Aktualisiert 28.03.2018 07:24

Genauere DiagnoseGibt es fünf statt zwei Diabetes-Arten?

Bisher wurden Diabetiker in zwei Kategorien eingeteilt: in Typ-1 und Typ-2. Doch diese Einteilung ist skandinavischen Forschern zu grob.

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Weltweit leiden über 420 Millionen Menschen an Diabetes. Dabei unterscheiden Ärzte zwischen den zwei Formen Typ-1 und Typ-2.

Weltweit leiden über 420 Millionen Menschen an Diabetes. Dabei unterscheiden Ärzte zwischen den zwei Formen Typ-1 und Typ-2.

iStock/Peopleimages
Doch wenn es nach Forschern um Leif Groop von der schwedischen Lund University geht, müssen sich die Mediziner künftig umgewöhnen.

Doch wenn es nach Forschern um Leif Groop von der schwedischen Lund University geht, müssen sich die Mediziner künftig umgewöhnen.

iStock/Markhatfield
Groop und seine Kollegen empfehlen nämlich, die Zuckerkrankheit nicht auf zwei, sondern auf fünf Typen aufzuteilen: auf den klassischen Typ-1 plus vier weitere. Dadurch könnten die Patienten noch gezielter und besser behandelt werden.

Groop und seine Kollegen empfehlen nämlich, die Zuckerkrankheit nicht auf zwei, sondern auf fünf Typen aufzuteilen: auf den klassischen Typ-1 plus vier weitere. Dadurch könnten die Patienten noch gezielter und besser behandelt werden.

iStock/Bijoyverghese

Bei Diabetes war bisher klar: Es gibt zwei Formen. Die eine trifft in der Regel junge Menschen (Typ-1), die andere (Typ-2) ist auch als Altersdiabetes bekannt (siehe Box). Doch nun regen schwedische Forscher im Fachjournal «The Lancet Diabetes & Endocrinology» an, die Erkrankung auf fünf Kategorien – den klassischen Typ-1 plus vier weitere Typen – aufzuteilen.

Ihr Argument: Durch die Feineinteilung könnten die Patienten noch gezielter und besser behandelt werden.

Individualisierte Behandlung

Zwar sei die bisherige Kategorisierung eindeutig, aber auch ziemlich grob, moniert das Team um Leif Groop von der Lund University. Sie berücksichtige nicht, dass sich die Krankheit bei jedem Menschen individuell entwickle. So steige bei manchen das Risiko für Nierenschäden, bei anderen das für Netzhautschäden.

«Eine präzisierte Einteilung könnte ein wirksames Mittel sein, um die Behandlung zu individualisieren und Personen mit erhöhtem Risiko für Folgeschäden bei der Diagnose zu identifizieren», so Groop.

420 Millionen Betroffene

Die Auswertung der Daten von fast 15'000 Diabetes-Patienten zwischen 18 und 97 Jahren zeigte, dass neben dem Alter und dem Body-Mass-Index auch die Werte der Beta-Zellfunktion sowie die Insulinempfindlichkeit eine Rolle spielen. Dadurch kristallisierten sich neben dem klassischen Typ-1 noch vier weitere Diabetes-Arten heraus, schreiben die Forscher.

Welch grosse Bedeutung die richtige Behandlung von Diabetes-Patienten hat, zeigt der Blick in die Statistik: Laut WHO sind weltweit über 420 Millionen Menschen betroffen. In der Schweiz sind es Schätzungen zufolge fast 500'000 Personen.

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Diabetes-Typ-1 und -Typ-2

Diabetes vom Typ 1 trifft in der Regel junge Menschen. Bei dieser Form der Erkrankung werden die sogenannten Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Insulin produzieren, zerstört: Weil die körpereigene Insulinproduktion damit zum Erliegen kommt, müssen sich Betroffene das Insulin regelmässig selbst spritzen, um einem erhöhten Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken.

Diabetes des Typs 2, von dem etwa 90 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind. Durch eine längerfristig überhöhte Energiezufuhr und andere, noch unbekannte Faktoren entsteht bei einigen Organen eine Insulin-Resistenz. Diesen Effekt versucht die Bauchspeicheldrüse auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert – eine Belastung, der die Bauchspeicheldrüse nicht ewig standhält: Es kommt zu einer stark reduzierten Insulin-Ausschüttung, und der Blutzuckerwert steigt. Diese Form der Diabetes ist auch als Altersdiabetes bekannt. Heute erkranken daran vor allem Übergewichtige – vereinzelt trifft es sogar Kinder.

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