Bern: Gibts ein neues «Zaffaraya»?
Aktualisiert

BernGibts ein neues «Zaffaraya»?

Die Stadt Bern nimmt einen neuen Anlauf, um eine Zone für alternative Wohnformen zu schaffen. Sie beschwört dabei den Geist von «Zaffaraya» wieder herauf.

1987 wurde die Siedlung Zaffaraya von der Polizei geräumt.

1987 wurde die Siedlung Zaffaraya von der Polizei geräumt.

Die Stadt Bern nimmt einen neuen Anlauf, um eine Zone für alternative Wohnformen zu schaffen. Damit will sie eine ordentliche Grundlage für Wohnexperimente wie etwa die Hüttensiedlung Zaffaraya schaffen. Ein erster solcher Versuch scheiterte 1996 an der Urne.

Auch beim neuerlichen Versuch werden die Stimmberechtigten das letzte Wort haben, wie der Gemeinderat am Freitag mitteilte. Zunächst prüft die Stadt nun die vier Standorte Riedbach, Neubrück, Hasli und Fussacker. Die Areale gehören der Stadt oder der Burgergemeinde.

Im Spätsommer will der Gemeinderat einen Standortentscheid fällen und den Planungsentwurf in die öffentliche Mitwirkung geben. Das Auflage- und Einspracheverfahren soll im Frühling 2011 erfolgen. Die Stimmberechtigten können voraussichtlich im November 2011 über die Vorlage befinden.

Für die Prüfung der Standorte hat der Gemeinderat einen Kredit von 60'000 Franken gesprochen. Dies stösst dem «Bund der Steuerzahler Kanton Bern» sauer auf, wie dessen Geschäftsführer, SVP- Grossrat Thomas Fuchs, am Freitag mitteilte.

Die Bevölkerung habe solche Zonen 1996 an der Urne abgelehnt. Nun gebe der Gemeinderat dem Druck linker und linksextremer Kreise nach. Durch die Hintertür solle ein illegaler Zustand legalisiert werden. Die Vereinigung will kommende Woche beim Regierungsstatthalter eine Aufsichtsanzeige einreichen.

Vom «Zaffaraya» bis zu den «Stadtnomaden»

Der Wunsch nach alternativen Wohnformen in der Stadt Bern geht bis in die 1980-er Jahre zurück. Ebenso alt ist das Bestreben der Stadt, für Wohnexperimente eine ordentliche Rechtsgrundlage zu schaffen.

Das wohl älteste bekannteste alternative Wohnprojekt in der Stadt Bern ist die Siedlung «Zaffaraya». Nach der Räumung des «Zaffaraya» auf dem Berner Gaswerkareal erhielten die Bewohner ein Terrain beim Autobahnanschluss Neufeld.

Seit der Fertigstellung des neuen Autobahnzubringers im Neufeld ist das «Zaffaraya» auf Land des Bundes auf Zusehen hin geduldet. Auch andere Gruppierungen suchten oder suchen nach geeigneten Standorten, so etwa die «Stadtnomaden» und die «Stadttauben».

Im Oktober 2008 einigten sich Stadt, Burgergemeinde, Kanton und weitere Beteiligte an einem Runden Tisch darauf, den entsprechenden Gruppierungen bis auf weiteres zeitlich befristete Plätze zur Verfügung zu stellen. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollte jedoch eine definitive und gesetzeskonforme Lösung gefunden werden.

Breite, öffentliche Diskussion

Vor diesem Hintergrund hält der Gemeinderat der Stadt Bern die Zeit für reif, die breite, öffentliche Debatte über eine Zone für Wohnexperimente wieder aufzunehmen.

Eine solche Zone wäre eine pragmatische und dauerhafte Lösung, findet die Stadtregierung. In einer liberalen und modernen Gesellschaft müsse es auch Platz geben für Menschen, die unkonventionelle Wohnformen aufprobieren wollten. (sda)

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