Gewalt in Kenia belastet Blumenexporte zum Valentinstag
Aktualisiert

Gewalt in Kenia belastet Blumenexporte zum Valentinstag

Kenia ist der grösste Blumenlieferant Europas. Wegen der Krise finden sich nur wenige Arbeiter zum pflücken der Rosen für den Valentinstag.

Vorbei an Gewächshäusern und Rosenfeldern zieht sich ein Maschendrahtzaun an endlosen Reihen weisser Zelte entlang. In der kenianischen Stadt Naivasha herrscht zu dieser Jahreszeit normalerweise Hochbetrieb.

Kurz vor dem Valentinstag sind unzählige Arbeiter im grössten Blumenlieferanten Europas damit beschäftigt, Rosen zu pflücken, zu verpacken und für den Transport nach Europa vorzubereiten.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Die gewaltsamen Auseinandersetzungen nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Dezember haben auch in der Blumenstadt im Rift Valley ihre Spuren hinterlassen.

Tausend Flüchtlinge leben derzeit in Zeltlagern des Roten Kreuzes. Viele Menschen haben die Region verlassen, sind in andere Teile des Landes gezogen.

Mehr Arbeit für weniger Arbeiter

Ein grüner Lastwagen fährt auf den Hof, als einer der Arbeiter, Stephen Owiso, erzählt, wie Banden seine Habseligkeiten verbrannten und ihn wie viele seiner Freunde zur Flucht in das Lager gezwungen haben. Seine Frau und seine Kinder schickte er in ihren Heimatort im Westen Kenias.

Wenig Arbeiter schuften fast ununterbrochen

Ein Bus seines europäischen Arbeitgebers fährt ihn nun jeden Tag vom Flüchtlingscamp zu den Feldern. «Viele der Menschen haben aus Sicherheitsgründen das Gebiet verlassen. Deshalb gibt es hier nur noch wenige Arbeiter», sagte Owiso. Die ohnehin langen Arbeitstage in der Blumenbranche vor dem Valentinstag wurden daher noch länger.

«Das bisschen, was ich verdiene, schicke ich meiner Familie», fährt Owiso fort. Er ist einer von 30 000 Arbeitern in Kenias Blumenindustrie, die 2006 einen Gewinn von 482 Millionen Euro erzielte.

Die Gewerkschaft der Blumenarbeiter schätzt, dass 3000 Menschen die Farmen wegen der Gewalt verlassen haben. Die Blumenzüchter rekrutieren seitdem Tagelöhner, um für den 14. Februar die Arbeit zu erledigen.

Meist keine Rückkehr

Millionen Blumen müssen jeden Tag gepflückt, in gekühlte Container verpackt und per Flugzeug über Nairobi nach Europa geschickt werden. In nur 48 Stunden landet so eine Rose aus dem ostafrikanischen Land in Europas Blumenläden und Supermärkten.

Das erfordert eine genaue Zeitplanung, die durch die Unruhen in Gefahr gekommen ist. «Die Arbeitsbelastung für die zurückgebliebenen Arbeiter ist zu hoch», kritisiert Peter Otieno, Sekretär der Farm- und Landarbeitergewerkschaft.

Die politische Krise ist die bisher grösste Herausforderung für die Gartenanbauindustrie Kenias. Nach der anfänglichen Panik seien die Unternehmen aber wieder auf dem richtigen Weg, erklärten Naivashas Blumenbetriebe.

Für die Mitarbeiter sieht das jedoch anders aus. «Ich habe keine Freunde mehr», beklagt die Arbeiterin Violet. «Sie mussten ihr Leben retten, und die meisten haben gesagt, dass sie nicht mehr zurückkommen werden.»

(sda)

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