Aktualisiert 14.03.2013 07:42

Bauboom adeGewerkschafter sehen Flaute gelassen entgegen

Nach acht Jahren Boom heisst es Schluss mit Wachstum auf dem Bau. Die Baumeister bangen um ihre Aufträge – die Gewerkschaften halten das für Panikmache.

von
Sabina Sturzenegger
Die Bautätigkeit gerät ins Stocken. Für die Gewerkschaften kein Grund zur Panik.

Die Bautätigkeit gerät ins Stocken. Für die Gewerkschaften kein Grund zur Panik.

Sie gilt als wichtige Stütze für die Schweizer Konjunktur: Die Bautätigkeit. Je mehr Zuwanderer kommen, desto mehr Häuser, Wohnungen und Strassen müssen erstellt werden. Das brachte die Schweiz lange praktisch unbeschadet durch die Wirtschaftskrise.

Jetzt gibt es Anzeichen, dass die Binnenwirtschaft diese Stütze verliert: Die Wachstumskurve im Bau flacht seit acht Jahren zum ersten mal ab, wie der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) mitteilt.

Umsätze gingen zurück

Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe sind im vierten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent gesunken. Für das gesamte Jahr beliefen sich die Umsätze auf rund 18,9 Milliarden Franken, das sind 3,9 Prozent weniger als 2011.

Sowohl im Tief- (-4,9 Prozent) als auch im Hochbau (-2,9 Prozent) gingen die Umsätze merklich zurück. «Wir hatten ein paar gute Jahre, jetzt kommen wir in eine Seitwärtsbewegung», sagt Silvan Müggler, Leiter Wirtschaftspolitik beim SBV.

Stau beim Wohnungsbau

Insbesondere beim Wohnungsbau herrschen arge Kapazitätsengpässe. «Es gibt nicht nur zu wenig Bauland in der Schweiz, es fehlen bei den Bauunternehmen auch die Kapazitäten, um zu bauen», erklärt Müggler. Die Nachfrage für Bauprojekte, insbesondere von Wohnraum, wäre zwar weiterhin vorhanden, doch die Aufträge stauen sich.

Dies bestätigen die Ökonomen des Forschungsinstituts Bak Basel. Anders als der SBV sehen sie aber noch ein leichtes Wachstum der Bautätigkeit in den Jahren 2013 und 2014. Die Prognose werde «eher durch Kapazitätsengpässe als durch zu wenige Aufträge gefährdet», schreibt auch Bak Basel in der jüngsten Analyse zur BIP-Entwicklung.

Weniger Bauarbeiter

«In den nächsten zwei Jahren gibt es für das Baugewerbe noch keine Trendwende», sagt Bak-Ökonom Alexis Bill Körber. Der Knick komme aber später: «Im Jahr 2015 sehen wir einen deutlichen Rückgang bei den Bauinvestitionen», prognostiziert Körber. Der Effekt der Zweitwohnungsinitiative werde dann voll zu spüren sein. Für die Folgejahre sind die Perspektiven aber bereits wieder besser. «Allerdings dürfte die Neubautätigkeit mittelfristig nicht mehr die Dynamik aufweisen, wie in den letzten Jahren», so Körber.

Welche Auswirkungen erwartet der Baumeisterverband für den Arbeitsmarkt? «Er wird vorerst stabil bleiben», sagt Silvan Müggler. Zurzeit fehlten sogar noch Spezialisten, zum Beispiel Bauführer. Der Wachstumsstopp sei aber bereits spürbar: «Bei den einfachen Bauarbeitern werden wir zahlenmässig kaum ausbauen.»

Alles nur Panikmache?

Die Gewerkschaft Unia nimmt die Prognose des Baumeisterverbands gelassen: «Wir hatten in den letzten Jahren einen enormen Bauboom. Jetzt erleben wir eine Stabilisierung auf sehr hohem Niveau», sagt Nico Lutz, Sektorleiter Bau bei der Unia. Es gebe für die Arbeitnehmer im Moment keinen Grund, in Panik zu verfallen.

Auch Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) sieht kein Grund für Beunruhigung: «Das Bevölkerungswachstum und die tiefen Zinsen lassen eher darauf schliessen, dass eine rege Bautätigkeit anhalten wird», meint der SGB-Chefökonom.

Nico Lutz kann sich einen Seitenhieb gegen den SBV nicht verkneifen: «Der SBV hat auch in den vergangenen Jahren grundlos schwarze Wolken an den Konjunkturhimmel gemalt.»

Bündner Bauboom ist zu Ende

Die Baunachfrage in Graubünden ist 2012 erstmals seit Jahren zurückgegangen. Das realisierte Bauvolumen erreichte die Grenze von einer Milliarde Franken nicht mehr und sank um 10,5 Prozent auf 903 Millionen Franken.

Dies teilte der Graubündnerische Baumeisterverband mit. Gebaut wurde für 441 Mio. Franken, 11,9 Prozent weniger als 2011. Die Gründe für den Rückgang sieht der Baumeisterverband im Auslaufen von mehreren Grossprojekten und schwierigen Wetterbedingungen.

Zweitwohnungsintiative schlägt negativ durch

Auch die Auftragseingänge gingen 2012 zurück. Sie sanken um 6,1 Prozent auf 940 Mio. Franken. Verantwortlich für den Rückgang ist ein Einbruch im Wohnungsbau um 20,8 Prozent auf noch 313 Mio. Franken. Die Zweitwohnungsinitiative habe zu einer grossen Verunsicherung geführt, welche die Entwicklung vieler Bauvorhaben verzögert oder gar verhindert habe, schreibt der Baumeisterverband. (sda)

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