Aktualisiert 16.06.2016 05:08

Mehr und stärkere Antennen

Gibt es bald schnelleres Internet im Zug?

Damit das Internet auf Autobahnen und im Zug nicht mehr stockt, sollen die Regeln für Mobilfunkantennen gelockert werden. Linke üben Kritik.

von
J. Büchi
Die Schweizer gehen immer öfter auswärts ins Internet - das Mobilfunknetz soll deshalb ausgebaut werden.

Die Schweizer gehen immer öfter auswärts ins Internet - das Mobilfunknetz soll deshalb ausgebaut werden.

Keystone/Gaetan Bally

Für einen guten Internetempfang via Handy würden manche Menschen fast alles tun: Für 20 Prozent der Europäer ist mobiles Surfen laut einer Studie wichtiger als Sex. Dennoch scheitert der Ausbau des Mobilfunknetzes in der Schweiz immer wieder am Widerstand gegen neue Antennen.

Nun nimmt sich die Politik des Themas an: Am Donnerstag debattiert der Nationalrat darüber, ob künftig einfacher Mobilfunkantennen aufgestellt werden sollen – und ob diese stärker strahlen dürfen. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, Präsidentin der Fernmeldekommission, sagt: «Die heutige Situation ist für viele Schweizer unbefriedigend, das Mobilfunknetz muss dringend ausgebaut werden.»

Bahnlinien und Autobahnen besser abdecken

Fest steht: Allein von 2008 bis 2011 hat die Nutzung des mobilen Internets in der Schweiz um das 14-Fache zugenommen. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) geht laut einem aktuellen Bericht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren nochmals ein Anstieg um Faktor 10 bis 20 erfolgen wird. Hauptgrund dafür sei, dass immer mehr datenintensive Dienste wie beispielsweise Video-Streaming genutzt würden. Um den «rasant anwachsenden Datenverkehr» zu bewältigen, müssten die Mobilfunknetze ausgebaut werden, heisst es im Bericht.

Um den Ausbau voranzutreiben, will die Nationalratskommission nun die Bewilligungsverfahren für Antennen beschleunigen und vereinfachen. «Damit die Bahnlinien und Autobahnen gut abgedeckt sind, müssen auch Anlagen ausserhalb der Bauzonen möglich sein», sagt Rickli. Da die Antennen immer kleiner würden, sei dies unproblematisch.

Weiter will die Kommission die Grenzwerte für die sogenannte nichtionisierende Strahlung – im Volksmund Elektrosmog genannt – anheben. Können die bestehenden Anlagen stärker senden, müssen weniger zusätzliche Antennen gebaut werden. «Heute ist der Grenzwert in der Schweiz um ein Vielfaches tiefer als in der EU», argumentiert die SVP-Frau. In Frankreich oder Deutschland liegen die Schwellenwerte rund zehnmal höher als in der Schweiz.

Gefahr für die Gesundheit?

Linke Politiker bekämpfen die Pläne. Regula Rytz, Präsidentin der Grünen, verweist darauf, dass die Weltgesundheitsorganisation die Mobilfunkstrahlung als potenziell krebserregend betrachtet. Es sei die Aufgabe der Politik, die Bevölkerung zu schützen. «Es geht nicht, dass wir wegen kurzfristigen, kommerziellen Interessen die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel setzen.»

Dass europäische Länder höhere Grenzwerte kennen, lässt sie als Argument nicht gelten: «Die Schweiz ist viel dichter besiedelt als beispielsweise Frankreich.» Auch der Bau neuer Antennen ist aus ihrer Sicht der falsche Weg. Die Industrie müsse einen Weg finden, um die Netzabdeckung mit neuen Technologien innerhalb der heutigen Grenzwerte zu verbessern. «Ausserdem muss auch das Festnetz weiter ausgebaut werden, sodass man am Arbeitsplatz oder zu Hause einen risikolosen Zugang zum Internet hat.»

«Rasant anwachsender Datenverkehr»

Im Bakom-Bericht heisst es, bislang sei einzig bewiesen, dass die Mobilfunkstrahlung das Körpergewebe erwärme. Folgen davon könnten etwa eine Beeinträchtigung der Fortpflanzungsorgane oder der Gedächtnisleistung sein – sofern gewisse Grenzwerte überschritten werden. Allerdings sei die Belastung durch Handys, die am Körper getragen würden, stärker als jene von Antennen.

Der Bundesrat zeigt sich angesichts «des prognostizierten Wachstums der zu übertragenden Datenmenge» bereit, die Strahlen-Grenzwerte zu überprüfen. Für einfachere Bewilligungsverfahren für den Bau von Antennen hingegen sei der «Spielraum gering».

Internet-Ärger im Zug

Funklöcher auf den Bahnlinien sorgen immer wieder für rote Pendlerköpfe. Selbst Verkehrs- und Kommunikationsministerin Doris Leuthard findet die schlechten Verbindungen in den Zügen «peinlich», wie sie unlängst in einem SRF-Interview sagte.

Die Ursachen für das lahmende Internet in Zügen sind dabei unterschiedlicher Natur: Damit ein Handy-Signal überhaupt ins Innere des Bahnwagens kommt, braucht es sogenannte Signalverstärker. Im Fernverkehr sind inzwischen alle geplanten Wagen entsprechend ausgerüstet, wie es bei den SBB auf Anfrage heisst. Im Regionalverkehr lassen die Umrüstungen hingegen teilweise aus finanziellen Gründen noch auf sich warten.

Allerdings sind die Verstärker erst die halbe Miete. Denn wo es kein Signal hat, nützt auch ein solches Gerät nichts. SBB-Chef Andreas Meyer übte deshalb schon vor drei Jahren Kritik an der Dichte des Antennennetzes entlang der Schienen. (jbu)

Fehler gefunden?Jetzt melden.