Aktualisiert 10.12.2019 06:08

Experten fordern

Gibt es die «Pille danach» bald im Supermarkt?

In England fordern Gesundheitsexperten den freien Verkauf von Notfallverhütungsmitteln. Das findet auch in der Schweiz Anklang.

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Die «Pille danach» solle künftig auch ohne ein beratendes Gespräch mit einem Apotheker verfügbar sein, fordern Gesundheitsexperten in England.

Die «Pille danach» solle künftig auch ohne ein beratendes Gespräch mit einem Apotheker verfügbar sein, fordern Gesundheitsexperten in England.

Jasper Juinen
Juso-Präsidentin Ronja Jansen findet die Stossrichtung des Vorschlags gut.

Juso-Präsidentin Ronja Jansen findet die Stossrichtung des Vorschlags gut.

Keystone/Georgios Kefalas
«Massnahmen, die den Zugang zur «Pille danach» vereinfachen, sind positiv zu werten», so Jansen,

«Massnahmen, die den Zugang zur «Pille danach» vereinfachen, sind positiv zu werten», so Jansen,

Keystone/Georgios Kefalas

Geburtshelfer und Gynäkologen fordern im Vereinigten Königreich eine nationale Frauengesundheitsstrategie. In einem Bericht des «Royal College of Obstetricians and Gynaecologists» wird unter anderem ein vereinfachter Zugang zu Notfallverhütungmitteln empfohlen. Die «Pille danach» solle künftig wie Kondome frei im Laden verkäuflich sein.

Auch in der Schweiz stösst dieser Vorschlag auf offene Ohren. Ronja Jansen, Präsidentin der Juso Schweiz, begrüsst die Stossrichtung aus England. «Massnahmen, die den Zugang zur ‹Pille danach› vereinfachen, sind positiv zu werten.» Die Notfallverhütung werde auch heute noch zu stark stigmatisiert.

«Nur geringe Nebenwirkungen»

«Die in der Schweiz zugelassenen Mittel zur Notfallverhütung sind alle wissenschaftlich untersucht und weisen nur geringe Nebenwirkungen auf», sagt Christine Sieber von Sexuelle Gesundheit Schweiz. Die Frage der gesundheitlichen Auswirkungen sei entscheidend, ob es für die Vergabe ein ärztliches Rezept, eine Beratung durch Apotheker oder gar nichts dergleichen brauche. «Bei dieser Frage hat die Moral nichts zu suchen.»

Laut Sieber braucht es für eine gute Frauengesundheit auf jeden Fall einen barrierefreien Zugang zu gesundheitlich relevanten Informationen, einer persönlichen Beratung und Dienstleistungen wie medikamentösen Behandlungen.

«Apotheken sind zuständig»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri steht einer Lockerung der Abgabe hingegen skeptisch gegenüber: «Es dient der Frauengesundheit nicht, wenn die ‹Pille danach› frei im Laden verkäuflich ist, da sind die Apotheken zuständig.» Notfallverhütungsmittel sollten zwar niederschwellig und einfach herausgegeben werden, in allen Fällen danach zu greifen, sei aber falsch. «Das ist eine grosse Menge an Hormonen und nur für den Notfall gedacht. Apotheken sollten aufklären, dass es besser ist, zu verhüten.»

Sieber sieht das anders: «Ich denke nicht, dass ein freier Verkauf zu einer weniger sorgfältigen Verhütung führen wird.» Jansen ergänzt: «Erfahrungsberichte zeigen, dass die Einnahme der ‹Pille danach› unangenehm ist. Ich glaube nicht, dass eine bessere Verfügbarkeit die Leute dazu verleitet, weniger gut zu verhüten.»

Heikle Themen ansprechen

Sieber geht trotzdem davon aus, dass die verkaufte Menge von Notfallverhütungsmitteln durch einen freien Verkauf zunehmen würde. «Wenn der Zugang zu Notfallverhütung vereinfacht wird, werden sich mehr Frauen nach ungenügend geschütztem Sex für eine Notfallverhütung entscheiden.»

Die Möglichkeit einer medizinischen Betreuung solle aber gegeben sein, sagen sowohl Sieber als auch Jansen. «Der geschützte Rahmen einer Beratung macht das Ansprechen von heiklen Themen wie Verhütung, sexuell übertragbare Krankheiten oder sexuelle Gewalt möglich.» Jansen ergänzt, dass Hinweise auf das Angebot wichtig seien, aber niemand gezwungen werden solle, dieses auch wahrzunehmen.

Moralisierende Beratungen

Die Situation in der Schweiz könne nicht mit jener in England verglichen werden, sagt Sieber. Dort sei eine Studie erschienen, die gezeigt habe, dass Frauen in manchen Apotheken mit moralisierenden Bemerkungen konfrontiert würden, wenn sie Notfallverhütung brauchten.

«In der Schweiz existiert keine Studie in diesem Bereich. Ich gehe jedoch davon aus, dass in der Schweiz die Beratungen nicht moralisierend sind.» Letztendlich gehe es bei der Debatte darum, den Frauen ohne moralisierende Bemerkungen das Selbstbestimmungsrecht über ihre Gesundheit zu garantieren.

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