Aktualisiert 26.09.2016 10:20

Rücktritt aus StadtratGfeller will «einen stressfreien Job»

Entmachtet war er schon, nun tritt er gar zurück: Stadtrat Matthias Gfeller. Hauptgrund dafür sei nicht die «Wärmering-Affäre», sondern ein medizinisches Problem.

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Der Grüne-Stadtrat Matthias Gfeller - hier bei einer Medienkonferenz 2014 - gibt sein Amt als Vorsteher des Departements Technische Betriebe ab.

Der Grüne-Stadtrat Matthias Gfeller - hier bei einer Medienkonferenz 2014 - gibt sein Amt als Vorsteher des Departements Technische Betriebe ab.

Keystone/Ennio Leanza
Am 7. Juli 2016 war Gfeller bereits entmachtet worden. An jenem Tag wurden auch der Direktor der Stadtwerke Winterthur und ein weiteres Kadermitglied im «Amt eingestellt».

Am 7. Juli 2016 war Gfeller bereits entmachtet worden. An jenem Tag wurden auch der Direktor der Stadtwerke Winterthur und ein weiteres Kadermitglied im «Amt eingestellt».

Facebook/Stadtwerk Winterthur

Das Herz macht nicht mehr mit: Der Winterthurer Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne) tritt in erster Linie aus medizinischen Gründen zurück. Der Druck der vergangenen Monate sei zu gross geworden, sagte Gfeller am Montag vor den Medien.

Der 60-jährige Grüne Politiker leidet seit Jahrzehnten an Herzproblemen. Seit etwa 1970 gerät sein Herz immer wieder aus dem Takt. 2003 liess er sich wegen Rhythmusstörungen auch operieren. Seither nimmt er Medikamente, mit denen die Störungen fast vollständig in Schach gehalten werden können.

Der Druck der vergangenen Monate im Zusammenhang mit den Energie-Abstimmungen (siehe Box) war aber zu viel: Gfeller leidet seit kurzem auch noch unter Vorhofflimmern. Dieses tritt vor allem bei körperlicher Anstrengung auf, hat aber auch Einfluss auf seine Konzentrationsfähigkeit und macht müde.

Gfeller will keine zweite Operation

Er könnte sich erneut operieren lassen, sagte Gfeller. «Aber ich habe mich dagegen entschieden. Ich will lieber einen stressfreien Job und mit meiner Gesundheit sorgfältiger umgehen als jetzt.» Gfeller tritt deshalb bis Mitte 2017 von seinem Amt zurück. Bis zu den Wahlen im Jahr 2018 will er nicht warten. Sein Arzt rate ihm davon ab, da die Belastung wohl zu gross wäre, sagte Gfeller.

Was er nach seinem Abgang machen will, weiss der Grüne bereits. Er möchte sich als Berater für Raumplanung selbständig machen und für Gemeinden im Raum Winterthur tätig werden.

«Ich habe zu wenig kommuniziert»

Gfeller gab sich an der Medienkonferenz durchaus auch selbstkritisch. Von acht Volksabstimmungen in seiner zehnjährigen Amtszeit habe es nach zweien eine Stimmrechtsbeschwerde gegeben, bei Biorender und beim Energie-Contracting. Das sei zugegeben eine etwas hohe Quote. «Und ein drittes Mal will ich das nicht erleben.»

Den Ergebnissen der Administrativuntersuchung, die am Dienstag publiziert wird, wollte Gfeller nicht vorgreifen. Er räumte aber ein, dass er in Bezug auf den Wärmering zu wenig kommuniziert habe. «Ich hätte den Gesamtstadtrat besser informieren müssen», sagte er.

In Sachen Biorender ärgere er sich heute noch, dass er die Brisanz unterschätzt habe. «Ich bin aber erleichtert, dass mir keine Rechtsverletzungen vorgeworfen werden.» Er werde deshalb erhobenen Hauptes aus diesem Amt scheiden.

Bei beiden Abstimmungen wird Gfeller vorgeworfen, wichtige Informationen über die finanzielle Lage der Energie-Unternehmen zurückgehalten zu haben.

Eigener Kandidat noch unklar

Sein Amt will Gfeller ohne zeitliche Vakanz an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin übergeben. Ob die Grünen für die Ersatzwahl mit einem eigenen Kandidaten antreten, ist noch unklar.

Man werde mit den «fortschrittlichen Kräften» SP, EVP und teilweise den Grünliberalen Gespräche führen und sich auf einen Kandidaten einigen, sagte Präsident Reto Diener. Am 25. Oktober soll bereits ein Nominations-Entscheid fallen.

Ruhegehalt bis 63

Den eigentlichen Wahltermin gibt die Stadt am Dienstag bekannt, wenn die Ergebnisse der Administrativuntersuchung veröffentlicht werden.

Gfeller wird auch nach seinem Abgang Geld von der Stadt Winterthur erhalten. Weil er das 55. Altersjahr bereits hinter sich hat, erhält er ein Ruhegehalt bis zu seinem vollendeten 63. Altersjahr. Danach folgt dann die Rente der Pensionskasse, die sich nach den üblichen Bestimmungen richtet. Eine Abgangsentschädigung erhält er nicht. (sda)

Gfeller unter Beschuss

Der Vorsteher des Departements Technische Betriebe ist in den vergangenen Monaten schwer unter Beschuss geraten. Matthias Gfeller (Grüne) wurde vorgeworfen, er habe im Vorfeld einer Abstimmung über einen 70-Millionen-Rahmenkredit die Information zurückbehalten, dass bei einem der Vorhaben, der Beteiligung an der Wärmering Frauenfeld AG, eine Sanierung in Millionenhöhe anstehe. In der Folge leitete der Gesamtstadtrat eine Administrativuntersuchung ein und Gfeller musste die politische Führung des Stadtwerks Winterthur abgeben. Er blieb allerdings Vorsteher seines Departements. Das Ergebnis der Administrativuntersuchung soll am Dienstag bekannt gegeben werden.

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