Aktualisiert 18.01.2017 07:27

WEF

Gibt jetzt China den Kurs der Weltwirtschaft vor?

Am WEF ist die Stunde Chinas gekommen: Präsident Xi macht sich für Offenheit und Freihandel stark. Kritiker sind entsetzt.

von
Isabel Strassheim
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Chinas Präsident Xi Linping eröffnet am Dienstag das WEF in Davos. Und zwar mit einem Bekenntnis zu Freihandel und Globalisierung.

Chinas Präsident Xi Linping eröffnet am Dienstag das WEF in Davos. Und zwar mit einem Bekenntnis zu Freihandel und Globalisierung.

Keystone/Laurent Gillieron
Nach scharfer Kritik an den Wirtschaftsplänen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat Anthony Scaramucci, Berater Trumps, für faire Handelsabkommen geworben. «Wir wollen keine Handelskriege», sagte der frühere Hedgefonds-Manager.

Nach scharfer Kritik an den Wirtschaftsplänen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat Anthony Scaramucci, Berater Trumps, für faire Handelsabkommen geworben. «Wir wollen keine Handelskriege», sagte der frühere Hedgefonds-Manager.

Keystone/Laurent Gillieron
Am Dienstag stehen Diskussionsrunden zur Zukunft von Energie, Grosskonzernen, Innovation und Genderfragen (v.l.): Panel mit Alphabet-Vizepräsidentin Ruth Porat, CS-Chef Tidjane Thiam, WPP-Chef Sir Marin Sorrell, Sunil Bharti Mittal, Chef von Bharti Enterprises sowie Andrew N. Liveris von Dow Chemical. (17. Januar 2017)

Am Dienstag stehen Diskussionsrunden zur Zukunft von Energie, Grosskonzernen, Innovation und Genderfragen (v.l.): Panel mit Alphabet-Vizepräsidentin Ruth Porat, CS-Chef Tidjane Thiam, WPP-Chef Sir Marin Sorrell, Sunil Bharti Mittal, Chef von Bharti Enterprises sowie Andrew N. Liveris von Dow Chemical. (17. Januar 2017)

Keystone/AP Photo/Michel Euler

Xi Jinping ist der erste chinesische Staatschef in Davos überhaupt. Und der erste Präsident eines ehemals kommunistischen Landes, der Freihandel und Globalisierung die Stange hält, während sie weltweit reihum in Frage gestellt werden. «China wird seine Türen weit geöffnet halten», sagte Xi. Einen Währungs- und Handelskrieg könne niemand gewinnen. Und: Nur die Globalisierung führe die Menschen weiter aus der Armut. Mit Blick auf den Ende der Woche an die Macht kommenden US-Präsidenten Donald Trump ist das als deutliche Warnung zu verstehen.

Für die Menschenrechts-Organisation Public Eye (ehemals Erklärung von Bern) ist Xis Eröffnungsauftritt am WEF, bei dem diesmal mit über 3000 Teilnehmern so viele Gäste wie noch nie sind, ein Affront. Ausgerechnet der Staatschef eines Landes wie China, wo systematisch Menschenrechte verletzt würden, müsse als Garant der Globalisierung herhalten, kritisiert Oliver Classen, Sprecher von Public Eye (siehe Video).

«Für Xi ist jetzt ein günstiger Moment gekommen, um die Rolle eines vernünftigen Staatsmannes zu spielen», sagt Oliver Adler zu 20 Minuten. Der Chefökonom der Credit Suisse weist darauf hin, dass das Land als zweitgrösste Wirtschaftsmacht hinter den USA auch sehr vitale Interessen am Freihandel hat: «Exporte sind für China immer noch sehr wichtig, wichtiger als für die USA, wo die Binnenwirtschaft eine grössere Rolle spielt.»

Susan Joho, China-Ökonomin der Bank Julius Bär, weist zudem darauf hin, dass China für den Welthandel die entscheidende Rolle spielt. «Das Land ist zentral für die weltweite industrielle Fertigung», sagt Joho. «China arbeitet seit Jahrzehnten darauf hin, eine neue Weltmacht zu werden.»

Der Auftritt seines Staatspräsidenten am WEF sollte als Zeichen für ein erstarktes China und für die Verteidigung des Welthandels verstanden werden.

In seiner WEF-Rede bekräftigte Xi, China bereue seinen Beitritt zur Freihandelsorganisation WTO vor 15 Jahren nicht. «Es geht darum, mit den weltweiten Märkten zusammenzuspannen.» Er fügte hinzu: «Chinas Entwicklung ist eine Chance für die Welt, denn das Land leistet einen grossen Beitrag allein schon durch seine Investitionen im Ausland.»

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