Aktualisiert 02.08.2012 12:05

Lohnrunde 2013Gewerkschaften fordern 2 Prozent mehr Lohn

Die Lohnrunde ist eröffnet: Travail.Suisse fordert eine Lohnerhöhung von ein bis zwei Prozent. Am meisten profitieren sollen die Angestellten der Post und der PostAuto AG.

Der Arbeitnehmer-Dachverband Travail.Suisse hat seine Forderungen für die Lohnrunde 2013 vorgestellt. Er verlangt Salärerhöhungen von rund 1 bis 2,5 Prozent. Die angeschlossenen Verbände wollen je nach Branche mit differenzierten Forderungen in die Verhandlungen gehen.

Die für 2012 erwartete Negativteuerung von -0,4 Prozent entbinde die Arbeitgeber nicht von regulären Lohnerhöhungen, sagte Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, am Donnerstag in Bern vor den Medien. Für 2013 werde mit einer moderaten Teuerung von 0,5 Prozent gerechnet.

Steigende Krankenkassenprämien würden die gestiegene Kaufkraft wieder verringern. Der Krankenkassen-Dachverband santésuisse erwartet, dass die Prämien 2013 um durchschnittlich 2 bis 3 Prozent steigen.

Enormen Einsatz geleistet

Die Angestellten hätten in den letzten Jahren einen enormen Einsatz geleistet, sagte Blank. Die Überstunden-Statistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) weise für 2011 im Schnitt 56 Überstunden aus, 7 mehr als 2008. Gemäss einer Studie des Staatssekretariates für Wirtschaft (SECO) habe der Stress bei der Arbeit zugenommen.

«Die Arbeitnehmer haben deshalb Lohnerhöhungen verdient.» Die Schweizer Unternehmen seien in guter bis sehr guter Verfassung, abgesehen von Maschinenindustrie- und Tourismusbetrieben, die nach wie vor mit dem starken Franken zu kämpfen hätten.

Die Lohnerhöhungen für 2013 sollen nach Auffassung von Travail.Suisse in erster Linie generell sein. «Von der Wirtschaftserholung müssen alle Angestellten profitieren», sagte Blank. Das SECO prognostiziert für 2012 ein BIP-Wachstum von 1,4 Prozent und für 2013 ein Wachstum von 1,5 Prozent.

Höchste Lohnforderung an die Post

Die Gewerkschaft transfair, die unter anderen Angestellte von Post, SBB und Bundesverwaltung vertritt, stellt die höchste Lohnforderung an die Post und die PostAuto AG, nämlich rund 2,5 Prozent. Davon seien rund 1,4 Prozent für die Erhöhung der Sparbeiträge der Pensionskasse vorgesehen, sagte Matthias Humbel von transfair.

Für die Angestellten der Bundesverwaltung strebt transfair eine Lohnerhöhung von rund 1 Prozent an. Für die SBB-Angestellten dagegen verlangt sie auf Grund einer Abmachung beim Lohnabschluss 2012 keine generelle Lohnerhöhung.

Die SBB soll aber genügend Mittel für individuelle Lohnerhöhungen bereithalten und je nach Geschäftsgang ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Einmalprämie ausrichten.

Syna: Tieflöhne anheben

Die Gewerkschaft Syna verlangt Reallohnerhöhungen von im Mittel 2 Prozent. In den Lohnverhandlungen will sie zudem auf eine Erhöhung der GAV-Mindestlöhne pochen. Sie sollen um mindestens 100 Franken angehoben werden, wie Vizepräsident Arno Kerst sagte.

Knapp 15 Prozent der Vollzeit-Beschäftigten verdienen laut Kerst unter 4000 Franken im Monat. Gut ein Viertel der erwerbstätigen Frauen und jeder zehnte Angestellte seien in dieser Situation. Durchsetzen will die Syna zudem gleiche Löhne für Mann und Frau.

Bei GAV-Verhandlungen will sie sich für sechs Wochen Ferien einsetzen - nach dem Nein zur Volksinitiative von Travail.Suisse für sechs Wochen Ferien an der Urne. Syna wolle die Arbeitgeber, die sich für ein Nein und für sozialpartnerschaftliche Lösungen stark gemacht hatten, nun beim Wort nehmen, sagte Kerst dazu.

Noch keine Verhandlungsforderung vorstellen konnte die Hotel & Gastro Union. Die Vorverhandlungen würden in den kommenden Tagen abgeschlossen, sagte der Westschweizer Sekretär Eric Dubuis. Er wollte deshalb nichts vorwegnehmen. (sda)

Angestellte Schweiz treten aus Dachverband aus

Die Ankündigung von Angestellte Schweiz, per Ende Jahr den Dachverband Travail.Suisse zu verlassen, hat Travail.Suisse überrascht. Das sagte Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel am Donnerstag in Bern am Rand einer Medienkonferenz.

Travail.Suisse bleibe auch nach dem Austritt initiativ- und referendumsfähig, stellte Flügel klar. Die Mitgliederzahl des Dachverbandes dürfte mit dem Austritt von derzeit rund 170 000 auf rund 150 000 sinken.

Zur Begründung von Angestellte Schweiz, künftig als Anwalt und Stimme des Mittelstandes auftreten zu wollen, sagte Flügel, dass der Mittelstand eine relativ heterogene Gruppe sei. «Man muss definieren, was Mittelstand genau heisst.» Die Lohnverhandlungen würden von jedem Mitgliedverband einzeln geführt.

Angestellte Schweiz hatte den Austritt Mitte Juli angekündigt. Die Organisation bezeichnete sich bei dieser Gelegenheit als einzige Arbeitnehmerorganisation der gesellschaftlichen Mittelschicht. Sie wollte bewusst nicht als Gewerkschaft wahrgenommen werden. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.