Spiele in App-Stores: Gewalt-Games auch bei Google und Microsoft
Aktualisiert

Spiele in App-StoresGewalt-Games auch bei Google und Microsoft

Apple gibt im App-Store Gewalt- und Abzock-Games für Kinder frei. Google und Microsoft handeln gar noch fahrlässiger. Die Verantwortung wird konsequent an die Eltern abgeschoben.

von
Guido Haus
Im «Gratis»-Spiel «Green Farm 2» für Android und das iPhone werden die Gamer nach dem Download zur Kasse gebeten.

Im «Gratis»-Spiel «Green Farm 2» für Android und das iPhone werden die Gamer nach dem Download zur Kasse gebeten.

Das Spiele-Angebot in Googles Android Market ist riesig. Nebst vielen guten Spielen tummelt sich aber auch manch Zweifelhaftes im Online-Laden. Ein Grund für die Misere: Neue Games werden nicht wie bei Apple und Microsoft von Mitarbeitern aus Fleisch und Blut geprüft, bevor sie im Android Market aufgeschaltet werden. Der Anfang Februar von Google eingeführte, künstliche Türsteher (Bouncer) kontrolliert von den Entwicklern eingereichte Apps lediglich auf Viren und Spyware.

An jedem verkauften Spiel verdient Google 30 Prozent mit, 70 Prozent verbleiben beim Entwickler. Wegen des offenen Konzepts wimmelt es im Android Market von potenziell jugendgefährdenden Apps mit pornografischen und gewaltverherrlichenden Inhalten. Es scheint fast, die Qualität und der Jugendschutz werden dem Umsatz untergeordnet. Von Google heisst es hierzu, man überprüfe keine Apps, die neu im Android Market erscheinen. Man wolle, dass die Entwickler innovativ sind und ihre Apps schnell aktualisieren können.

Die Spiele-Hersteller kontrollieren sich selbst

Das grösste Manko in Googles Android Market: Das Einstufungssystem für die Altersfreigaben setzt primär auf die Vernunft der Spiele-Hersteller. Beim Suchmaschinen-Riesen heisst es, Entwickler stuften ihre Apps selber ein und orientierten sich dabei an den Vorgaben im Android Market. Applikationen, welche die Regeln verletzen, würden entfernt. Konkret heisst dies: Die Spiele-Hersteller kontrollieren sich selbst. Dass sie ein Interesse haben, ihre Games möglichst vielen Kunden zu empfehlen, liegt auf der Hand.

Google klassiert Spiele in vier Alterskategorien (alle, niedrig, mittel, hoch) und verzichtet auf konkrete Altersangaben, wie sie in der Spiele-Branche längst üblich sind. Hinzu kommt die Möglichkeit, Spiele ohne Vorzeigen der Ausweispapiere oder Angabe einer Kreditkarte herunterzuladen – ganz egal, ob es sich dabei um Gewalt-Spiele oder Wörterbücher handelt. Wie Apple verweist auch Google auf die Verantwortung der Eltern: Eltern könnten einen Filter definieren, der Kinder davor schützt, Inhalte herunterzuladen, die nicht für sie gemacht sind.

Abzock-Games im Android Market

Wie bei den Online-Läden von Apple und Microsoft werden im Android Market auch sogenannte «In-App-Käufe» eingesetzt. Konkret werden Kinder und Jugendliche mit Gratis-Games zum Download verführt. Später sollen sie für zusätzliche Gegenstände oder Waffen immer wieder den Geldbeutel öffnen (20 Minuten Online berichtete). Die sich wiederholenden kleinen Geldbeträge läppern sich rasch zu stolzen Beträgen zusammen, wenn die jungen - im Umgang mit Geld unerfahrenen - Gamer in den Bann des Spieles gezogen werden. Für die Stiftung für Konsumentenschutz ist das Geschäft mit den In-App-Käufen ein Ärgernis: «Das ist eine fiese Masche», sagt Sprecherin Josianne Walpen gegenüber 20 Minuten.

Keine Altersbeschränkungen bei Microsoft

Auch Microsoft will sich mit seinem Handy-Betriebssystem Windows Phone einen Teil des Mobile-Gaming-Kuchens sichern. Der Konzern verzichtet im Windows Marketplace grösstenteils auf Alterseinstufungen, «aber man kann Inhalte mit einem übergeordneten Filter blockieren. Jede Applikation wird von Microsoft eingehend analysiert, bevor sie auf dem Windows Phone Marktplatz freigegeben wird», heisst es auf Anfrage.

Laut Microsoft erhalten nur die Games der grossen Spiele-Vertriebe eine offizielle Altersfreigabe der europäischen Medienkontrolleure PEGI. Spiele von kleineren Herstellern werden ohne Altersfreigabe ins Sortiment aufgenommen. Nach eigenen Angaben versäumten es die Redmonder, eine einheitliche Lösung zu kreieren, aber man arbeite daran.

Das dies nötig ist, zeigt ein Blick in den Marketplace. Es finden sich Spiele, in denen man Terroristen («Last Commando») oder Zombies («Hall of Fear») erschiesst, Menschen brutal verprügelt («Fight Game Rivals») und mit realistischen Waffen («Guns») hantiert. Entgegen der ersten Aussage von Microsoft sind Spiele für Erwachsene wie die Meuchelmörder-Simulation «Assassin's Creed - Altair's Chronicles HD» ohne Einschränkungen verfügbar und können kostenlos getestet werden.

Von mangelndem Jugendschutz will Microsoft nichts wissen: «Eltern können im Vornherein festlegen, auf welche Inhalte Kinder und Jugendliche zugreifen dürfen. Zudem werden sie vor jedem Kauf via E-Mail informiert und können einen Kauf oder Download entweder bestätigen oder abrechen.»

Jugendschutz wird mit Prepaid-Karten ausgehebelt

Apple, Google und Microsoft setzen beim Jugendschutz in ihren Online-Stores auf Verfahren, die von einem technisch versierten und verantwortungsbewussten Anwender ausgehen. In der Realität dürften viele Eltern mit den Sicherheits-Einstellungen moderner Smartphones überfordert sein.

Ebenfalls kein Garant für einen soliden Jugendschutz ist das Zahlungsmittel. Wer im Android Market oder Windows Phone Marketplace einkaufen will, braucht eine Kreditkarte. In der Schweiz gibt es Prepaid-Kreditkarten von Visa oder Mastercard, die je nach Ausführung bereits Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren beantragen können. Derartige Karten lassen sich mit individuellen Geldbeträgen auffüllen und problemlos für den Kauf von Apps aller Art verwenden. Bei Jugendlichen ist die Prepaid-Methode äusserst beliebt, wie die Kommentare in zahlreichen Internet-Foren bestätigen.

Fragwürdig: Im Android Market entscheiden die Spiele-Hersteller selbst, für welches Alter Spiele wie «Battlefield» empfohlen werden.

Quelle: YouTube

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