Gibt es wieder Überraschungs-Gold?
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Gibt es wieder Überraschungs-Gold?

Andreas Küttel ist gut in Form. Ob es auf's Podest reicht ist fraglich. Bei Simon Ammann sind die Hoffnungen noch kleiner. Doch wer weiss, vielleicht gibt es einen Exploit.

Vier Jahre nach Simon Ammanns doppeltem Husarenstück in Salt Lake City haben die Schweizer Skispringer in Pragelato intakte Chancen, erneut olympisches Edelmetall einzufliegen. Erster Hoffnungsträger ist heuer Andreas Küttel.

Die Ausgangslage der Mannschaft von Trainer Berni Schödler hat eine paradoxe Note. Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2002 weisen die Schweizer Skispringer auf Weltcup-Ebene bessere Resultate vor. «Wir sind als Team gewachsen, die Voraussetzungen sind besser», sagt Schödler. Und trotzdem käme eine ähnlich gute Olympia-Bilanz wie damals einer Sensation gleich. Neben Ammann mit den zwei Goldmedaillen überzeugte in Salt Lake City auch Küttel als Sechster von der Grossschanze. Nachdem Ammann in den Weltcup-Springen vor dem Gold-Rush seine ersten Podestplätze erreicht hatte, mutierte Küttel in den letzten Monaten vom Mit- zum Siegspringer. Der 26-jährige Einsiedler feierte im Dezember in Lillehammer und Harrachov seine ersten Weltcupsiege.

Küttel schöpft grosse Zuversicht aus der Tatsache, dass er in diesem Winter extrem konstant auf allerhöchstem Niveau springt. Die Erfolge, darunter auch Rang 4 in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee und Rang 6 an den Skiflug-Weltmeisterschaften am Kulm, haben dem Sportlehrer scheinbar unerschütterliches Selbstvertrauen eingeflösst. Küttel gibt sich alle Mühe, sich nicht selber unter Druck zu setzen und die Erwartungen der Öffentlichkeit nicht als Belastung zu empfinden. Die neu gewonnene mentale Stärke hat ihn das bisher meistern lassen. Die allgemein verbreitete Einstellung, dass Olympia nicht alles ist und auch Events wie Engelberg, Vierschanzentournee, Skiflug-WM oder die Auftritte vor Zehntausenden von Zuschauern in Zakopane und Willingen absolute Highlights sind, kann für die Swiss-Ski-Flugstaffel nur von Vorteil sein.

Obwohl er sich aufrichtig über die Erfolge seines Teamkollegen freut und meist an vorderster Front mitfeiert, hat sich Simon Ammann nicht gerne in die Rolle der internen Nummer 2 verdrängen lassen. Der 24-jährige Toggenburger hat seit der Traumsaison 2001/2002 ohnehin sportlich schwierige Zeiten durchgemacht. Dass er manchmal hören oder lesen muss, aus Zufall Olympiasieger geworden zu sein, ist allerdings respektlos und frech. Schliesslich war Ammann in «Gold Lake City» auf beiden Schanzen der Beste und gewann er wenige Wochen danach am Holmenkollen auch zum ersten und bisher einzigen Mal im Weltcup. Aufhorchen liess Ammann auch vor zwei Jahren, als er innert zwei Wochen dreimal Zweiter wurde.

Gerade weil die in den letzten Jahren eingeführten Regeländerungen (engere Anzüge, Messung des Body-Mass-Index) Springer von Ammanns Schlag benachteiligen, würde der talentierteste Schweizer Flieger in Turin zu gerne beweisen, dass er immer noch für olympische Spitzenresultate gut ist. Mitentscheidend wird sein, wie gut es Ammann gelingt, seinen gröbsten technischen Fehler auszumerzen. Er tendiert dazu, sich nach dem Absprung zu schnell zum Ski zu drehen.

Die Olympia-Neulinge Michael Möllinger und Guido Landert übernahmen im Vergleich zu Salt Lake City die Rollen von Sylvain Freiholz und Marco Steinauer. Der 25-jährige Doppelbürger Möllinger wechselte vor zwei Jahren vom Deutschen Skiverband zu Swiss-Ski und hat sich als sicherer Wert etabliert. Ränge zwischen 15 und 30 sind die Norm. Auch Guido Landert hat einen "Transfer" hinter sich. Der 20-jährige Toggenburger stieg im vergangenen Sommer von der Nordischen Kombination zu den Spezialspringern um. Er reist als vierter Mann primär für das Teamspringen nach Turin. Die Selektion verdiente sich Landert vor allem mit den Plätzen 10 und 17 an den schwach besetzten Weltcup-Wettkämpfen in Sapporo.

(si)

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