Auf Steinböcke zielen  - Gewehr-Attrappe in Berner Tierpark sorgt für Diskussionen 
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Auf Steinböcke zielen Gewehr-Attrappe in Berner Tierpark sorgt für Diskussionen

Im Tierpark Dählhölzli können Besucher mit einer Gewehr-Attrappe auf Steinböcke zielen. Für den Schweizer Tierschutz (STS) ist das «zumindest fragwürdig».

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Spielerisches Abschiessen: Im Tierpark Bern können Besucher mit einer Gewehr-Attrappe auf Steinböcke zielen.

Spielerisches Abschiessen: Im Tierpark Bern können Besucher mit einer Gewehr-Attrappe auf Steinböcke zielen.

Twitter/LeCoinPerformer37
Für den Schweizer Tierschutz (STS) ist die Installation der Vorrichtung «zumindest fragwürdig».

Für den Schweizer Tierschutz (STS) ist die Installation der Vorrichtung «zumindest fragwürdig».

Beat Mathys/Tamedia AG
Der Tierpark hingegen sieht die Vorrichtung als Teil des Bildungsauftrags. 

Der Tierpark hingegen sieht die Vorrichtung als Teil des Bildungsauftrags.

Beat Mathys/Tamedia AG

Darum gehts

  • In der Steinbockanlage im Tierpark Bern findet sich auch eine Gewehr-Attrappe, mit der man auf das Wild zielen kann.

  • Dadurch könne das Abschiessen zum «banalen Vergnügen» werden, kritisiert der Schweizer Tierschutz.

  • Der Tierpark hingegen sieht die Vorrichtung als Teil des Bildungsauftrags.

Vor gut einem Jahr wurde im Tierpark Dählhölzli die Steinbockanlage «Aare Alpen» eröffnet. Zu deren Höhepunkten zählt zweifelsohne der sogenannte Wildererpfad, der in seinem Verlauf den verschiedenen Höhenstufen der Alpen nachempfunden ist. Auf dem waldigen und felsigen Besucherweg findet sich an einer Stelle auch eine Gewehr-Attrappe, mit der man auf die Steinböcke zielen kann. Das finden nicht alle gut, wie «Nau» berichtet.

Im Hinblick auf das Fütterungsverbot kommentierte etwa ein Twitter-User sarkastisch: «Tierfreunde füttern Zootiere nicht. Sie dürfen aber lernen, sie zu erschiessen.» Auch der Schweizer Tierschutz (STS) zeigt sich wenig begeistert ob der Vorrichtung: Bestenfalls werde den Anwendern durch die Handhabung der Waffe und das imaginäre Abschiessen der Alpensteinböcke bewusst, dass auf diese Weise Tierarten ausgerottet wurden und werden. «Im schlechtesten Fall aber fördert das ‹spielerische Abknallen› den Jagdinstinkt und das Abschiessen wird zum banalen Vergnügen».

Geschichte des Steinbocks detailgetreu erzählen

Eine Überforderung der Klientel zieht der STS in Erwägung: «Mit Gewehren auf Tiere zu zielen, fördert keinen sorgsamen Umgang mit diesen», wird die älteste Tierschutzorganisation der Schweiz zitiert. Eine entsprechende Installation sei daher «zumindest fragwürdig».

Man sei sich der Kontroverse um das Gewehr bewusst und habe lange diskutiert, ob eine Gewehr-Attrappe vertretbar sei, schreibt Kommunikationsleiterin Doris Slezak. «Aber es ist wichtig und Teil unseres Bildungsauftrags, dass die traurige Geschichte der Ausrottung und die schöne Geschichte der Wiederansiedlung richtig und mit allen wichtigen Details erzählt, wie auch optisch dargestellt und damit erlebbar wird.» Eltern seien zudem angehalten, ihren Kindern nach dem Hantieren den «enormen Einfluss» des Menschen auf die Natur bewusst zu machen.

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(sul)

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