18.11.2020 10:10

Coronavirus-Krise und Black FridayGewerkschaft warnt vor Kollaps des Postnetzes

Black Friday trifft auf die Coronavirus-Krise: Das könnte zum Zusammenbruch des Postnetzes führen. Die maximale Kapazität der Schweizer Logistik dürfte in den kommenden Wochen überschritten werden.

von
Raphael Knecht

Dieter Bambauer, Leiter der Logistik, erklärt, wie die Post mit der Päckliflut umgeht.

Foto: S. Ritter / Post

Darum gehts

  • Für 2020 ist mit einem Allzeitrekord bei Paketen zu rechnen.

  • Die Gewerkschaft befürchtet den Kollaps des Postnetzes.

  • Sie fordert mehr Festangestellte und mehr Lohn.

Wegen des während der Corona-Pandemie stark angestiegenen Onlinehandels wird dieses Jahr mit einem Allzeitrekord bei den Paketen gerechnet. Auf die Festtage hin wird das besonders spürbar sein. Die Gewerkschaft Syndicom ruft zum Schutz der Angestellten auf.

Die Angestellten der Post, von DHL, DPD und anderen Anbietern leisteten während des Lockdown einen Sondereffort, zum Wohle der ganzen Gesellschaft, hielt Syndicom am Dienstag an einer virtuellen Medienkonferenz fest. Nun drohe ihnen auf die Festtage hin neues Ungemach.

Es drohe der Kollaps: Black-Friday, Cyber-Monday und die Festtage stünden vor der Tür – sonst schon eine Herausforderung. Unter den wegen der Corona-Pandemie zusätzlich erhöhten Paketvolumen litten die Angestellten: die Zusteller und die Menschen in den Sortierzentren.

1,6 Mio. Pakete pro Tag

Das Nadelöhr der Schweizer Logistik sei die Sortierkapazität: Alle Sortiermaschinen im Land können circa 1,6 Millionen Pakete pro Tag verarbeiten. Die Gewerkschaft rechnet allerdings damit, dass dieses Volumen in den Wochen vor Weihnachten übertroffen wird. Für Kunden dürfte das unweigerlich zu Verzögerungen bei der Lieferung führen – das Personal müsse mit zusätzlichen Überstunden rechnen.

Bei der Post heisst es allerdings, man rechne dieses Jahr zu Spitzenzeiten mit 1,2 Millionen Pakete pro Tag – also weniger als die maximale Kapazität. Laut Logistik-Chef Dieter Bambauer ist es aber immer noch doppelt so viel wie an normalen Tagen (s. Video oben).

Festanstellungen und mehr Lohn

Die Post plant für die Bewältigung des Volumens Massnahmen wie zusätzliche Pöstler-Touren und stellt temporär 800 neue Mitarbeiter ein. Matteo Antonini, Mitglied der Geschäftsleitung von Syndicom, fordert: «Die Arbeitgebenden müssen der drohenden Überlastung mit höheren Löhnen, genügend festangestelltem Personal und Massnahmen zum Schutz der Gesundheit begegnen. Zudem fordern wir einen allgemein verbindlichen Gesamtarbeitsvertrag für die Zustellerinnen und Zusteller der privaten Postdienstleister.»

Syndicom erwarte zudem, dass alle geleisteten Arbeitsstunden ausbezahlt und die Suva-Richtlinien konsequent eingehalten werden.

Online-Shopping

Paketzahlen steigen sprunghaft

Seit der Corona-Krise boomt der Onlinehandel. Für die Post bedeutet das mehr Arbeit. Während des Lockdown sind die Paketzahlen sprunghaft angestiegen. Im April verteilte die Post sogar bis zu 850’000 Pakete pro Tag. Seit Anfang Oktober steigen die Paketmengen nun wieder an. «Aktuell verzeichnen wir rund 24 Prozent mehr Pakete als im Vorjahr», sagt Dieter Bambauer, Leiter der Post-Logistik. Für Spitzentage wie Black Friday wird mit noch grösserem Volumen gerechnet. Die Post bereitet sich bereits seit Sommer darauf vor.

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307 Kommentare
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Susi

19.11.2020, 07:48

Dann geht’s eben ein bisschen länger. Wir haben eine Krise, das wird schon verstanden. Ist doch schön das die Leute noch Geld haben um zu bestellen. Und die Post verdient ja pro Paket. Das wird dann auch mehr sein. Ist allemal besser als sich, wie Postauto, an öffentlichen Geldern, zu bereichern. Es ist allerdings mit harter Arbeit verbunden. – Willkommen im echten Leben.

Chris

19.11.2020, 06:01

Die Schweizer Post hat seit Jahren nichts gross investiert. Pakete von 100km brauchen manchmal 2-3 Tage auch als Prio. Die Sendungsverfolgung ist auf dem Stand der 90er. Die Vernetzung ist unterirdisch schlecht. Vielleicht mal vom Nachbarland (z.B. nach Lahr) etwas abschauen, diese haben aktuell auch sehr viel zu tun, bekommen es aber hin, da die Struktur und Vernetzung stimmt. Mir tuen die Fahrer leid, ich sehe sie Abend um 19 Uhr noch am ausliefern, ich möchte garnicht erst wissen, wie lange die arbeiten. Nicht gegen die die Fahrer aber da hat wohl die Swiss Post zu lange nur zugeschaut, anstatt sich zu bewegen, daher bin ich auch dafür, die Boni für die Verantwortlichen zu streichen!

diesem ceo

18.11.2020, 13:42

und dem ganzen management umgehend die boni streichen!!!!