«Sehr aussergewöhnlich»: Gewitter verhagelt Baselbietern den Sonntag
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«Sehr aussergewöhnlich»Gewitter verhagelt Baselbietern den Sonntag

Ein so heftiges Gewitter, wie es am Sonntagnachmittag über das Baselbiet zog, gibt es im Oktober selten. In Zug kam es zu Überschwemmungen.

von
kko

Was auf den ersten Blick wie Schnee im Oktober aussieht, ist tatsächlich eine dicke Schicht Hagel. Am Sonntagnachmittag hat sich ein aussergewöhnlich heftiges Gewitter über der Nordwestschweiz entladen, betroffen war vor allem auch der Kanton Basel-Landschaft.

Die Gewitterzelle habe sich um etwa 16 Uhr über dem Jura gebildet und sei von dort dann Richtung Laufental, südlich an Basel vorbei und über Liestal nach Rheinfelden gezogen, sagt Cédric Sütterlin von Meteonews auf Anfrage. «Die Zelle ist mit ihren 14 Kilometern Höhe ein rechtes Ding», sagt er. Das bekamen die Basler auch zu spüren: «Die Temperatur sank in der betroffenen Region von 20 auf 10 Grad», sagt Sütterlin.

Strassen, Dächer und Gärten waren in kürzester Zeit von einer weissen Hagelschicht bedeckt. Die Körner hatten einen Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern. Ob des starken Niederschlags wurden teilweise Strassen überflutet.

«Es war den ganzen Tag so schönes Wetter. Am frühen Abend hörten wir es dann aufs Dach trommeln und wenig später kam eine regelrechte Hagel-Lawine herunter», sagt Leser-Reporterin Karin Brunner aus Brislach BL. Sie habe gerade noch das Auto unterstellen können.

Ein solch starkes Gewitter sei für den Oktober sehr aussergewöhnlich und wäre sogar im Sommer speziell, so Sütterlin. Bei der aktuellen Zelle könnte es sich «aufgrund der langen Lebensdauer» sogar um eine Superzelle handeln. Um 18 Uhr war sie immer noch intakt, normalerweise dauert ein Gewitter nur 30 bis 60 Minuten. Auf dem Radar erkenne man ausserdem, dass das Gewitter eine gewisse Eigendynamik aufweise und von West nach Ost ziehe. «Das haben wir nicht erwartet», sagt Sütterlin. Wann die Zelle wieder zusammenfalle, sei unklar.

Am Morgen war es auch in der Region um den Gantrisch südlich von Bern zu drei lokalen Gewittern gekommen. Diese brachten zwar viel Regen, waren gemäss Meteonews aber längst nicht so stark wie jenes über dem Baselland und ausserdem angekündigt gewesen. Am Abend kam es auch an andern Orten zu teilweise heftigen Niederschlägen, so etwa in Zug.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug (FFZ) wurde zu insgesamt 23 Wasserwehreinsätzen aufgeboten. Aus diversen Kellern musste mit Tauchpumpen Wasser abgepumpt werden. Ebenso mussten zwei mit Wasser vollgelaufene Unterführungen durch den Verkehrsdienst gesperrt werden, bis das Wasser wieder abgelaufen war.

Schliesslich wurde die FFZ noch zur Unterstützung der Feuerwehr Baar nach Inwil aufgeboten. Dort wurde eine Einstellhalle bis unter die Decke mit Wasser gefüllt.

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