18.10.2020 04:16

Streit ist programmiertGewerbeverband wehrt sich gegen neue Massnahmen

Noch ehe der Bundesrat am Sonntag an einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommt, wird aus Wirtschaftskreisen Kritik an möglichen Beschlüssen zur Eindämmung der Pandemie laut.

von
Yasmin Rosner
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27. Oktober
27. Oktober

In einer Kindertagesstätte im Kanton Glarus kam es zu einem Corona-Fall.

KEYSTONE
27. Oktober
27. Oktober

Im Spitalzentrum Biel gilt wegen Corona ab sofort ein Zutrittsverbot für Besucherinnen und Besucher.

zvg
26. Oktober
26. Oktober

Die Genfer Virologin Isabella Eckerle fordert die Regierung auf, sofort zu handeln. Die Schweiz brauche einen Lockdown, schreibt sie auf Twitter. Und das so schnell wie möglich.

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Darum gehts

  • Am Sonntag trifft sich der Bundesrat zu einer Notsitzung, um über neue Corona-Regeln zu beraten.

  • Die Verschärfungen stossen schon jetzt bei Wirtschaftsvertretern auf Kritik.

  • Sie wehren sich unter anderem gegen eine Home-Office-Vorschrift und flächendeckende Massnahmen.

Die angekündigten Verschärfungen der Corona-Regeln bereiten vielen Schweizer Unternehmen Sorgen. Am Donnerstag treffen sich gemäss «SonntagsZeitung» nun Wirtschaftsvertreter und Gewerkschafter mit Bundesrat Guy Parmelin. Dieser hat zu einem runden Tisch geladen. Geplant ist eine Lagebeurteilung. Zudem dürfte Parmelin die Wirtschaftskapitäne auch von der Notwendigkeit der Massnahmen überzeugen wollen. Doch Teile der Wirtschaft werden sich kaum überzeugen lassen.

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband in Bern. (12. August 2020)

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband in Bern. (12. August 2020)

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Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler sagt gemäss der Zeitung: «Für viele Gewerbebetriebe bedeuten die jetzt geforderten neuen Massnahmen erneut starke Einschränkungen, Umsätze werden wegbrechen.» Dass es einen Schutz gegen Corona brauche, sei unbestritten. Doch: «Dass der Bundesrat nun mit schweizweit flächendeckende Massnahmen eingreift, ist für mich unverständlich.» Der Gewerbeverband werde sich gegen eine Maskenpflicht in kleineren Läden einsetzen. Denn dort könne der geforderte Abstand problemlos eingehalten werden. «Auch gegen Homeoffice-Vorschriften würden wir uns wehren, falls solche kommen», sagt Bigler.

Zweiter Lockdown soll vermieden werden

Die Kritik des Gewerbeverbands bezieht sich auf die Massnahmen, die der Bundesrat heute Sonntag an einer dringlichen Sitzung beschliessen will. Bereits am Freitag war durchgesickert, dass Gesundheitsminister Alain Berset eine allgemeine Maskenpflicht in Innenräumen und eine Teilnehmerbeschränkung für private Anlässe durchsetzen will.

Bei den neuen Massnahmen dürfte sich der Bund gemäss dem «SonntagsBlick» am Kanton Genf orientieren. Wie ein Blick in den Entwurf der neuen Verordnung zeigen würde, solle ein zweiter Lockdown vermieden werden. Die Maskenpflicht aber werde ausgeweitet und das Arbeiten von zu Hause aus empfohlen. Die Grundregel sei: Alles, wofür es ein Schutzkonzept gibt, bleibe erlaubt. Alles, was spontan stattfinden könnte, werde verboten. Diesen Weg hatte erst vor kurzem der Kanton Genf eingeschlagen.

Gegen «übertriebene Massnahmen»

Sieben Unternehmer – darunter FDP-Nationalrat und Digitec-Gründer Marcel Dobler – und ein Arzt haben kürzlich die neue Gruppierung Coronadialog gegründet, ein Verbund von bekennenden Corona-Skeptikern. Das berichtet die «SonntagsZeitung». Drei Dutzend weitere Mitglieder haben sich bislang eingetragen, vor allem KMU-Unternehmer und bürgerliche Wähler. Sie sind der Meinung, dass rund um die Corona-Pandemie zu viel Panik gemacht werde. Die von den Behörden getroffenen Massnahmen seien übertrieben – hätten jedoch für viele Firmen und Arbeitsplätze tödliche Folgen. Das Komitee wendet sich gegen beide Seiten, die Verharmloser und die Panikmacher. Marcel Dobler sagt: «Auf der einen Seite sind die Covidioten, die alles negieren, auf der anderen Seite die Alarmisten, die Wirtschaft und Gesellschaft ungeachtet der Kosten herunterfahren wollen. Es scheint, als ob sie jedes Leben retten wollen, während sie die Wirtschaft an die Wand fahren.»

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762 Kommentare
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Gewerbe ungleich betroffen

19.10.2020, 17:14

Die Schreiner werden noch Überstunden leisten müssen.

Das wars

19.10.2020, 17:12

Gewerbeverband am Ende des Lateins. Vor dem Aus gibt es Zuckungen.

Teddy

19.10.2020, 13:34

Ich gehe bestimmt nicht ohne Maske in einen Laden, Gewerbeverein hin oder her