Aktualisiert 16.06.2017 06:54

Schweizer Arbeitsmarkt

Gibts bald nur noch Jobs für Studierte?

Jobs für Personen mit mittlerem Bildungsniveau verschwinden zusehends. Zugleich nimmt die Zahl der Stellen für Hochqualifizierte zu.

von
Isabel Strassheim
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Je höher die Bidlung, desto besser die Berufschancen.

Je höher die Bidlung, desto besser die Berufschancen.

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Die Jobs für Leute mit mittlerem Billdungsniveau, gemeint sind etwa Industriearbeiter, haben in der Schweiz laut OECD rapide abgenommen.

Die Jobs für Leute mit mittlerem Billdungsniveau, gemeint sind etwa Industriearbeiter, haben in der Schweiz laut OECD rapide abgenommen.

AP/Franka Bruns
Die Stellen für Hochqualifizierte mit Uni-, Fachhochschulabschluss oder Meisterprüfung haben dagegen stark zugenommen.

Die Stellen für Hochqualifizierte mit Uni-, Fachhochschulabschluss oder Meisterprüfung haben dagegen stark zugenommen.

Obs/formation Universitaire À Distance, Suisse/sedrik Nemeth

Die Schweiz wird zum Akademikerland: Die Zahl der Jobs für Hochqualifizierte hat deutlich zugenommen. Die Stellenangebote für mittlere Qualifikationen gingen dagegen in den Jahren 1995 bis 2005 klar zurück. Die Polarisierung ist in der Schweiz so deutlich wie in keinem anderen Industrieland der Welt, wie eine Studie der OECD zeigt.

Zu den Berufen mit mittlerem Bildungsniveau zählen Routinetätigkeiten etwa in der Industrieproduktion, aber auch in der Buchhaltung. Als hochqualifiziert gelten hingegen Leute mit Meisterprüfung, Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.

Niedrige Maturitätsquote in der Schweiz

Der Maturitätsanteil in der Schweiz ist im internationalen Vergleich jedoch gering. Laut dem Bundesamt für Statistik BFS betrug die Quote der gymnasialen Maturität 2016 rund 20 Prozent, bei der Berufsmaturität lag sie bei 15 Prozent und bei der Fachmatur unter 5 Prozent. Die Prognose geht davon aus, dass der Anteil bis 2023 nur leicht steigt. Andere Staaten wie Deutschland haben aktuell einen Maturitätsanteil von fast 50 Prozent.

Für Wirtschaftsprofessor Josef Zweimüller von der Universität Zürich ist eine höhere Maturitätsquote nicht die einzige Möglichkeit, dem Trend zu anspruchsvolleren Berufen zu begegnen. «Die Durchlässigkeit des Bildungssystems ist dagegen sehr wichtig», sagt Zweimüller zu 20 Minuten. Auch nach einer Lehre müsse so der Zugang zu einer höheren Qualifikation möglich sein.

Berufslehre wird anspruchsvoller

Zugleich betont Zweimüller, dass sich die Inhalte der Berufslehre an die veränderten Gegebenheiten anpassen müssten. «Die Berufsausbildung muss das spezieller gewordene Know how vermitteln», sagt er. Das könne dann auch der Grundstein für eine spätere höhere Bildung sein und mache es nicht unbedingt nötig, dass mehr Schüler das Gymnasium besuchen.

Der Anteil der Jobs für Niedrigqualifizierte an der Gesamtbeschäftigung ist laut OECD zwischen 1995 und 2005 in der Schweiz gleichgeblieben. Bei den Hochqualifizierten nahm er um rund 16 Prozentpunkte zu und bei den mittleren Qualifizierten um rund 16 Prozentpunkte ab. Grund hierfür sind der OECD zufolge die neuen Technologien. Die Globalisierung hingegen stehe bei dem Strukturwandel nicht im Vordergrund.

Jürg Zellweger*, soll niemand mehr eine Lehre beginnen?

Die Grundbildung ist gerade in der Schweiz mit ihrem hochwertigen dualen Bildungssystem der ideale Weg zum Einstieg ins Berufsleben. Aber nach der Lehre müssen Weiterbildungen folgen.

Um welche Weiterbildungen geht es Ihnen?

Am besten solche, die berufsbegleitend sind. Diese Form wird ausgeprägt in der Höheren Berufsbildung und in Fachhochschulen angeboten. Dort hat man die Gewähr, dass die konkreten Bedürfnisse der Wirtschaft einfliessen. Es geht nicht um reines Wissen, sondern um praxisnahes Anwendungswissen für den Berufsalltag. Das verbessert auch die Karrierechancen.

Und wer soll die Weiterbildung bezahlen?

Daran beteiligen sich oft die Arbeitgeber, sei dies mit einer Kostenbeteiligung oder indem sie Arbeitszeit zur Verfügung stellen. Künftig werden eidgenössische Prüfungen in der Höheren Berufsbildung sogar verstärkt durch den Bund unterstützt.

* Jürg Zellweger ist Bildungsexperte beim Schweizerischen Arbeitgeberverband

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