Kapo Aargau : «Gewaltbereitschaft bei FCZ-Fans nahm massiv zu»
Aktualisiert

Kapo Aargau «Gewaltbereitschaft bei FCZ-Fans nahm massiv zu»

Das gabs noch nie: Die Kantonspolizei Aargau lässt keine FCZ-Fans zum Spiel in Aarau zu. Sprecher Bernhard Graser hofft, dass dadurch die Klubs endlich handeln.

von
som
1 / 11
Beim Klassiker FCB - FCZ am 12. April im St.-Jakob-Park warfen die FCZ-Fans unzählige Fackeln aufs Spielfeld - es kam zu einem Spielunterbruch.

Beim Klassiker FCB - FCZ am 12. April im St.-Jakob-Park warfen die FCZ-Fans unzählige Fackeln aufs Spielfeld - es kam zu einem Spielunterbruch.

Keystone/Patrick Straub
Auch auf den Rängen war es nicht besser: Scharmützel zwischen FCZ- und FCB-Fans.

Auch auf den Rängen war es nicht besser: Scharmützel zwischen FCZ- und FCB-Fans.

Keystone/Patrick Straub
Und natürlich brannten auch im FCZ-Fansektor selber unzählige Fackeln ab.

Und natürlich brannten auch im FCZ-Fansektor selber unzählige Fackeln ab.

Keystone/Georgios Kefalas

Herr Graser*, bei der Super-League-Partie am Samstag zwischen Aarau und Zürich bleibt der Gästesektor geschlossen. Warum werden die Zürcher Fans im Aargau nicht mehr geduldet?

Bernhard Graser: Uns ist bewusst, dass dies ein drastischer Entscheid ist. Doch wir hoffen, dass wir so die wüsten Szenen der Vergangenheit – wie etwa in Basel – verhindern können. Aus Polizeikreisen wissen wir, dass die Gewaltbereitschaft bei gewissen FCZ-Fans massiv ist und in letzter Zeit zugenommen hat. Auch wir in Aarau haben schon negative Erfahrungen gemacht. Das wollen wir der Bevölkerung nicht weiter zumuten.

Die meisten Fussballfans sind aber friedlich. Trotzdem müssen diese unter der Massnahme leiden.

Das ist leider so. Das haben sie einzig und allein den Risikofans zu verdanken. Diese und die Verantwortlichen, die auf sie Einfluss nehmen können, sollten sich endlich mal an der Nase nehmen.

Das heisst, die Klubs machen zu wenig gegen gewaltbereite Fans?

Es sind alle angesprochen, die das ungebührliche Verhalten dieser Risikofans beeinflussen können. Was die Polizei betrifft, betone ich, dass wir gemäss unserem gesetzlichen Auftrag handeln, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Ich persönlich verstehe nicht, warum viele Fussballspiele von Ausschreitungen überschattet werden. In den USA beispielsweise sind Baseball- oder Footballspiele friedliche Familienenvents. Ich würde mir wünschen, dass dies hier auch so wäre.

Zurück in die Schweiz. Die Zürcher Südkurve kündigte bereits an, dass sie am Samstag trotzdem nach Aarau gehen will. Viele Einwohner befürchten zudem, dass jetzt erst recht gewaltbereite Fans im Städtchen randalieren, wenn sie ausgesperrt werden.

Das werden wir sehen, aber ich glaube, dass ihnen durch die Massnahme der Drive rausgenommen wird. Es gibt keine Extrazüge und für die FCZ-Fans ist es nicht so einfach, an Tickets für den Match zu kommen. Grosse Massen werden wohl kaum nach Aarau reisen. Trotzdem können wir nicht jeden Zuschauer auf seine Gesinnung hin durchleuchten. Ein FCZ-Fan könnte sich natürlich als Familienvater tarnen, was ich aber für unrealistisch halte. Wir sind auf jeden Fall darauf vorbereitet, dass FCZ-Fans anreisen werden. Das Polizeiaufgebot wird gleich gross sein wie bei anderen Risikospielen.

Dann werden ja nicht mal Kosten gespart?

Ja, unser Aufwand und die Kosten für die Steuerzahler bleiben. Unser Auftrag lautet, Ausschreitungen zu verhindern.

Den Klubs gehen dafür wichtige Einnahmen verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass Sie Ihren Entscheid gerade mal zwei Tage vor dem Spiel kommuniziert haben.

Der Schutz von Leib und Leben steht vor kommerziellen Interessen. Wir haben die Lage vor dem Spiel die ganze Woche beurteilt und uns aufgrund der aktuellsten Informationen entschieden. Das werden wir auch in Zukunft so machen. Es ist nicht so, dass jetzt FCZ-Fans generell ausgesperrt werden. Jedes Spiel wird neu analysiert.

Sie sind die erste Polizei, die vor einem Spiel Fans aussperrt. Wollen Sie damit eine Signalwirkung erreichen?

Das war nicht unser Ziel. Sicher wird unser Entscheid aber breit diskutiert werden – und vielleicht werden andere nachziehen. Anhand der Reaktionen aus der Bevölkerung spürt man, dass viele Leute genug haben von den ständigen Ausschreitungen und auch von den Sicherheitskosten zu Lasten der Steuerzahler. Mühsam ist auch, dass für solche Hochrisikospiele unglaublich viele Polizisten im Einsatz stehen. Diese fehlen dann im ordentlichen Dienst.

*Bernhard Graser ist Sprecher der Kantonspolizei Aargau.

Deine Meinung