Gewalt schwappt auf Tourismusmetropole über
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Gewalt schwappt auf Tourismusmetropole über

Die Gewalt gegen Ausländer in Südafrika hat die Tourismusmetropole Kapstadt erreicht. Im Vorort Milnerton plünderten Jugendliche Geschäfte somalischer Händler. Dabei fielen auch Schüsse.

Die Polizei musste Hunderte afrikanischer Flüchtlinge aus einer illegalen Siedlung der zweitgrössten Stadt Südafrikas in Sicherheit bringen.

In Knysna, einem Badeort an der südwestlichen Küste, wurden nach Angaben der Polizei zahlreiche somalische Geschäfte geplündert und angezündet. Ein Somalier sei in der Nacht ums Leben gekommen, es sei aber noch unklar, ob der Mann bei den Angriffen gestorben sei, teilten die Behörden mit.

Nach Polizeiangaben wurden in Fochville in der Nordwest-Provinz mindestens drei Ausländer durch Messerstiche schwer verletzt, als ein wütender Mob Geschäfte plünderte und Autos in Brand setzte. Mehr als 100 Menschen hätten sich in eine Polizeistation gerettet.

Am Vorabend hatte die Polizei in der Hafenstadt Durban über einen Malawier berichtet, der durch Schüsse schwer verletzt wurde. Hunderte afrikanischer Zuwanderer flohen dort aus Angst vor Übergriffen in eine nahe Polizeiwache.

Polizeisprecherin Phindile Radebe erklärte jedoch, in den meisten Fällen sei ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht unbedingt sicher, obwohl sich die Tätlichkeiten, Brandstiftungen und Überfälle gegen Ausländer gerichtet hätten.

Nach offiziellen Angaben kamen bei der Gewaltwelle, die vor knapp zwei Wochen in den Elendsvierteln von Johannesburg ausbrach, bislang 43 Menschen ums Leben. Hunderte wurden verletzt, 30 000 vertrieben, es gab mehr als 500 Festnahmen.

Ausgebrochen ist die Gewalt vor dem Hintergrund zunehmender Engpässe bei der Stromversorgung und wachsender Unzufriedenheit mit der wirtschaftsfreundlichen Politik von Präsident Thabo Mbeki. Auch steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise verstärkten die Spannungen.

Die Regierung vermutete unbekannte dunkle Mächte im Vorfeld der Wahl 2009 hinter der Gewalt und wollte notfalls auch militärische Verstärkung anfordern.

(sda)

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