EU-Pläne: Gibts bald Schockbilder auf alkoholischen Getränken?
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EU-PläneGibts bald Schockbilder auf alkoholischen Getränken?

Im Rahmen des Aktionsplans gegen Krebs plant die EU-Kommission Gesundheitswarnungen auf allen Wein- und Bierflaschen. Sucht Schweiz begrüsst die Pläne, SVP-Politiker laufen Sturm.

von
Barbara Scherer
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Warnhinweise und Schockbilder könnten bald Wein, Bier und Spirituosen zieren.

Warnhinweise und Schockbilder könnten bald Wein, Bier und Spirituosen zieren.

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Die EU plant im Rahmen des Aktionsplans gegen Krebs nämlich Hinweise zu Gesundheitsrisiken auf Etiketten alkoholischer Getränke.

Die EU plant im Rahmen des Aktionsplans gegen Krebs nämlich Hinweise zu Gesundheitsrisiken auf Etiketten alkoholischer Getränke.

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Die Warnhinweise sind bei Zigaretten bereits normal – auch in der Schweiz.

Die Warnhinweise sind bei Zigaretten bereits normal – auch in der Schweiz.

20 Minuten/bsc

Darum gehts

  • Die EU will Warnhinweise auf alkoholischen Getränken anbringen.

  • Sucht Schweiz befürwortet die Pläne.

  • Der Schweizer Brauerei-Verband bringt bereits teilweise freiwillig Konsumhinweise an.

«Zu viel Alkohol gefährdet Ihre Gesundheit»: So ein Schriftzug mit einem abschreckenden Bild dazu könnte bald jede Wein- und Bierflasche zieren. Warnhinweise, wie sie bisher bei Zigaretten zum Einsatz kamen, sollen auch bei alkoholischen Getränken eingeführt werden.

Diesen Plan hat die Europäische Union im Rahmen des Aktionsplans gegen Krebs gefasst. Ziel ist es, bis 2025 den riskanten Alkoholkonsum in Europa um zehn Prozent zu reduzieren. Neben Warnhinweisen soll auch die Werbung für Alkohol eingeschränkt werden. Sucht Schweiz begrüsst die Pläne der EU.

«Wir denken auch, dass ein Hinweis auf die Risiken bezüglich Sterblichkeit und Krankheit auf den Getränke-Verpackungen ins Auge gefasst werden sollte», sagt eine Mediensprecherin von Sucht Schweiz zu 20 Minuten. Dass Alkohol auch Krebserkrankungen erzeugen kann, darüber wisse die Gesamtbevölkerung nach wie vor zu wenig.

Schweizer Brauer sind der EU einen Schritt voraus

Auch der Schweizer Brauerei-Verband unterstützt das Ziel der EU, schädlichen Konsum alkoholhaltiger Getränke zu reduzieren. «Unser Ziel ist es daher auch, den Konsumenten die nötigen Informationen über unsere Biere zur Verfügung zu stellen», sagt Verbandsdirektor Marcel Kreber.

So bringen bereits einige Mitglieder des Verbands freiwillig Hinweise an ihren Flaschen an. Dabei handle es sich aber nicht um Warnhinweise, sondern um Konsumhinweise, die an die Selbstverantwortung der Konsumenten appellieren, so Kreber.

Allgemein seien Schweizer Bierbrauer der EU einen Schritt voraus. So besteht gemäss Gesetz für Produzenten alkoholhaltiger Getränke über 1,2 Volumenprozent Alkohol keine Verpflichtung, die Zutaten oder die Nährwerte zu deklarieren. Trotzdem führen die Mitglieder des Schweizer Brauerei-Verbandes freiwillig die Zutaten sowie neuerdings auch den Brennwert auf den Etiketten auf.

1600 Tote durch Alkoholkonsum

Jede fünfte Person in der Schweiz trinkt zu viel oder zu oft, wie das Bundesamt für Gesundheit meldet. So sind hierzulande zwischen 250'000 und 300'000 Personen alkoholabhängig. Dabei sterben jedes Jahr rund 1600 Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren an den Folgen des Alkoholkonsums. Allein die alkoholbedingte Leberzirrhose führt bereits zu mehr als 430 Todesfällen jährlich. Der Alkoholmissbrauch verursacht in der Schweiz jedes Jahr Kosten von rund 2,8 Milliarden Franken.

«Warnhinweise bringen nicht viel»

Kritischer zeigt sich Spiritsuisse, der Verband der Spirituosenproduzenten: Der Plan der EU laufe unter Krebsbekämpfung und die Studien dazu seien nicht sehr überzeugend, heisst es auf Anfrage. Zudem habe die Schweiz die schärfsten Werbebestimmungen für Spirituosen. «Warnhinweise bringen hier nicht viel.»

Bei SVP-Nationalrat Gregor Rutz stossen die Pläne der EU auf Unverständnis: «Mit Warnhinweisen auf alkoholischen Getränken erklärt man erwachsene Bürger für unmündig.» Es sei daneben, wenn der Staat seinen Stimmbürgern eine Gebrauchsanweisung fürs Trinken von Alkohol auf die Flasche drucken wolle.

«Das passt nicht in eine liberale Demokratie», so Rutz, der auch als Weinhändler tätig ist. Werden die Warnhinweise auch in der Schweiz ein Thema, werde er sich politisch dagegen wehren. Rutz’ Meinung teilt auch sein Parteikollege Andreas Glarner: «Das ist völlig unnötig. Nur weil man einen Warnhinweis auf eine Flasche druckt, gibt es nicht weniger Alkoholiker.»

Hast du oder jemand, den du kennst, ein Problem mit Alkohol?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

MyDrinkControl, Selbsttest

Deine Meinung

484 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Titanchlorid

13.02.2021, 00:33

Über die Tücken und die Gefährlichkeit von Alkohol weiss inzwischen jeder Bescheid und man sollte wissen was man tut. Die EU-Kommission befasst sich nun wieder mal mit etwas, was lächerlich ist. Womit die EU-Kommission sich längst befassen müsste, sind die hochtechnologisch verarbeiteten Lebensmittel welche dem Konsumenten vorgesetzt werden und krank machen (Tod infolge Ernährung) >> Hexenküche Lebensmittelindustrie (arte)

Lusbueb das Original

12.02.2021, 16:13

Ich bin für Warnhinweise für Politiker in Wahlbroschüren und Abstimmungen im Abstimmungsbüchlein: 'Könnte Sie viel Geld kosten', oder 'Ist Lobbyist und Mandatesammler', oder 'Schadet CH-Arbeitnehmer'.

Die Gesichter

12.02.2021, 14:56

von Bundesbern genügen mir vollkommen, vielen Dank!