Nathan knows: «Gibt es die «HIV-Schutzpille» auch für Frauen?»
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Nathan knows«Gibt es die «HIV-Schutzpille» auch für Frauen?»

Dana (32) will wissen, ob es für Frauen auch eine «Schutzpille für HIV», die sogenannte PrEP gibt. Experte Nathan klärt auf und sagt, was dabei zu beachten ist.

von
Nathan Schocher
Julia Ullrich
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Dana (32) fragt sich, ob es die PrEP auch für Frauen gibt. Experte Nathan Schocher klärt auf. 

Dana (32) fragt sich, ob es die PrEP auch für Frauen gibt. Experte Nathan Schocher klärt auf.

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Hat man sich beim Sex nicht angemessen geschützt und besteht ein Risiko auf eine HIV-Infektion, kann man im Notfall die PEP-Pille zu sich nehmen. Wird diese rechtzeitig eingenommen, schützt sie vor einer Infektion.

Hat man sich beim Sex nicht angemessen geschützt und besteht ein Risiko auf eine HIV-Infektion, kann man im Notfall die PEP-Pille zu sich nehmen. Wird diese rechtzeitig eingenommen, schützt sie vor einer Infektion.

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Bei einem Blowjob kann man sich zwar mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anstecken, er stellt aber kein HIV-Risiko dar.

Bei einem Blowjob kann man sich zwar mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anstecken, er stellt aber kein HIV-Risiko dar.

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Darum gehts:

  • Dana (32) fragt sich, ob es auch für Frauen eine «Schutzpille für HIV» gibt.

  • Sie habe von ihren Bekannten erfahren, dass man diese «kurzfristig nehmen und bereits am Abend Sex haben kann.»

  • Experte Nathan Schocher klärt auf.

Dana* (32) meldet sich bei uns: Sie ist single, geniesst ihre Ungebundenheit und datet gerne. Von ihren schwulen Freunden hat sie erfahren, dass diese jeweils vor dem Sex eine Pille einnehmen, die sie vor einer Ansteckung mit HIV schützt. Nun will sie von uns wissen, ob es sowas auch für Heterofrauen wie sie gibt.

Diese Pille gibt es tatsächlich, man spricht von einer Präexpositionsprophylaxe, abgekürzt PrEP. In der Schweiz ist sie bisher vor allem in der Gay-Community bekannt, da Schwule im Vergleich zu Heteros immer noch einem besonders hohen HIV-Risiko ausgesetzt sind. Die PrEP funktioniert auch bei Frauen, und zwar in Form einer täglichen Einnahme. Diese beginnt sieben Tage vor dem ersten Sex ohne Kondom. Wer die PrEP beenden will, nimmt nach dem letzten kondomlosen Sex weitere sieben Tage eine Tablette ein und setzt dann das Medikament ab.

Bei Frauen ist die Wirksamkeit laut Studien nicht ausreichend

Dana wendet ein, dass ihre Kumpels aber die PrEP auch kurzfristiger einsetzen, wenn sie zum Beispiel am gleichen Abend noch Sex haben wollen. Effektiv gibt es für Männer auch die Möglichkeit, die PrEP kurzfristiger an- und abzusetzen: Dabei werden 24 bis spätestens zwei Stunden vor dem ersten Sex zwei Tabletten gleichzeitig genommen. Danach exakt alle 24 Stunden eine Tablette sowie nach dem letzten Sex nochmals nach 24 sowie nach 48 Stunden eine Tablette.

Bei Frauen hat sich die Wirksamkeit dieser Einnahmeform allerdings in Studien als nicht ausreichend erwiesen, vermutlich weil sich die Schutzwirkung in der Vaginalschleimhaut langsamer aufbaut. Wichtig zu wissen: Die PrEP ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das erst nach einer ausführlichen ärztlichen Beratung, verbunden mit einem HIV-Test, eingenommen werden sollte. Nur um schon sicherzustellen, dass nicht unerkannterweise bereits eine HIV-Infektion vorliegt.

Regelmässige ärztliche Kontrollen sind empfohlen. Die sind wichtig, um zu überprüfen, ob das Medikament wirkt und gut vertragen wird. Ausserdem werden Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen gemacht, denn die PrEP schützt nur vor HIV. Die Kosten werden übrigens nicht von der Krankenkasse übernommen. Es gibt mittlerweile in mehreren Schweizer Städten sogenannte PrEP-Sprechstunden, hier kann man sich unkompliziert beraten lassen.

*Name geändert.

Aids-Hilfe Schweiz

Nathan Schocher ist Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Nathan Schocher ist Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Marilyn Manser

Die Aids-Hilfe Schweiz berichtet hier regelmässig über Fälle aus ihrer Beratung. Nathan Schocher, Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz, fasst einmal pro Monat einen Fall anonym in einem Beitrag zusammen.
Du brauchst selbst Hilfe? Dann melde dich unter: aids.ch.

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