Cayman-Inseln: Gibt es bald Steuern im Steuerparadies?

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Cayman-InselnGibt es bald Steuern im Steuerparadies?

Den Cayman Inseln geht das Geld aus: Der Inselstaat ist hoch verschuldet. Nun muss die Inselregierung wohl zu unorthodoxen Methoden greifen – zumindest für ihre Verhältnisse.

von
mlu

Die Cayman Inseln: Sandstrände, Palmen, Schirmchencocktails – und Billionen von Vermögenswerten. Vermögenswerte, die meist von New York oder London aus verwaltet werden. Vermögenswerte, für die in den Herkunftsländern wohl in den wenigsten Fällen Steuern bezahlt werden.

Steuern zahlen auch die knapp 50 000 Einwohner der karibischen Inselgruppe nicht – weder Einkommens- noch Vermögenssteuern. Die Caymans kennen nebst verschiedenen Gebühren nur indirekte Steuern. Perfekte Rahmenbedingungen für die globale Finanzindustrie. Doch das könnte sich jetzt ändern. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) schreibt, ging bei der Regierung der Insel ein Brief aus dem fernen London ein: «Ich fürchte, es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als die Einführung neuer Steuern zu erwägen», schreibt Chris Bryant, Staatsminister im britischen Aussenministerium. Die Caymans stehen als Teil der britischen Überseegebiete noch immer unter Kontrolle des britischen Aussenministeriums – trotz weitgehender Autonomie.

Kein Lohn für die Angestellten

Dem Steuerparadies droht der Bankrott. Seit die Inselgruppe vor fünf Jahren von einem Hurrikan heimgesucht wurde, hat die Regierung stark in die Infrastruktur investiert. Vielleicht zu stark: Der Schuldenstand hat ein Rekordniveau erreicht, die Finanznot ist drückend – der Regierung soll gar das Geld fehlen, um ihren Angestellten den September-Lohn auszubezahlen.

Die Caymans sind mit 590 Millionen Dollar verschuldet. Eine verschwindend kleine Summe im Vergleich mit den rund 3,2 Billionen Dollar, die gemäss der Finanzaufsicht Cima Ende 2007 von den lokalen Geldinstituten verwaltet wurden. Laut der «FAZ» sind auf den Cayman-Inseln knapp 10 000 Hedge-Fonds registriert – so viele, wie nirgends sonst auf der Welt. Verwaltet werden diese aber meist nicht von den Caymans aus.

Grossbritannien winkt ab

Zu Hilfe eilen wollte den Caymans ein Bankenkonsortium, dass einen Notkredit von rund 370 Millionen Dollar zur Verfügung stellen wollte. Doch das britische Aussenministerium winkte ab. Erst müsse die Regierung ein solide Einnahmensbasis schaffen. Er müsse absolut sicher sein, dass es einen tragfähigen mittelfristigen Finanzplan gebe, betont Chris Bryant weiter.

Die Cayman Inseln stehen auf der grauen Liste der OECD und gelten als eines der Zentren der weltweiten Steuerhinterziehung. Mitleid dürften die Inseln also kaum erwarten.

So funktionieren Hedge-Fonds

Hedge-Fonds sind Investitionsvehikel, die zum Ziel haben, absolute Renditen zu erwirtschaften (d.h. Gewinne zu erzielen, unabhängig davon wie sich Börsen, Währungen und Rohstoffpreise entwickeln). Demzufolge hängt der Erfolg hauptsächlich von den Fähigkeiten des Hedge-Fond Managers ab. Die Manager investieren typischerweise einen Grossteil ihres Privatvermögens im eigenen Fonds. Während die Fund-Gesellschaften selbst in Finanzzentren wie New York, London und Zürich Niederlassungen unterhalten, sind die Hedge-Fons in Offshore-Finanzplätzen wie den Bahamas oder Cayman Islands domiziliert, die keine strenge Finanzaufsicht kennen. Das erlaubt den Hedge-Fonds riskante Anlagestrategien mit hohem Fremdkapitalanteil (Leverage), Leerverkäufen (Veräusserung von Objekten, die man noch gar nicht besitzt) oder mit Derivaten. So erhöht sich nicht nur das Gewinn- sondern auch das Verlustpotenzial. Der Amaranth Fonds verlor 2006 innerhalb einer Woche mit Erdgas-Futures 6 Milliarden Dollar.

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