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LandfriedensbruchGewaltbereiter YB-Hooligan verurteilt

Richter vom Bezirksgericht Zürich haben einem nicht geständigen Schreinerlehrling eine unbedingte Geldstrafe wegen Hooliganismus aufgebrummt. Er ist ein vorbestrafter YB-Fan.

von
Attila Szenogrady

Das Bezirksgericht Zürich hat am Montag einen gewaltbereiten Fussball-Fan der Young Boys wegen Landfriedensbruchs zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagesätzen zu zehn Franken verurteilt. Der vorbestrafte Angeschuldigte hat im letzten März am Bahnhof Altstetten an schweren Ausschreitungen gegen die Polizei teilgenommen.

Es war am vergangenen 5. März, als die Grasshoppers die Berner Young Boys im Letzigrund-Stadion 3:2 besiegten. Nach dem Spiel entlud sich die aufgestaute Wut der enttäuschten YB-Fans am Bahnhof Altstetten. Auslöser der Ausschreitungen war eine Frau, die beim Abgang zu den Geleisen inmitten der Fans einen Schwächeanfall erlitt und in Ohnmacht fiel. Als eine Patrouille der Stadtpolizei Zürich der Frau zu Hilfe eilen wollte, wurde sie von diversen YB-Fans angegriffen. Dabei bewarfen die vermummten Hooligans die Polizeibeamten nicht nur mit Bierdosen, sondern auch mit Schottersteinen.

Verhaftet und angeklagt

Erst eine Verstärkung der Polizei konnte die Lage mit einem Gummischroteinsatz wieder unter Kontrolle bringen. Sie konnten die Berner Chaoten zurückdrängen.

Dabei gelang es der Polizei, einen der Angreifer zu verhaften. Es handelte sich um einen heute 24-jährigen Schreinerlehrling aus dem Kanton Solothurn.

Der mehrfach einschlägig vorbestrafte YB-Fan musste sich am Montag wegen Landfriedensbruchs am Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihm drohte nicht nur eine unbedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken, sondern auch der Widerruf von zwei ehemals bedingt festgelegten Geldstrafen.

Missverständnis geltend gemacht

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht seine Unschuld. So habe er bloss der bewusstlosen Frau helfen wollen. Da sei er plötzlich von der Polizei mit Pfefferspray attackiert worden, gab er zu Protokoll und sprach von einem Missverständnis.

Allerdings kaufte ihm das Gericht die Unschuldsversion nicht ab. Der Angeschuldigte habe die Gewalttätigkeiten mitgetragen, befand der Einzelrichter und stützte sich dabei einerseits auf die belastenden Zeugenaussagen eines Polizeibeamten. Andererseits sei der Beschuldigte vermummt gewesen. Nicht zuletzt habe der YB-Fan bei der ersten polizeilichen Einvernahme jegliche Aussage verweigert und sogar gelacht, was eine unschuldige Person mit weisser Weste wohl nicht getan hätte.

Es wird teuer ...

Nun wird es für den Lehrling teuer. Er wurde bei der Hauptsanktion zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu zehn Franken verurteilt. Hinzu kommen die beiden Vorstrafen von 15 Tagessätzen zu 50 Franken sowie von 30 Tagessätzen zu 30 Franken. Nicht zuletzt soll der Beschuldigte die Gerichtskosten von 1 500 Franken tragen.

Der Mann zeigte sich mit dem Schuldspruch nicht zufrieden und kündigte Berufung an. Der Fall wird also in absehbarer Zeit auch das Zürcher Obergericht beschäftigen.

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