Umbau des Bankenplatzes: Gibt es bald nur noch ein paar Kantonalbanken?
Aktualisiert

Umbau des BankenplatzesGibt es bald nur noch ein paar Kantonalbanken?

Kleineren Banken, die das klassische Retailbanking mit Kleinkunden betreiben, weht ein rauer Wind entgegen. Betroffen sind auch die Kantonalbanken.

Ist die Zürcher Kantonalbank bald nur noch eine von wenigen Kantonalbanken?

Ist die Zürcher Kantonalbank bald nur noch eine von wenigen Kantonalbanken?

Der technologische Wandel und neue Regulierungen werden laut einer Studie den Schweizer Retailbanken künftig auf die Margen drücken. Die Untersuchung fordert neue Modelle für das Privatkundengeschäft und erwartet eine weitere Konsolidierungswelle, die auch die Kantonalbanken betreffen wird.

Kontoführung, Zahlungsverkehr, Kredit- und Kreditkartenvergabe: Das Retailbanking ist das Rückgrat der meisten Schweizer Banken. Das klassische Bankengeschäft mit Privatkunden warf bisher meist gute Gewinne ab. Eine Befragung von 20 führenden Bankern kommt jedoch zum Schluss, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.

Branchenfremde Konkurrenz

Die Kosten würden weiter steigen, gleichzeitig könnten branchenfremde Unternehmen für mehr Konkurrenz sorgen. Die Ursache dafür liege unter anderem in der zunehmenden Digitalisierung des Alltags, schreiben die beiden Studienverfasser - die Universität St. Gallen und das Beratungsunternehmen Ernst & Young.

So bieten zum Beispiel Telekommunikationsunternehmen vermehrt mobile Zahlungssysteme an, elektronische Marktplätze steigern zudem den Wettbewerb bei den Konsumkrediten. «Retailbanken müssen attraktiv bleiben, gerade hinsichtlich technologischer Innovationen», wird Andreas Blumer von Ernst & Young einer Medienmitteilung von Montag zitiert.

Schweizweite Ratingagentur

Der Kostendruck werde die Banken zu mehr Effizienz zwingen, was - so schlagen die Studienautoren vor - eine «Industrialisierung der Prozesse» erfordere. Die Retailbanken müssten sich dabei vermehrt auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und andere Bereiche ausgliedern oder zumindest mit anderen Banken kooperieren.

Vorgeschlagen wird beispielsweise eine schweizweite Ratingagentur, die Hypothekaranträge zentral prüft und so parallele Expertisen überflüssig macht. Diese würden oft unnötige Kosten verursachen, so Dirk Schäfer von der Universität St. Gallen, «zumal sie oft dieselben Standardverfahren einsetzen».

Kantonalbanken zu «regionalen Marktführern»

Die Studienautoren zeichnen ein düsteres Bild: «Institute, die am Status Quo festhalten, sehen sich in Zukunft ernsthaften Bedrohungen gegenüber», stellt Schäfer fest. Nach einer Reihe von Bankenfusionen stehe die Branche vor einer weiteren Konsolidierungswelle.

Besonders kleinere Institute werden davon betroffen sein, sind die Autoren überzeugt. Denn durch die Bündelung grösserer Volumen liessen sich beim Retailbanking die Skalenerträge steigern. Weiter könnte es sich für sie lohnen, sich auf einzelne Leistungen zu spezialisieren, während andere Dienstleistungen zugekauft werden.

Aber auch bei den Kantonalbanken dürfte es zu Veränderungen kommen. «Für einige Kantonalbanken wird es schwierig werden, ihr Geschäftsmodell weiterhin autark zu verfolgen», prognostiziert Blumer. Erwartet wird, dass sich über das Jahr 2020 hinaus einige wenige Staatsinstitute zu «regionalen Marktführern entwickeln, die andere Teilnehmer übernehmen werden», stellt die Studie fest. (sda)

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