Quartalszahlen: Gewinn der Deutschen Bank halbiert
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QuartalszahlenGewinn der Deutschen Bank halbiert

Die Zeiten des lukrativen Investmentbankings sind vorbei. Das bekommt auch die Deutsche Bank zu spüren, die einen deutlichen Gewinneinbruch im zweiten Quartal hinnehmen muss.

Der Gewinn der Deutschen Bank glänzt nicht so wie ihr Hauptsitz in Frankfurt.

Der Gewinn der Deutschen Bank glänzt nicht so wie ihr Hauptsitz in Frankfurt.

Die anhaltende Krise in Europa lastet schwer auf der Deutschen Bank. Im zweiten Quartal ist ihr Gewinn um rund die Hälfte auf 661 Mio. Euro eingebrochen. Im Vorjahreszeitraum hatte die grösste deutsche Bank noch 1,2 Mrd. Euro verdient.

Ein Loch in die Bilanz riss insbesondere das einst so lukrative Investmentbanking. Weil die Schuldenkrise die Investoren rund um den Globus verunsichert, sank der Vorsteuergewinn im Investmentbanking im zweiten Quartal um über 60 Prozent auf 357 Mio. Euro.

Damit erwies sich der Spartengewinn von 1,7 Mrd. Euro im ersten Quartal 2012 als Strohfeuer. Der neue Konzernchef Anshu Jain, der das Investmentbanking jahrelang selbst geleitet hatte, musste am Dienstag einräumen, dass das Privatkundengeschäft zuletzt mehr abwarf als das einst so lukrative Kapitalmarktgeschäft.

Deutsche Bank ist nicht allein

Eine schnelle Erholung des Investmentbankings erwartet er nicht. «Die europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg», erklärte Jain zusammen mit seinem Co-Chef Jürgen Fitschen.

Auch andere Grossbanken tun sich derzeit schwer, im Investmentbanking Geld zu verdienen. Die UBS häufte in der Sparte im Quartal sogar einen Verlust von 130 Mio. Franken an, wie am Dienstag bekannt wurde. Vor allem in der Beratung bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen herrscht seit Monaten Flaute.

Gewaltige Aufgaben für neues Führungsduo

Im Geschäft mit Privatkunden schrumpfte der Vorsteuergewinn im zweiten Quartal zwar ebenfalls, und zwar um 13 Prozent auf 398 Mio. Euro. Dennoch erweist sich das klassische Bankgeschäft damit als recht stabiles Standbein in Krisenzeiten - genau mit diesem Ziel hatte es Jains Vorgänger, der Schweizer Josef Ackermann, jahrelang aufgebaut.

Eine grosse Baustelle bleibt dagegen die Vermögensverwaltung, wo das Ergebnis um 85 Prozent auf nur noch 35 Mio. Euro zusammenschmolz. Die Hängepartie um den - letztlich gescheiterten - Verkauf grosser Geschäftsteile führte zu enormen Abflüssen von Kundengeldern, wie die Bank selbst einräumte.

Das neue Führungsduo, das derzeit an der künftigen Konzernstrategie bastelt, steht damit vor gewaltigen Aufgaben. Denn während die Erträge wegbrechen, erwarten die Regulierer eine immer dickere Kapitaldecke. Die Deutsche Bank betonte trotz Gewinneinbruchs und Turbulenzen ihre Entschlossenheit, die schärferen Kapitalanforderungen («Basel III») ohne Kapitalerhöhung zu stemmen.

(sda)

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