Tod von König Bhumibol: Gewalt und Drohungen wegen mangelnder Trauer
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Tod von König BhumibolGewalt und Drohungen wegen mangelnder Trauer

Nach dem Tod von König Bhumibol ist es zu Übergriffen auf Menschen gekommen, die nach Meinung ihrer Landsleute nicht gebührend trauern.

von
ofi
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Auf der Ferieninsel Phuket bildete sich am Wochenende vor einem kleinen Geschäft ein Mob, weil der Besitzer in einem Facebook-Post kritisch gegenüber der königlichen Familie gewesen sei.

Auf der Ferieninsel Phuket bildete sich am Wochenende vor einem kleinen Geschäft ein Mob, weil der Besitzer in einem Facebook-Post kritisch gegenüber der königlichen Familie gewesen sei.

Ein Twitter-User postete diese Bild von Fotos der im Exil lebenden Anti-Monarchistin Saran Chuichai, die er auf einer Schiessanlage als Ziel benutzt hatte.

Ein Twitter-User postete diese Bild von Fotos der im Exil lebenden Anti-Monarchistin Saran Chuichai, die er auf einer Schiessanlage als Ziel benutzt hatte.

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In Thailand haben einige Länden nach dem Tod von König Bhumibol Adulyadej den Verkauf von Alkohol gestoppt.

In Thailand haben einige Länden nach dem Tod von König Bhumibol Adulyadej den Verkauf von Alkohol gestoppt.

Leser-Reporter/Leser-Reporter

Die Trauer über den Tod des Königs sitzt in Thailands Bevölkerung tief. Aber einigen Royalisten offenbar nicht tief genug, wie jüngste Medienberichte zeigen. Darin wird von Übergriffen auf Menschen berichtet, deren Verhalten als respektlos oder deren Trauer als zu wenig gross eingestuft wurde.

Die Plattform Khaosodenglish.com etwa schreibt von Mobs, die sich vor Wohnhäusern bildeten, in denen jemand lebt, dem beleidigende Facebook-Posts vorgeworfen werden. Auch auf sozialen Medien gebe es zahlreiche Drohungen und Beschwerden. So zum Beispiel, weil Staatsangestellte während Zeremonien gelächelt oder auf ihr Smartphone geschaut hätten.

Bis zu 15 Jahre Haft für Majestätsbeleidigung

Eine Frau wurde auf Koh Samui von einer aufgebrachten Menge – Medien berichten von rund 500 Personen – gezwungen, vor dem Königsporträt niederzuknien und sich zu entschuldigen.

Am Wochenende bildete sich auf der Ferieninsel Phuket ebenfalls ein Mob vor einem kleinen Geschäft, dessen Besitzer auf Facebook gegen die königliche Familie geschrieben haben soll, wie Khaosondenglish.com berichtet. Auf Facebook wurde danach ein Video des Mobs verbreitet:

Gegen sechs Thailänder werde wegen Majestätsbeleidigung ermittelt, sagte ein Mitarbeiter des Regierungschefs am Montag. Majestätsbeleidigung kann mit 15 Jahren Haft geahndet werden. Das Gesetz wird weitreichend angewandt. Auch mangelnde Trauerbekundung kann zur Anzeige führen.

Nach Medienberichten wurden Menschen bedroht, die Fotos von sich in bunter Kleidung veröffentlichten – nachdem die Regierung dazu aufgerufen hatte, nur schwarz, weiss oder gedeckte Farben zu tragen. Der hochverehrte Bhumibol war am Donnerstag im Alter von 88 Jahren gestorben.

Todesdrohung gegen Anti-Monarchistin im Exil

Ein BBC-Beitrag über den Kronprinzen wurde mitten in der Ausstrahlung unterbrochen. «Das geht auf die Anweisung der Telecom-Behörde zurück, während der Trauerperiode nur angemessene Programme zu senden», teilte die Kabelfirma TrueVisions mit.

Die Regierung war empört über unvorteilhafte Berichte über Kronprinz Maha Vajiralongkorn im Ausland. «Das Aussenministerium verurteilt dies und fordert Autoren und Agenturen auf, dies zu unterlassen», hiess es.

Die bekannte Anti-Monarchistin Saran Chuchai, die im Exil in Paris lebt, hat sich auf Facebook seit dem Tod Bhumibols mehrfach kritisch zum König geäussert. Nun fordern Royalisten ihre Auslieferung nach Thailand.

Auf Twitter wird die junge Frau sogar mit dem Tod bedroht:

(ofi/sda)

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