09.11.2020 08:23

Spotify vs. MusikschaffendeGewerkschaft setzt sich für faire Streaming-Erlöse ein

Die Union of Musicians and Allied Workers macht Spotify mit einer Online-Kampagne Druck. Der öffentliche Zuspruch wächst, doch der Streaming-Gigant bleibt stumm.

von
Melanie Biedermann
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Die Musikergewerkschaft Union of Musicians and Allied Workers lancierte vergangene Woche die Online-Kampagne mit dem Hashtag #justiceatspotify.

Die Musikergewerkschaft Union of Musicians and Allied Workers lancierte vergangene Woche die Online-Kampagne mit dem Hashtag #justiceatspotify.

unionofmusicians.org
Streaming verschärfte im letzten Jahrzehnt die Entwertung der Musikproduktion, entsprechend konkret ist die Forderung nach fairer Entlöhnung: Gefordert wird mindestens ein Cent pro Stream.

Streaming verschärfte im letzten Jahrzehnt die Entwertung der Musikproduktion, entsprechend konkret ist die Forderung nach fairer Entlöhnung: Gefordert wird mindestens ein Cent pro Stream.

Instagram/weareumaw
Marktprägend war das Vorbild des schwedischen Streaming-Giganten Spotify, der sich von einer Musikplattform zu einem börsendotierten Unternehmen entwickelte. «Während CEO, Investoren und die grossen Labels ihre Taschen füllen, bleiben die Musikproduzentinnen und -produzenten im Dunkeln, unterbezahlt und anderweitig ausgenutzt», schreibt die Arbeiter-Union.

Marktprägend war das Vorbild des schwedischen Streaming-Giganten Spotify, der sich von einer Musikplattform zu einem börsendotierten Unternehmen entwickelte. «Während CEO, Investoren und die grossen Labels ihre Taschen füllen, bleiben die Musikproduzentinnen und -produzenten im Dunkeln, unterbezahlt und anderweitig ausgenutzt», schreibt die Arbeiter-Union.

Instagram/weareumaw

Darum gehts

  • Die Corona-Pandemie bedroht die Live-Event-Branche auf internationaler Ebene.

  • Musikerinnen und Musiker, die auf Konzertgagen angewiesen sind, treffen Restriktionen und Veranstaltungsverbote besonders hart: Ihr Einkommen beschränkt sich vermehrt auf Verkäufe von Musik und Merchandise.

  • Der Streamingboom des letzten Jahrzehnts führte zu einer verschärften Entwertung der Musikproduktion.

  • Eine Musikergewerkschaft fordert mit der Kampagne «Justice at Spotify» eine Systemkorrektur.

Vor einer Woche teilte die Union of Musicians and Allied Workers einen Post in den sozialen Netzwerken: «Spotify ist die dominanteste Plattform auf dem Musikstreaming-Markt. Die Firma dahinter gewinnt an Wert, doch jene, die überall auf der Welt aktiv zur Musik beitragen, erhalten kaum mehr als ein paar Rappen für ihre Arbeit.»

Der Zeitpunkt des Aufschreis ist kein Zufall. Die Corona-Pandemie lähmt nationale Wirtschaften seit Monaten. Musikschaffende sind weltweit besonders betroffen – seit den neuen Restriktionen, die der Bundesrat vergangenen Mittwoch kommunizierte, vermehrt auch wieder in der Schweiz. «Das gesamte Livemusik-Ökosystem ist in Gefahr und Musikerinnen und Musiker sind mehr denn je auf Streaming-Einkommen angewiesen», schreibt die Organisation im Statement.

Die Forderungen sind konkret, doch Spotify schweigt

Die Pandemie deckt Mängel im System unmissverständlich auf. Derzeit zahlt Spotify Anteile länderspezifisch aus, in der Schweiz verdienen Musikschaffende 0,4 Rappen pro Stream. Die Gewerkschaft fordert mindestens einen Cent pro Stream, sprich 0,9 Rappen. Zudem wünscht sich die Union of Musicians and Allied Workers einen Wechsel vom Pro-rata- zu einem User-zentrierten Zahlungsmodell, die Offenlegung von Verträgen, Nennung aller an den Aufnahmen beteiligten Personen sowie das Ende von sogenannten Payola und bezahlten Playlist-Platzierungen.

Die Kampagne hat innert einer Woche über 16’000 Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden, darunter Produzentinnen, Techniker, Labels, aber auch international bekannte Bands wie die Indie-Band Deerhoof, Alt-Pop-Star Zola Jesus oder die Rocker von King Gizzard & the Lizard Wizard. Eine Reaktion von Spotify blieb bisher aus.

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14 Kommentare
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Markus

10.11.2020, 08:06

Interessant ist auch, dass diese neuen Tech-Firmen zwar Millarden an Umsatz machen, aber verhältnismässig wenig Arbeitsplätze schaffen - bei Spotify arbeiten gerade mal 4000 Mitarbeitende. Und natürlich ist der Sitz der schwedischen Firma im Steuerparadies Luxemburg

Eidgenossin

09.11.2020, 10:03

Schafft dieses 20‘ Now wieder ab, funktioniert ja gar nichts mehr richtig

Nick

09.11.2020, 09:34

Niemand wird gezwungen, seine Songs bei Spotify zu publizieren. Nicht meckern, sondern gehen.