Nach tödlichem Einsatz in Morges VD – Oberste Polizei-Gewerkschafterin fordert Taser für alle Patrouillen
Publiziert

Nach tödlichem Einsatz in Morges VDOberste Polizei-Gewerkschafterin fordert Taser für alle Patrouillen

Der tragische Fall von Morges VD hat eine Taser-Debatte angeheizt. Die Präsidentin der Polizei-Gewerkschaft fordert eine flächendeckende Einführung bei allen Einheiten.

Ein Video zeigt den tödlichen Einsatz am Bahnhof in Morges VD.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Bei einem Polizeieinsatz im Bahnhof von Morges VD ist im August ein Mann ums Leben gekommen.

  • Ein Regionalpolizist hatte mehrere Schüsse abgegeben, nachdem der Mann die Beamten bedroht hatte.

  • Die oberste Polizei-Gewerkschafterin will nun die Polizei mit Elektroschockwaffen aufrüsten. Sie glaubt, dass Taser einen Schusswaffen-Einsatz vermeiden können.

Der Taser setzt jeden Angreifer ausser Gefecht: Ein Stromstoss lähmt den Körper für mehrere Sekunden. «Das macht Sinn. Der Taser ist ein wichtiges Einsatzmittel, wenn Messer oder andere gefährliche Gegenstände im Spiel sind und eine Person nicht auf Anweisungen der Polizei reagiert», sagt Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter, in der «Rundschau».

Die Taser-Debatte ausgelöst hat der tödliche Einsatz am Bahnhof in Morges VD. Ein Regionalpolizist hatte im August mehrere Schüsse abgegeben, nachdem ein 37-jähriger Mann die Beamten bedroht hatte. Ryser Bundi ist überzeugt, dass in solchen Fällen ein Taser einen Schusswaffen-Einsatz vermeiden könnte. Sie fordert deshalb: «Jede Polizei-Patrouille soll künftig mit einem Taser bewaffnet sein.»

Zahl der Taser-Einsätze stark angestiegen

Ganz umstritten ist die flächendeckende Einführung von Elektroschockwaffen nicht. Laut Amnesty International können schwere Verletzungen bis hin zum Tod bei Menschen unter Drogeneinfluss oder mit bestimmten Vorerkrankungen die Folge sein.

Dazu sagt Bundi Ryser: «Die Polizisten müssen sorgfältig aus- und weitergebildet werden.» Zudem verfügen Schweizer Polizeikorps laut der obersten Polizei-Gewerkschafterin über gemeinsame Richtlinien: Demnach sollen Taser als letzte Eskalationsstufe vor der Schusswaffe zum Einsatz kommen.

Laut der «Rundschau» ist die Zahl der Taser-Einsätze in den letzten Jahren stark angestiegen. Alleine 2020 hätten Schweizer Polizisten in 96 Fällen den Taser eingesetzt. Am stärksten verbreitet seien sie bei den Kantonspolizeien Bern und Zürich. In der Romandie und einzelnen Deutschschweizer Kantonen verfügen hingegen nur Sondereinheiten über Elektroschock-Pistolen.

Mehr dazu am Mittwochabend um 20.05 Uhr in der «Rundschau» auf SRF 1.

«Der Einsatz der Dienstwaffe ist das letzte Mittel»

Ein News-Scout hielt die heftigen Szene am Bahnhof Morges damals auf Video fest. Aufnahmen zeigen, wie ein Mann mit gelbem Oberteil und Cap auf dem Kopf auf dem Perron von Morges mit angriffiger Haltung einen Regionalpolizisten zurückdrängt. Dann fallen zwei Schüsse. Man sieht, wie der Mann am Boden zu liegen kommt, einen Augenblick später aber wieder aufsteht. Er stürmt erneut auf die beiden Regionalpolizisten zu. Dann fällt ein dritter Schuss. Der Mann geht zu Boden und bleibt liegen. Die Polizisten nähern sich vorsichtig. Danach bricht die Aufnahme ab. 20 Minuten zeigt nur die Szenen vor dem dritten Schuss.

Laut der Kantonspolizei Waadt hatte der 37-jährige Mann, der als verwirrt gemeldet worden war, zuvor die Polizisten mit einem Messer bedroht. Max Hofmann, Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), erklärte nach dem tödlichen Polizeieinsatz gegenüber 20 Minuten, dass der Einsatz der Dienstwaffe das letzte Mittel sowie gesetzlich geregelt sei. «Es braucht zum Beispiel eine Gefahr für das eigene Leben oder das Leben von Drittpersonen.» Eine mehrfache Schussabgabe könne nötig sein, wenn es die Situation erfordere.

Im September fand in Zürich ein Trauermarsch für den in Morges VD erschossenen 37-Jährigen statt.

20min/sac

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(20 Minuten)

Deine Meinung