-Millionen-Betrugsfall nur das Verfahren gegen Financier Dieter Behring weitergeführt? Der Privatverteidiger hat eine Erklärung.

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Noch ein Akt im langjährigen Prozess: Dieter Behring (r.) betritt das Gericht in Bellinzona.  (30. März 2017)

Noch ein Akt im langjährigen Prozess: Dieter Behring (r.) betritt das Gericht in Bellinzona. (30. März 2017)

Keystone/Gabriele Putzu
Schuldig: Das Bundesstrafgericht hat den Financier Dieter Behring am 30. September 2016 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. (Juni 2016)

Schuldig: Das Bundesstrafgericht hat den Financier Dieter Behring am 30. September 2016 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. (Juni 2016)

Keystone/Pablo Gianinazzi
Fünf Programmiersprachen beherrsche er, sagt Behring. Sein Werk habe immer funktioniert und marktüberlegene Daten geliefert. (7. Juni 2016)

Fünf Programmiersprachen beherrsche er, sagt Behring. Sein Werk habe immer funktioniert und marktüberlegene Daten geliefert. (7. Juni 2016)

Keystone/Pablo Gianinazzi

Zum Prozessauftakt gegen den Financier Dieter Behring hat dessen Privatverteidiger eine Hypothese aufgestellt: 2012 müsse es zwischen Bundesstrafgericht und Bundesstaatsanwaltschaft hinsichtlich der Anklage gegen die ursprünglich zehn Beschuldigten zu einer Abstimmung gekommen sein.

Deshalb habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen neun Beschuldigte eingestellt. Nur jenes gegen Behring sei weitergeführt worden, weil der Fall sonst vom Bundesstrafgericht nicht mehr hätte bewältigt werden können. In den Akten sei von all dem nichts zu finden.

Im Sommer 2012 habe die Bundesanwaltschaft den Abschluss des Verfahrens bekannt gegeben, erläuterte der Privatverteidiger Bruno Steiner. Man habe deshalb damit rechnen können, dass im September Anklage erhoben werde.

«Abenteuerliche Ausführungen»

Dies sei nicht geschehen, wofür es einen Grund geben müsse. Bruno Steiner zweifelt an der Erklärung der Bundesanwaltschaft, dass das eingeführte Controlling bei der Bundesanwaltschaft zu einer Fokussierung auf Behring geführt habe.

Der vorsitzende Richter des Bundesstrafgerichts Daniel Kipfer Fasciati ermahnte den Privatverteidiger, keine Behauptungen aufzustellen. Er nannte die Ausführungen von Steiner «abenteuerlich».

Steiner beantragte nochmals die bereits bewilligte Befragung von Bundesstaatsanwalt Michael Lauber.

Genügend verteidigt?

Um die Ereignisse im Sommer 2012 und das Fallenlassen des Verfahrens gegen Behrings Mitbeschuldigte nachzeichnen zu können, forderte er zudem die Berichte des Controllings der Bundesanwaltschaft sowie die Befragung der entsprechenden Controller.

Ausserdem möchte er die Anklageschriften von 2012 sehen, so diese tatsächlich erstellt worden seien.

Am Nachmittag will sich Steiner noch zur Anklageschrift und zu weiteren Punkten äussern. Behring wird nebst Steiner vom amtlichen Verteidiger Roger Lerf vertreten. Ob dieser Behring ausreichend verteidigt hat, ist umstritten. (sda)

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