Frauenhäuser : Gewalt gegen Frauen zunehmend brutaler

Aktualisiert

Frauenhäuser Gewalt gegen Frauen zunehmend brutaler

Die Frauen, die ins Frauenhaus flüchten, sind in einem schlechteren Zustand als früher. Schwere Körperverletzungen haben stark zugenommen. Dies fordert die Betreuerinnen.

von
Maja Sommerhalder
Frauen, die ins Frauenhaus flüchten, erlebten massive körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt. (Bild: colourbox.com)

Frauen, die ins Frauenhaus flüchten, erlebten massive körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt. (Bild: colourbox.com)

«Unsere Frauen sind dermassen traumatisiert, dass der Betreuungsaufwand in den letzten Jahren enorm gestiegen ist», so Claudia Hauser, Geschäftsführerin des Frauenhauses und Beratungsstelle Uster. Sie spürt, was die Schweizer Kriminalstatistik bei häuslicher Gewalt ausweist: Schwere Körperverletzungen haben von 2009 bis 2011 um 27 Prozent zugenommen – die Zahlen für 2012 stehen noch aus.

«Unsere Klientinnen erlebten massive körperliche, sexuelle und psychische Gewalt – der Hälfte wurde mit dem Tod bedroht», so Hauser. Ebenfalls griffen immer mehr Männer zur Waffe, teils zwängen sie ihre Frauen damit zum Sex: «Heute machen unsere Klientinnen meist eine Anzeige, noch vor zehn Jahren war das nicht nötig.» Die Anfragen nach Plätzen im Frauenhaus seien im letzten Jahr um zehn Prozent gestiegen. «Wir stossen an unsere finanzielle Grenze», so Hauser.

Frauenhäuser müssen aufstocken

Ähnlich geht es anderen Schweizer Frauenhäusern: In Bern und Basel mussten Frauen abgewiesen werden, in St. Gallen wurde das Angebot um ein Zimmer erweitert und in Winterthur Personal aufgestockt. Ebenfalls werden die Fälle immer komplexer, wie Elisabeth Bossart, Geschäftsleiterin des Frauenhaus St. Gallen sagt: «Die Frauen waren oft jahrelanger Gewalt ausgesetzt.» Die Folge seien psychische Probleme wie Angstzustände, so Ilona Swoboda, Co-Leiterin des Frauenhauses Winterthur: «Zudem müssen im Gegensatz zu früher fast alle Frauen rund um die Uhr geschützt werden.»

Mitarbeit: eli/nop/bro

Lieber geschlagen als ausgeschafft

Frau *Peter, warum erlebten Klientinnen in Frauenhäusern immer brutalere Gewalt?

Susan Peter: Die Hemmschwelle zuzuschlagen oder mit einer Waffe zu drohen, ist gesunken. Dies hat wohl mit dem steigenden gesellschaftlichen Druck zu tun. Wenn da noch Männer zur Flasche greifen, kann die Gewaltgefahr zunehmen.

Heute ist es möglich, gewalttätigen Männern ein Rayonverbot zu erteilen. Warum kommen die Frauen trotzdem zu Ihnen?

Die hat Polizei zu wenig Ressourcen, um zu überprüfen, ob dieses Rayonverbot auch wirklich eingehalten wird. Wirkungsvoll wären hier elektronische Fussfesseln. Allerdings lässt sich dies in der Schweiz kurzfristig nicht umsetzen. Oft müssen die Frauen auch zusätzlich zum Kontaktverbot psychologisch betreut werden.

Können Sie den Frauen helfen?

Wichtig ist, dass sie bei uns zur Ruhe kommen können. Leider zahlt die Zürcher Opferhilfe den Frauen nur 21 Tage im Frauenhaus. Das ist zu kurz, um das Leben neu zu regeln. Sinnvoll wären zwei Monate. Wollen die Frauen den Aufenthalt aber verlängern, müssen sie einen Antrag bei ihrer Wohngemeinde stellen, was sehr mühsam ist. Überhaupt reichen uns die öffentlichen Gelder nicht, um die Frauen optimal zu betreuen. Wir sind auf Spenden angewiesen.

Der Standort von Frauenhäusern ist geheim. Garantiert das eine absolute Sicherheit?

Die absolute Sicherheit gibt es nicht. Man hat aber in den letzten Jahren viel investiert, um die Frauenhäuser sicherer zu machen. Ein grosses Thema war dabei zu verhindern, dass die Handys der Frauen geortet werden können. SOM

*Susan Peter ist Geschäftsleiterin der Stiftung Frauenhaus Zürich und Vorstandmitglied der Dachorganisation der Frauenhäuser Schweiz.

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