Kampf um den HanfGewehre, Stolperdrähte und Sprengfallen
Balkan-Banden übernehmen die Kontrolle über den millionenschweren Cannabis-Handel. Die Verteilkämpfe werden mit harten Bandagen geführt.
- von
- Annette Hirschberg
Die Diebe, auf die Hanfbauer Alfred E. vor einer Woche geschossen und dabei einen getötet hat, sollen mit einem Auto mit Freiburger Nummernschildern unterwegs gewesen sein. Die Insassen hingegen stammen aus dem Balkan, sind die Mitglieder des Vereins Schweizer Hanffreunde (VSHF) überzeugt. Die Berner Polizei will diese Angaben aus ermittlungstechnischen Gründen nicht bestätigen.
Hinter der Behauptung der Hanffreunde steckt offenbar Szenekenntnis. Balkan-Banden hätten in den letzten Jahren den illegalen Handel von Cannabis an sich gerissen, sagt Peter Brunner, Sprecher der Hanffreunde. «Sie verfügen über ein ausgeklügeltes Netzwerk und steuern praktisch den gesamten Verkauf.» Der Handel sei lukrativ und die Strafen milde. «Die lachen sich ins Fäustchen, weil sie bei uns so gute Geschäfte machen und das Gesetz kaum fürchten müssen», ärgert sich Brunner. Den legalen Industriehanf des Hanfbauern Alfred E. sollen die Banden zum Strecken ihres Marihuanas verwenden.
Gut gesicherte und bewachte Anlagen
Die Kantonspolizei St. Gallen bestätigt, dass sich beim Marihuana eine neue Entwicklung abzeichnet. «Personen aus dem Balkan haben in grossem Stil ihre Finger im Cannabis-Handel der Schweiz», sagt Mediensprecher Hanspeter Krüsi. So kontrollierten sie immer mehr die Verteilung des Schweizer Indoor-Hanfs. «Wir wissen aber auch, dass mittlerweile viele grosse Cannabis-Anlagen im Balkan betrieben werden.»
Im Bereich der illegalen Indoor-Anlagen in der Schweiz gebe es wohl auch Verteilkämpfe. Immer öfter treffe man auf gut gesicherte und bewachte Anlagen. «Unsere Ermittler haben schon Hanfproduktionen ausgehoben, die mit Stolperdrähten und Sprengfallen gesichert und äusserst gut versteckt waren», so Krüsi. Das sei aber nicht erstaunlich, werde doch in professionellen Anlagen mit über 1000 Pflanzen viel Geld umgesetzt. «Da geht es um Millionen.»
Milde Strafen
Auch die geringen gesetzlichen Folgen für die Händler kann Mediensprecher Hanspeter Krüsi bestätigen: «Die Strafen sind eher mild.»
So erhielten 2009 drei Personen, die in Thun eine Indoor-Hanfanlage mit mehreren hundert Pflanzen betrieben hatten, je eine bedingte Strafe von mehreren Monaten. Ebenfalls bedingte Strafen erhielten drei Männer dieses Jahr im November am Kreisgericht St. Gallen. Sie hatten mit Hanf gehandelt und dabei 900 000 Franken umgesetzt und an die 200 000 Franken verdient.
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