Aktualisiert 05.05.2015 15:40

Kanton ZürichGewalt bei jungen Paaren wegen Macho-Verhalten

Eine erstmalige Studie zu Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen zeigt: Jedes fünfte Mädchen wurde schon sexuell missbraucht. Schuld daran ist auch das Macho-Verhalten.

von
rom
Jedes fünfte Mädchen in einer jugendlichen Paarbeziehung war schon Opfer von sexueller Gewalt.

Jedes fünfte Mädchen in einer jugendlichen Paarbeziehung war schon Opfer von sexueller Gewalt.

Männer müssen stark sein, sagen, wo es langgeht, bereit sein, um zuzuschlagen – Machoverhalten ist ein wichtiger Grund, weshalb es in Paarbeziehungen von Jugendlichen zu Gewalt kommt. Das zeigt die erstmalige Untersuchung von Teen Dating Violence im Rahmen der ETH-Studie «Entwicklung von Gewalterfahrungen Jugendlicher im Kanton Zürich».

«Hervorgerufen werden die Macho-Einstellungen etwa durch den Konsum von problematischen Pornos und Games, wo Männer dominierend dargestellt werden», sagt Studienleiter Denis Ribeaud, «aber auch durch traditionelle, von den Eltern vermittelte Rollenbilder.» Wegen Letzterem sind Migranten laut der Studie häufiger von Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen betroffen. Ribeaud: «Der mit Abstand grösste Risikofaktor für Gewaltanwendung in der Beziehung ist jedoch, dass man selber Opfer davon ist.»

Mädchen rutscht eher mal die Hand aus

Befragt wurden vergangenes Jahr im Kanton Zürich total rund 2500 Neuntklässler im Alter von durchschnittlich 15,5 Jahren. Davon gaben 40% der Mädchen und 35% der Jungen an, in einer Paarbeziehung zu leben. Von diesen wiederum erlitt jedes fünfte Mädchen (19%) bereits sexuelle Gewalt durch den Freund. Bei den Jungen hingegen waren es nur 7%.

Umgekehrt verhält es sich bei der physischen Gewalt: 19% der Mädchen haben ihren Freund schon geschlagen oder gebissen, derweil es nur 12% der Jungen waren, die gegenüber der Freundin handgreiflich wurden. «Das klingt zwar überraschend, wird jedoch durch internationale Studien bestätigt», sagt Ribeaud. «Bei gravierender Gewalt liegen aber die Männer vorne.»

Kontrolle als häufigste Form von Gewalt

Als häufigste Form von Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen nennt die Studie die Überwachung und Einschränkung von Kontakten. Rund die Hälfte der Befragten gab an, schon mal auf dem Handy des Partners nachgeschaut zu haben, mit wem sie oder er Kontakt hatte, wobei Mädchen etwas häufiger Opfer davon sind als Jungen.

Gemäss der Studie gibt es denn auch «neue Handlungsfelder» für die Präventionsarbeit – doch das wird nicht einfach: «Weil es für die Jugendlichen oft auch ein peinlicher Bereich ist, haben wir erst wenig Hinweise auf Gewalt in ihren Paarbeziehungen», sagt Rolf Weilenmann, Chef Jugendintervention bei der Kantonspolizei Zürich. Vermutlich wüssten viele Betroffene auch nicht, dass selbst die Überwachung und Einschränkung von Kontakten strafrelevant sein können. Weilenmann: «Es braucht mehr Aufklärungsarbeit seitens Schule und Polizei.»

«Reine Aufklärung bringt wenig»

Laut Urs Kiener, Kinder- und Jugendpsychologe bei Pro Juventute, sind die Schulsozialarbeiter bereits stark mit dem Problem konfrontiert: «Reine Aufklärung der Jugendlichen bringe jedoch wenig – als erfolgsversprechender zeigt sich in der Praxis, gewalttätige Jugendliche emotional in eine Opfersituation zu versetzen.» Hierfür gebe es externe Fachleute, die die Schulen beiziehen könnten.

In der Pflicht seien aber auch die Eltern: «Während den ersten zwölf Lebensjahren sind sie die wichtigsten Vorbilder und haben die Möglichkeit, positive Rollenbilder vorzuleben», sagt Kiener. Hier sieht er auch das grösste Präventionspotenzial. «Denn im Teenageralter ist eine Intervention dann sehr viel komplizierter.»

Sind auch Sie in Ihrer Beziehung missbraucht worden? Melden Sie sich:feedback@20minuten.ch

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