Gibt es ein Recht auf Auto-Haftpflicht?
Aktualisiert

Gibt es ein Recht auf Auto-Haftpflicht?

Die Schweizer Mobiliar-Versicherung verstösst mit ihrem Vorgehen bei der Autoversicherung gegen die Menschenrechte. Diese Ansicht äusserte die stellvertretende serbische Botschafterin in Bern, Mira Malic.

In ihrem Kampf gegen die höhere Kosten verursachenden Raser stellt die Mobiliar für den Abschluss von Autoversicherungen bei Bürgern aus Balkan- und anderen osteuropäischen Staaten Bedingungen: Sie müssen bereits bei der Mobiliar versichert sein; ansonsten haben sie keine Chance auf einen Vertragsabschluss.

Die Versicherung begründet ihr Vorgehen mit wirtschaftlichen Gründen. Die Mobiliar-Statistiken zeigten klar, dass 18- bis 25- jährige Neulenker aus Ost- und Südosteuropa eine zwei- bis dreifach höhere Schadenbelastung aufwiesen als die entsprechende Kategorie Schweizer.

Ökonomische Gründe «nicht ausreichend»

«Unserer Meinung nach verstösst der Ausschluss unserer Landsleute gegen die Menschenrechte», sagt Mira Malic in der Freitagausgabe des «Blick» in einem Interview. Selbst wenn die Statistiken stimmten, «reichen für mich ökonomische Gründe nicht aus, um alle Angehörigen einer Nation auszuschliessen».

Laut Malic sind neben der Mobiliar auch bei der Winterthur- Versicherung ähnliche Bestrebungen im Gang. Die Generali- Versicherung hatte ihrerseits letzten August die Prämien für Autolenker aus Balkan- und anderen osteuropäischen Staaten um bis zu 30 Prozent angehoben.

Grundrecht auf Autofahren

«Wenn man hier in der Schweiz lebt und arbeitet, ist es ein Grundrecht, auch ein Auto fahren zu dürfen», sagte Malic. Nach ihren Angaben leben in der Schweiz rund 350 000 Menschen aus Ex- Jugoslawien, darunter 240 000 Serben.

Etwas befremdet äusserte sich Malic zum Umstand, dass die betroffenen Staaten aus den Zeitungen von den Massnahmen der Versicherer erfahren mussten. Sie seien weder von diesen selbst noch von der Schweizer Regierung informiert worden.

«Es ist uns ein groses Anliegen, dass die Mobiliar ihre Entscheidung rückgängig macht», sagte Malic. Die Versicherer müssten «aufpassen, dass sie nicht am Ende bisherige Kunden verlieren».

(sda)

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