Aktualisiert 16.06.2019 03:31

«Situation katastrophal»

Gewalt an jedem vierten Fussballspiel

Die Polizei hat erstmals die Zwischenfälle bei Matches erfasst: Vor allem die Züge scheinen als «rechtsfreie Zone» zu gelten.

von
roy
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An 76 Prozent aller beurteilten Fussballspielen wurden Fackeln, sogenannte Pyros, gezündet: Fans des FC Sion beim Super-League-Spiel gegen den FC Basel. (18. März 2018)

An 76 Prozent aller beurteilten Fussballspielen wurden Fackeln, sogenannte Pyros, gezündet: Fans des FC Sion beim Super-League-Spiel gegen den FC Basel. (18. März 2018)

Keystone/Georgios Kefalas
Petarden, Schlägereien, Spielabbrüche - eine Übersicht über Krawalle in Schweizer Fussballstadien: Der FC St. Gallen verliert nach dem Wiederaufstieg gegen Neuchâtel Xamax 1:2. Die Zuschauer sind mit den Entscheidungen des Schiedsrichters Walter Nussbaumer nicht einverstanden und lassen ihn nach Spielende nicht aus dem Stadion. Er muss mit einem Helikopter ausgeflogen werden. (Archivbild)

Petarden, Schlägereien, Spielabbrüche - eine Übersicht über Krawalle in Schweizer Fussballstadien: Der FC St. Gallen verliert nach dem Wiederaufstieg gegen Neuchâtel Xamax 1:2. Die Zuschauer sind mit den Entscheidungen des Schiedsrichters Walter Nussbaumer nicht einverstanden und lassen ihn nach Spielende nicht aus dem Stadion. Er muss mit einem Helikopter ausgeflogen werden. (Archivbild)

Keystone/Walter Bieri
Schiedsrichter Bruno Klötzli wird von Wettinger Spielern bedrängt, die sich um ein Tor betrogen fühlen. Der Referee pfeift die Partie gegen Sion (0:1) ab, als ein Schuss von Martin Rueda zum vermeintlichen 1:1 ins Tor fliegt. (7. Oktober 1989)

Schiedsrichter Bruno Klötzli wird von Wettinger Spielern bedrängt, die sich um ein Tor betrogen fühlen. Der Referee pfeift die Partie gegen Sion (0:1) ab, als ein Schuss von Martin Rueda zum vermeintlichen 1:1 ins Tor fliegt. (7. Oktober 1989)

Keystone

In der abgelaufenen Fussballsaison ist es in der höchsten Schweizer Liga bei jedem vierten Match zu Gewalt gekommen. Dies geht laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» aus einem Reporting hervor, für das die Polizei erstmals alle Zwischenfälle während den 404 Spielen der beiden höchsten Ligen und des Cups erfasst hat.

Am Rand von 68 Spielen kam es demnach in irgendeiner Form zu Gewalt. Vor allem in den Zügen zur An- und Abreise der Fans ereigneten sich Zwischenfälle. «Viele Züge sind rechtsfreie Zonen», wird Markus Jungo, Leiter der Polizeilichen Koordinationsstelle Sport, im Bericht zitiert. «Da ist die Situation katastrophal.» So würden Fans während der Durchfahrt durch die Bahnhöfe brennende Fackeln und Knallpetarden auf die Perrons und in die Fussgängerunterführungen werfen.

Dem Reporting zufolge zündeten Fans an 76 Prozent aller beurteilten Fussballspielen Fackeln, sogenannte Pyros, was gemäss dem Sprengstoffgesetz verboten ist. Die Details der Analyse sollen in zwei Wochen veröffentlicht werden. Sportministerin Viola Amherd (CVP) will die Fussballklubs stärker in die Pflicht nehmen. «Man muss mit den Klubs das Gespräch suchen und ihnen Deutsch und deutlich sagen: Ihr habt auch eine Verantwortung», sagte die Bundesrätin der Zeitung. Man könne das Hooligan-Problem nicht auf den Staat abschieben.

(roy/sda)

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