Aktualisiert 07.01.2008 22:12

Gewalttaten: Ärzte sollen Opfer melden

Die Ärzte sollen der Polizei Hinweise geben, wenn sie Opfer von Gewalttaten behandeln: Der Kanton Bern prüft nun eine Meldepflicht.

«Während jeder Hundebiss gemeldet werden muss, bleiben viele Gewaltdelikte ungeahndet», sagt SP-Grossrat Patric Bhend. Er schlägt vor, dass die Ärzte die Behörden informieren müssten, wenn sie eine verdächtige Verletzung behandeln. So könnte man die Opfer besser betreuen und die Täter aus dem Verkehr ziehen.

Die Kantonsregierung hat jetzt beschlossen, die Einführung einer solchen Meldepflicht vertieft zu prüfen. Mehr wollte Bhend mit seinem Vorstoss nicht erreichen. Er räumt selber ein, dass es noch eine ganze Reihe von juristischen und ethischen Fragen zu klären gebe.

«Ein heikles Thema» ist die Meldepflicht auch für Thomas Heuberger, GFL-Grossrat und Vizepräsidenten der Bernischen Ärztegesellschaft: «Viele Opfer werden von den Tätern unter Druck gesetzt und könnten sich aus Angst vor der Meldepflicht nicht mehr behandeln lassen.» Schon heute sind die Mediziner von ihrer Schweigepflicht entbunden, wenn eine Verletzung auf ein schweres Verbrechen schliessen lässt. «Aber das ist schwierig abzuwägen», sagt Heuberger, «durch die Meldepflicht würden die Ärzte noch weiter in die Rolle des Richters gedrängt.»

Patrick Marbach

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