Gewalt und Erpressung bei Jugend hat stark zugenommen
Aktualisiert

Gewalt und Erpressung bei Jugend hat stark zugenommen

Immer mehr Jugendliche sind gewalttätig. Das zeigt die gestern veröffentlichte Kriminalstatistik des Kantons Zürich.

Tätlichkeiten, Erpressung, Drohung, Nötigung: Diese Delikte haben bei Jugendlichen stark zugenommen. «Meist begehen sie diese Straftaten in Gruppen, ohne sie vorher zu planen», sagt Marcel Suter, Leiter der Spezialabteilung 2 bei der Kriminalpolizei der Kapo. Um die vielen Fälle zu bewältigen, wurde der Jugenddienst der Polizei aufgestockt.

Die Zahl der Tätlichkeiten ist gegenüber dem Vorjahr von 290 auf 377 gestiegen. «Für viele Jugendliche sind Tätlichkeiten etwas völlig Normales», sagt Hansueli Gürber, Sprecher der Zürcher Jugendanwaltschaften.

Wenn ihnen das Geld für den Eintritt in einen Club fehle, heisse es schnell: «Wir müssen jemanden ausnehmen.» Oft fehle ihnen jegliches Unrechtsbewusstsein, selbst dann, wenn sie Raubüberfälle begehen würden. Die jugendlichen Straftäter sind zu 60 Prozent Ausländer. Gürber: «Die Täter sind meist schlecht ausgebildet und haben keinerlei Perspektiven.»

Neben der Jugendkriminalität bereitet der Polizei auch die häusliche Gewalt Sorgen. Nicht nur einfache Körperverletzungen nahmen zu: Häusliche Gewalt endet immer wieder auch tödlich. Bei 10 der 14 Tötungsdelikte, die sich 2005 im Kanton Zürich ereigneten, war häusliche Gewalt im Spiel. 2004 war dies nur bei 6 der Fall. Positiv sieht dagegen die Gesamtzahl aus: Die Kriminalstatistik erfasste 153 223 Straftaten – das sind 8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Marco Lüssi

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