Krawalle am Bellevue: «Gewalt gegen Polizisten wird steigen»
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Krawalle am Bellevue«Gewalt gegen Polizisten wird steigen»

Angriffe auf Polizisten haben enorm zugenommen. Experten befürchten, dass diese Gewaltakte zunehmen könnten, wenn die Verantwortlichen nichts unternehmen.

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mon

Das Video zeigt die Krawalle vom 18. August 2018 beim Bellevue. (Video: Tamedia/Leser-Reporter)

Messerstecherei, Tränengas und Gummischrot: Vermummte Unbekannte in FCZ-Kleidung sollen am Samstagabend Polizisten und Rettungssanitäter mit Flaschen und Steinen beworfen haben. Laut Judith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei Zürich, haben die Krawalle am Bellevue damit eine neue Dimension von Gewalt erreicht. Dies sei tragisch und auf keinen Fall akzeptabel.

«Angriffe auf Polizisten haben enorm zugenommen»

Dass Angriffe und Drohungen gegen Polizisten enorm zugenommen haben, bestätigt auch Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB). Seit 2011 hätten sich die brutalen Übergriffe auf Beamte sogar verdoppelt.

«Aber mit den Krawallen am Bellevue ist die Schmerzgrenze nun überschritten.» Gründe für die zunehmende Gewalt sieht Bundi beim schwindenden gesellschaftlichen Respekt – vor allem vor Polizisten.

«Ein Patentrezept gibt es dennoch nicht»

Die VSPB-Präsidentin fordert die Stadt Zürich und die Justiz deshalb zum Handeln auf. «Die Politiker können sich nicht immer den Ball hin- und herschieben. Sie müssen das Problem endlich anerkennen und handeln.» Den Schwarzen Peter der Polizei zuzuschieben, bringe niemandem etwas.

Ein Patentrezept gebe es dennoch nicht, so Bundi. Ihrer Meinung nach sind die Strafen aber viel zu locker. «Was nützt es, wenn man jemanden verhaftet und dann einfach wieder freilassen muss?»

Auch bei Bodycams hat die VSPB-Präsidentin Bedenken. Vor allem in solchen Fällen wie den Krawallen am Bellevue: «Das ist doch sinnlos, wenn die Vandalen vermummt sind.»

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Am Bellevue kam es am Samstagabend zu Angriffen auf die Polizei und Rettungssanitäter.

Am Bellevue kam es am Samstagabend zu Angriffen auf die Polizei und Rettungssanitäter.

Leser-Reporter
Am Morgen nach dem Grosseinsatz sind die Putzcrews im Einsatz.

Am Morgen nach dem Grosseinsatz sind die Putzcrews im Einsatz.

Gummischrot, ...

Gummischrot, ...

«Die Gewalt gegen Polizisten wird zunehmen»

Von den Krawallen am Bellevue ist auch Severin Pflüger, Parteipräsident der FDP Stadt Zürich, schockiert: «Wir werden aber noch viel mehr solche Gewaltakte gegen Polizisten erleben, wenn die Verantwortlichen nichts unternehmen.» Dabei braucht es nicht unbedingt härtere Strafen, sondern die Begrenzung des rechtsfreien Raumes, wie er sagt.

«Die Polizisten werden zum Einsatz geschickt, um für Ruhe zu sorgen.» Hart durchgreifen dürften sie in den seltensten Fälle: «Und genau da ist das Problem: Die Leute haben das Gefühl, sie können machen, was sie wollen.» Laut Pflüger wären Bodycams der erste Schritt in die richtige Richtung: «Man hätte stichfeste Beweise und könnte den mutmasslichen Tätern nachgehen.»

«Das sind strukturierte Gruppierungen»

Dem widerspricht SP-Gemeinderat Pascal Lamprecht. «Bodycams sind nicht zielführend.» Diese würden die Täter allenfalls nur noch mehr provozieren. Dass aber die Gewalt gegen Beamte ein «erschreckendes Ausmass» angenommen hat, davon ist auch er überzeugt.

Seit ein paar Jahren beobachtet der SP-Politiker ein neues Phänomen: «Das scheinen keine spontanen Aktionen oder vereinzelte Täter mehr zu sein, sondern eher strukturierte Gruppierungen und organisierte Gewaltorgien.»

Diesem Problem könne man nur mit mittel- bis langfristigen Mitteln entgegenwirken. «Das heisst neben weiteren Präventionskampagnen, Schulungen und geeigneter Ausrüstung für die Beamten vor allem eine konsequente, strafrechtliche Ermittlung.» Dafür brauche es aber personelle und finanzielle Ressourcen sowie eine Zusammenarbeit von Stadt, Kanton und Bund: «Die Stadt Zürich kann das Problem nicht alleine bewältigen.»

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