Aktualisiert 20.06.2008 12:56

SpitalfinanzierungGewerkschaft warnt: Bald Löhne wie im Wallis

Die neuen Spitalfinanzierungs- Tarife bedrohen die Löhne des Gesundheitspersonals. Das sagt die Gewerkschaft VPOD. Mit Hilfe des Preisüberwachers wollten die Krankenkassen nur noch die Tarife des günstigsten Spitals bezahlen - und das ist im Wallis.

Nun seien aber die Lebenshaltungskosten in jedem Kanton unterschiedlich, begründet der VPOD, der Verband des Personals öffentlicher Dienste, seine Befürchtungen. 70 Prozent der Spitalkosten seien Personalkosten.

Damit sei es logisch, dass ein Spital im Wallis günstiger arbeiten könne als eines im Kanton Zug. Eine Wohnung in Zug koste 133 Prozent des Landesmittels, eine im Wallis nur 80 Prozent. Und gerade im Hochpreiskanton Zug spitze sich der Konflikt zu, schreibt der VPOD am Freitag in einer Vorabmitteilung zu einer Medienkonferenz in Bern.

In Zug werde die Haltung der Krankenkassen vom Preisüberwacher unterstützt, der vom Kanton eine Senkung der Spitaltarife auf Walliser Niveau verlange. Sollte die Zuger Kantonsregierung der Forderung der Krankenkassen Folge leisten, dann drohten die Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags und dem Spitalpersonal happige Lohneinbussen.

Preisüberwacher Vorwürfe zurück

Preisüberwacher Rudolf Strahm hat Vorwürfe der Gewerkschaft VPOD zurückgewiesen, er helfe dem Krankenkassenverband santésuisse beim Drücken der Löhne in Spitälern. Der Preisüberwacher drücke Tarife, nicht Löhne.

Einige Behauptungen des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) seien falsch, sagte Strahm auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der Vergleich mit den Spitaltarifen im Wallis hinke.

Im konkreten Fall - jenem der Spitäler im Kanton Zug - seien Spitäler in fünf Kantonen als Vergleichsbasis beigezogen worden und nicht nur Krankenhäuser im Wallis. Kostentreibend wirkten nicht die Löhne in den Spitälern, sondern die Überkapazitäten gäben den Ausschlag.

Zug sei bis 2006 sogar bei den billigsten Kantonen gewesen, sagte der Preisüberwacher. Seither seien aber zwei neue Spitalabteilungen eröffnet worden - schlecht ausgelastet und damit kostentreibend. Überhaupt seien Spitäler in Randregionen wegen der geringeren Auslastung oft teurer als solche in Städten.

Die Preisüberwachung nehme die Lohnfrage ernst und stütze sich dabei auf die Erhebungen des Bundesamts für Statistik. Zug liege beim Lohn im schweizerischen Mittel.

Zudem greife der Mietkostenvergleich des VPOD zu kurz. In Zug seien die Mieten vergleichswiese hoch, die Steuern dagegen nicht. Unter dem Strich gleiche sich das bei den Lebenshaltungskosten wieder aus.

Im Übrigen habe er in seine Tarifempfehlungen an die Spitäler Zugs noch eine Toleranzmarge von 2 Prozent für den ermittelten Grundtarif eingebaut, sagte Strahm. (sda)

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