«Gewalt als Freizeitbeschäftigung»

Aktualisiert

«Gewalt als Freizeitbeschäftigung»

Jugendliche schlagen immer brutaler zu. Hansueli Gürber, Jugendanwalt der Stadt Zürich, sucht für 20 Minuten nach Antworten.

Werden Jugendliche immer gewalttätiger?

Hansueli Gürber: Wir stellen in jüngster Zeit tatsächlich eine höhere Brutalität fest – oft ist dabei Alkohol im Spiel. Erschreckend finde ich aber, dass für viele Täter Gewalt so selbstverständlich ist. Dass es Gewalt gibt, dass man Opfer und Täter sein kann, ist für sie völlig normal.

Woher kommt denn diese Selbstverständlichkeit gegenüber Gewalt?

Hansueli Gürber: Viele der Täter sind wenig gebildet und haben zu Hause selbst viel Gewalt erlebt. Zusätzlich sehen sie in Filmen und Computerspielen, wie Gewalt als Teil des Lebens dargestellt wird. Für einige ist heute Gewalt eine Art Freizeitbeschäftigung.

Was kann dagegen unternommen werden?

Hansueli Gürber: Mit den Mitteln des Strafrechts sollen Grenzen aufgezeigt werden: Untersuchungshaft, Abklärungen in Heimen. Den Tätern können in Kursen die Folgen für die Opfer aufgezeigt werden. Oft fehlt bei den Tätern jegliches Mitgefühl. Die Kurse könnte man auch in der Schule durchführen.

Was soll man tun, um brenzligen Situationen im Ausgang zu entgehen?

Hansueli Gürber: Sich nicht provozieren lassen, ruhig bleiben, sich entschuldigen – etwa für angeblich blödes Anschauen – und langsam weggehen.

cde

Traurige Höhepunkte

In jüngster Zeit häufen sich die Fälle brutalster Jugendgewalt. Trauriger Höhepunkt: Ende September starb der 19-jährige Bankangestellte Nicky Hoheisel. Er war Ende Juli vor einer Disco in Aarau zusammengeschlagen worden. Am letzten Sonntag musste ein 17-jähriger Schweizer nach einer Schlägerei im Zürcher Club X-tra mit schweren Kopfverletzungen in ein Spital gebracht werden. Eine harmlose Rempelei auf der Tanzfläche war in eine handfeste Auseinandersetzung ausgeartet. Ebenfalls lebensbedrohlich am Kopf verletzt wurde ein anderer 17-Jähriger. Eine Jugendgruppe hatte seine Clique im September an der Zürcher Seepromenade angegriffen.

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